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Die nordische Ski-Familie ist komplett

Erstmals durften bei einer Weltmeisterschaft auch Kombiniererinnen starten. Jenny Nowak aus Sohland hat sich davon mehr erhofft.

Die deutschen Kombiniererinnen Svenja Würth, Cindy Haasch, Jenny Nowak und Maria Gerboth (v.l.) im Ziel der ersten WM-Entscheidung der Frauen.
Die deutschen Kombiniererinnen Svenja Würth, Cindy Haasch, Jenny Nowak und Maria Gerboth (v.l.) im Ziel der ersten WM-Entscheidung der Frauen. © dpa/Karl-Josef Hildebrand

Von Uwe Wicher

Oberstdorf. Die Besonderheit des Moments war unüberhörbar. Lauter Beifall, nicht nur kurz, sondern länger anhaltend, durchbrach die sonstige Stille im zuschauerleeren Zielbereich des Oberstdorfer Langlaufstadions. Sportler, Trainer, Betreuer, Funktionäre, Kampfrichter, Streckenarbeiter und andere Organisationshelfer hatten sich extra eingefunden, um in der WM-Familie neue Verwandte willkommen zu heißen. Die Kombiniererinnen, die erstmals an einer nordischen Ski-WM teilnehmen durften, ermittelten ihre Besten, und alle waren sich einig, dass dies eine gelungene Premiere war.

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„Jetzt sind wir komplett und haben alle an Bord“, hatte sich Horst Hüttel, der Chef Skispringen und Nordische Kombination des Deutschen Skiverbandes, bereits im Vorfeld zufrieden gezeigt, dass mit der Installierung einer eigenen Weltcupserie und der Aufnahme ins WM-Programm die letzte große Wintersportart einen großen Schritt zur Gleichberechtigung für Sportlerinnen und Sportler getan hat.

Defizite vor allem im Springen

Als Siegerin dieses geschichtsträchtigen Wettbewerbes genoss Gyda Westvold Hansen das Bad in der Menge. „Es ist etwas Besonderes, dass ich an diesem Wettbewerb teilnehmen konnte. Es war ein großartiger Tag für uns alle“, erzählte die 18-Jährige und meinte damit vor allem auch die Geschwister Mari und Marte Leinan Lund, die mit ihr auf dem Podium standen und ebenfalls aus Norwegen kommen.

Auch der deutsche Bundestrainer zeigte sich überwältigt. „Es war ein Wahnsinnswettkampf, eine sehr schöne Weltmeisterschaft“, meinte Klaus Edelmann zur Veranstaltung an sich, kam dann aber schnell zur Einordnung der Leistung seiner Sportlerinnen. „Dass wir uns bei einer WM präsentieren konnten, ist erfreulich. Dass uns das nicht im Vorderfeld gelingen würde, war am bisherigen Saisonverlauf abzusehen“, sagte der Thüringer, dessen Sohn Tino einst zur Kombinierer-Weltspitze gehörte.

Beste Deutsche beim WM-Debüt war die erst 16-jährige Cindy Haasch aus Ruhla auf dem elften Platz. Besonders im Springen, so Edelmann, habe man Defizite, die es nach dieser Saison aufzuholen gilt, um nicht einen zu großen Rückstand mit auf die Laufstrecke zu nehmen. Svenja Würth, die von den Springerinnen in die Kombination wechselte, wird sich dagegen verstärkt dem Lauftraining widmen. „Ein, zwei Jahre wird es bei ihr noch dauern, bis sie sich deutlich verbessert haben wird“, glaubt der Bundestrainer.

Vor einem Jahr gratulierte Rekord-Weltmeister Eric Frenzel der Lausitzerin Jenny Nowak zum Jugend-WM-Titel.
Vor einem Jahr gratulierte Rekord-Weltmeister Eric Frenzel der Lausitzerin Jenny Nowak zum Jugend-WM-Titel. © Archiv: dpa/Hendrik Schmidt

Etwas anders sieht es bei Jenny Nowak aus. Die 18-Jährige stammt aus Cunewalde, fand als Sechsjährige Gefallen an Skisprung und Langlauf. Im nordischen Nachwuchsstützpunkt des SC Sohland formten Sven Hohlfeld und Hans Steinbrich das talentierte Mädchen, die seit 2005 in Klingenthal trainiert.

Jenny Nowak war im Nachwuchsbereich bereits Weltspitze. Im März des vergangenen Jahres wurde sie in Oberwiesenthal Weltmeisterin der Juniorinnen, bezwang dabei jene Westvold Hansen, die jetzt in Oberstdorf zur ersten Weltmeisterin der Frauen gekürt wurde. Die Lausitzerin kam aber nur auf den 18. Platz.

Bei der Junioren-WM in Oberwiesenthal wurde Jenny Nowak 2020 Weltmeisterin in der Nordischen Kombination. Nun gehört sie zum Kreis der Elite-Athleten.
Bei der Junioren-WM in Oberwiesenthal wurde Jenny Nowak 2020 Weltmeisterin in der Nordischen Kombination. Nun gehört sie zum Kreis der Elite-Athleten. © dpa PA/Deutscher Skiverband/Sven

„Ich habe mir mehr erhofft, obwohl ich keine guten Vorleistungen hatte“, sagte Jenny Nowak nach dem Rennen. Dass sie in diesem Winter nie zu ihrer Bestform fand, hat offensichtlich Gründe in der Trainingsgestaltung in der Saisonvorbereitung. „Möglicherweise wurde mit ihr zu viel trainiert, um die Laufleistung zu verbessern“, erklärte der Bundestrainer. Dies könne wiederum zu den muskulären Problemen in den Beinen geführt haben, wodurch sie nie ihr wahres Leistungspotenzial abrufen konnte.

„Ich muss mich mit den Trainern beraten, was schief gelaufen ist in der Vorbereitung und was ich anders machen kann für die nächste Saison“, meinte Jenny Nowak im Hinblick auf die nächsten Wochen. Zuversicht und Selbstbewusstsein strahlt sie aus, und sie wird, das ist für Edelmann klar, „auch weiterhin die Führungspersönlichkeit in der deutschen Frauen-Kombination sein“.

Es wartet noch viel Arbeit

Es liegt in der Natur der Sache, dass bei der Entwicklung einer noch jungen Sportart nicht alles perfekt läuft, viele Erfahrungen gemacht werden müssen. Dass in der Nordischen Kombination der Frauen noch viel zu tun ist, zeigte sich in Oberstdorf bei den Darbietungen auf der Schanze und der 5-Kilometer-Laufstrecke.

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