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Kombinierer fliegen an Medaille vorbei

Ein 19-Jähriger Österreicher entzaubert bei der WM den norwegischen Dominator. Das hatten eigentlich die Deutschen vor. Doch schon auf der Schanze hapert es gewaltig.

Liegt gut in der Luft, springt aber zu kurz: Kombinierer Eric Frenzel ist von der Schanze zu verkrampft, findet sein Trainer.
Liegt gut in der Luft, springt aber zu kurz: Kombinierer Eric Frenzel ist von der Schanze zu verkrampft, findet sein Trainer. © dpa/Daniel Karmann

Von Uwe Wicher

Oberstdorf. Ein Jungspund hat den Etablierten gezeigt, wie es geht. Der 19-jährige Österreicher Johannes Lamparter bezwang am Donnerstag in der Nordischen Kombination den Dominator dieser Sportart, Jarl Magnus Riiber aus Norwegen. Der junge Mann aus Tirol, Anfang Februar in Lahti zum Juniorenweltmeister gekürt, hat damit vorgemacht, was sich eigentlich die Deutschen für diese WM in Oberstdorf vorgenommen hatten: Riiber vom Favoritenthron zu stoßen.

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„Ich kann noch gar nicht richtig glauben, dass mir heute wirklich alles hundertprozentig gelungen ist“, erklärt Lamparter, der schon am Vormittag das Springen auf der Großschanze mit der Bestweite von 138 Metern gewinnt. Akito Watabe (Japan/137,5) und Riiber (135), die dann am Nachmittag mit einem rund halbminütigen Rückstand auf die 10-Kilometer-Strecke gehen, können auf den Führenden zu keinem Zeitpunkt aufholen. Im Endspurt um Silber und Bronze setzt sich schließlich der Skandinavier durch.

Die Endplatzierungen der beiden besten Deutschen, Eric Frenzel und Fabian Rießle, nehmen sich auf den Plätzen vier und fünf durchaus beachtlich aus. Bundestrainer Hermann Weinbuch relativiert dieses Abschneiden aber sofort: „Auf den ersten Blick sind wir noch gut weggekommen, doch der Wettkampf insgesamt verlief für uns sehr enttäuschend. Wir haben auf der Schanze zu viele Fehler gemacht, da waren wir einfach zu weit weg von der Spitze.“ So fliegt Rießle zwölf Meter kürzer als Lamparter, Frenzel sogar 16 Meter – ein zu großes Handicap für den Langlauf.

Fabian Rießle (l.) und Eric Frenzel kommen als Fünfter und Vierter ins Ziel.
Fabian Rießle (l.) und Eric Frenzel kommen als Fünfter und Vierter ins Ziel. © dpa/Daniel Karmann

Damit ist bei dieser WM in Oberstdorf auch der dritte Angriff der Deutschen auf Riiber gescheitert. Nach wie vor haben die Weinbuch-Männer zu viele Probleme im Springen. Die Konzentration auf diesen Part des Winterzweikampfes in der Saisonvorbereitung hat noch nicht zum gewünschten Erfolg geführt. Nach der Verpflichtung des Österreichers Heinz Kuttin als Sprungtrainer für Ronny Ackermann sind zwar Fortschritte erreicht worden, aber stabil ist diese Entwicklung noch nicht. Zwar gibt es Siege und Podestplätze im Weltcup, doch zu oft beeinträchtigen individuelle Leistungsschwankungen die angestrebte Kontinuität.

„Das Springen macht mir wieder Spaß“, bekräftigt Eric Frenzel mehrmals, seit Kuttin das Sagen auf der Schanze hat. Das bestätigt auch Weinbuch: „Gerade Eric hat schnell Vertrauen zu Heinz gefasst. Er profitiert davon.“ Offensichtlich hat der neue Trainer, einst selbst Weltmeister, auch versucht, in persönlichen Gesprächen Leistungsreserven zu erschließen. So auch bei Deutschlands nach wie vor bestem Kombinierer. „Eric Frenzel muss verinnerlichen, dass er das Springen nicht unbedingt zu gewinnen braucht. So bekommt er auch die Lockerheit, die noch ein bisschen fehlt. Und dann hat er beste Chancen, ganz nach vorn zu laufen“, schätzt Kuttin ein.

Alle Hoffnung auf den Teamsprint

Dass es in Oberstdorf für das deutsche Team nicht optimal läuft, darin sind sich Weinbuch und Kuttin einig, hat allerdings nicht nur Gründe beim Springen. „Wir sind auf der Normalschanze gut gesprungen, haben aber dann keine optimalen Langlaufski gehabt“, erklärt Weinbuch. Am gestrigen Donnerstag seien die Skier hervorragend gewesen, aber der Rückstand durch schwache Sprünge zu groß. Das soll nun am Sonnabend auf den WM-Anlagen im Allgäu anders werden, wenn der Teamsprint als letzter Kombinationswettbewerb der Titelkämpfe auf dem Programm steht. „Da müssen wir hinkriegen, was uns bisher leider nicht gelungen ist: Dass in einem Wettkampf alles passt“, sagt Weinbuch.

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Das wünscht sich auch Frenzel, der mit Rießle den Teamsprint bestreiten wird. „Letztendlich ist es egal, Vierter, Fünfter oder Zehnter – bei einer Weltmeisterschaft zählen die Medaillen. Und dafür werden wir nochmal angreifen“, versichert der 32-Jährige aus dem Erzgebirge.

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