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Stille im Hexenkessel von Oberhof

Fans sind das Markenzeichen des Biathlon-Weltcups am Rennsteig. Die werden diesmal gleich doppelt ausgesperrt. Für die Sportler hat das einen kleinen Vorteil.

Schnee liegt reichlich im Oberhofer Biathlon-Stadion. Nur die Zuschauer fehlen diesmal.
Schnee liegt reichlich im Oberhofer Biathlon-Stadion. Nur die Zuschauer fehlen diesmal. © Archiv: dpa/Martin Schutt

Oberhof. Es sind ungewöhnliche Nachrichten, die kurz vor Beginn des Biathlon-Weltcups aus Oberhof kommen. Die üblichen Hinweise zu den Resttickets an einzelnen Wettkampftagen sind nicht darunter, genauso wenig wie die zu den Park & Ride-Plätzen und Shuttle-Bussen.

Stattdessen wird eine Bitte gebetsmühlenartig wiederholt: „Seid vernünftig, schaut euch die Rennen für dieses eine Mal ausschließlich am Fernseher an“, heißt es in den Mitteilungen der örtlichen Veranstalter.

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Punkten mit den DSC Volleyball Damen
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Am 23. Januar empfangen die DSC Volleyball Damen NawaRo Straubing zum Heimspiel in der Margon Arena.

Nachdem am vergangenen Wochenende tausende Tagesausflügler Zufahrtsstraßen und Rettungswege zugeparkt hatten, will der Bürgermeister Deutschlands höchstgelegene Stadt zum Weltcup, dessen erster Teil am Freitag mit den Sprintrennen beginnt, weitestgehend abriegeln.

Wo sonst Reisebusse in Zweierreihen am Straßenrand parken und Zuschauer als bunte Knäule vor den Eingängen warten, wird es diesmal leer und ruhig sein. Und das am lautesten und wohl auch verrücktesten Biathlonstandort weltweit.

Oropax wird nicht benötigt

Eine Umstellung wird es vor allem für die Sportler, obwohl es seit dem Ende der vergangenen Saison nur noch Geisterrennen gibt. „Die bisherigen Weltcups ohne Zuschauer waren schon gewöhnungsbedürftig, aber in Oberhof wird es ganz speziell“, ahnt Denise Herrmann, die als Sächsin fast einen Heimauftritt hat. „Dort kennen wir nur die vollen Tribünen, den Lautstärke-Pegel am Birxsteig.“

Die Kulisse am Rennsteig ist sonst derart ohrenbetäubend, dass einige Biathleten zu Oropax greifen, um sich aufs Laufen und vor allem Schießen konzentrieren zu können. Von den lauten Anfeuerungen hat sich schon mancher zu einem Tempo hinreißen lassen, das er spätestens auf der Schlussrunde bereute.

Das Zuschauerverbot aufgrund der Corona-Bestimmungen ist für die Athleten ärgerlich – und für die Veranstalter gleich doppelt, weil sich der Oberhofer Weltcup ausnahmsweise über zwei Wochenenden erstreckt. Um den Reisestress und damit die Ansteckungsgefahr zu minimieren, hat die Internationale Biathlon-Union (IBU) Ruhpolding aus dem Kalender gestrichen, dafür bleibt der ganze Tross einfach eine Woche länger im Thüringer Wald.

Dass es so lief und nicht andersherum, hat zwei Gründe: Oberhof ist im Februar 2023 WM-Gastgeber, da möchte die IBU vorher die umfangreichen Um- und Neubauten im Stadion gründlich testen. Zudem sprang Ruhpolding vor fünf Jahren mit einer Doppel-Veranstaltung ein, als der Weltcup in Oberhof wegen akuten Schneemangels kurzfristig abgesagt werden musste.

„Lieber ohne Fans als gar nicht“

Das deutsche Team versucht sich bei den Heimrennen trotz der ungewöhnlichen Umstände auf das Sportliche zu konzentrieren. „Wir müssen professionell mit der Situation umgehen und zusammenhalten“, erklärte Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer. Denise Herrmann spricht aus, was wohl die meisten Skijäger denken: „Wir laufen lieber Wettkämpfe ohne Zuschauer als gar keine Wettkämpfe und hoffen, dass viele am Fernseher mitfiebern."

Für Simon Schempp werden es aus ganz anderen Gründen besondere Rennen. Der dreimalige Olympia-Medaillengewinner feiert in Oberhof seinen Saisoneinstand in der obersten Biathlon-Liga. Bei den Ausscheidungsrennen hatte sich der 32-Jährige zunächst nicht fürs Weltcupteam qualifizieren können.

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„Wo ich genau stehe, ist schwierig zu sagen, weil mir bisher der internationale Vergleich fehlt“, sagte Schempp. „Wunderdinge“ seien deshalb nicht zu erwarten, „aber ich denke schon, dass ich ordentliche Ergebnisse einfahren kann.“ Sehen können das die Fans ausschließlich am Bildschirm. „Es gibt keinerlei Möglichkeiten, die Rennen an der Strecke zu verfolgen. Das gesamte Areal ist abgesperrt“, heißt es in der Mitteilung der Organisatoren. Oberhof schottet sich ab.

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