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Erst die Feier, dann das Eis für die deutschen Fahnenträger

Claudia Pechstein und Francesco Friedrich sind die deutschen Fahnenträger bei Olympia in Peking. Ein cooles Duo, findet sie. Und er spricht vom Ritterschlag.

Von Tino Meyer
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Er 31, sie 49: Mit Francesco Friedrich und Claudia Pechstein tragen zwei erfahrene Olympioniken die deutsche Fahne bei den Winterspielen in Peking.
Er 31, sie 49: Mit Francesco Friedrich und Claudia Pechstein tragen zwei erfahrene Olympioniken die deutsche Fahne bei den Winterspielen in Peking. © dpa

Peking. Auf ihn hätte man wetten können. Derzeit gibt es bekanntlich kaum etwas, was Francesco Friedrich nicht gewinnt. Als Bobdominator und Rekordsammler hat sich der Pirnaer einen Namen gemacht, und den beiden Olympiasiegen von 2018 will Friedrich in Peking nun zwei weitere folgen lassen. Es wäre die nächste Bestmarke. Dass er bei der olympischen Eröffnungsfeier heute die deutsche Fahne trägt, ist wenig überraschend.

Aber Claudia Pechstein!? Sie hat sogar schon fünf olympische Goldmedaillen gewonnen, ein Ziel, dass Friedrich auch noch erreichen möchte, und die Eisschnellläuferin aus Berlin ist mit ihrer achten Olympia-Teilnahme jetzt die erfolgreichste Winter-olympionikin überhaupt. Nur liegt der letzte große Erfolg schon viele Jahre zurück. Dass Pechstein nach zweijähriger Sperre wegen Blutdopings und den Kampf dagegen in allen möglichen rechtlichen Instanzen als inzwischen 49-Jährige in ihrer Sportart zumindest in Deutschland unverändert das Maß der Dinge darstellt, kommt einem Triumph gleich, auf jeden Fall für sie persönlich.

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Die Wahl zur Fahnenträgerin, über die je zur Hälfte die Bevölkerung und die Sportler abgestimmt haben, bedeutet ihr noch viel mehr. Sie sei ganz, ganz stolz, erklärt Pechstein und spricht vom i-Punkt auf ihrer Karriere, um letztlich festzustellen: „Fahnenträgerin zu sein ist für mich mehr wert als alle meine olympischen Medaillen, das ist etwas ganz Besonderes.“ Es handelt sich dabei letztlich ja einmal mehr auch um einen Popularitätsbeweis, nachdem sie 2018 in Pyeongchang noch knapp dem Nordischen Kombinierer Eric Frenzel unterlag.

Friedrich hat eine lange Anreise

In der zweiten Reihe lief Friedrich vor vier Jahren beim Einmarsch der Nationen. „Ich hatte die Fahne zum Greifen nah“, sagt er am Donnerstagnachmittag Ortszeit bei der Online-Pressekonferenz, die wegen ihm um drei Stunden nach hinten verschoben werden musste. Neue Corona-Regeln für die Eröffnungsfeier hatten den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) erreicht, doch Friedrich machte gerade das, weswegen er eigentlich in China ist: Bobfahren. Das zweite Zusatztraining war zu absolvieren – und kurzzeitig kursierte das Gerücht, Friedrich würde die Wahl aufgrund der Umstände nicht annehmen.

Rund 80 Kilometer sind es aus den Bergen von Yanqing hinunter in die Hauptstadt, und nicht nur die Fahrt, sondern auch so eine Eröffnungsfeier bei Olympia zieht sich. Da geht schnell mal ein halber Tag drauf, zumal ihm nach den ersten Trainingsfahrten klar ist, dass am Zweierbob noch etwas geschraubt werden muss.

Nun also muss er am Freitag noch einen weiteren Corona-Test machen und auch noch früher als zunächst vorgesehen im Olympiastadion von Peking sein. Lange überlegt hat Friedrich nicht. Denn so ein Angebot, das ist ihm in den letzten Tagen seit der Nominierung klar geworden, bekommen auch Rekordjäger nur einmal.

„Das ist wie der Ritterschlag in England und eine riesengroße Ehre, phänomenal, gigantisch, ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen“, sagt Friedrich und, das zeichnet ihn genauso wie Pechstein aus, hebt hervor, dass auch die anderen Kandidaten würdige Fahnenträger gewesen wären. Er meint Rodlerin Natalie Geisenberger, Snowboarderin Ramona Hofmeister, Eishockey-Kapitän Moritz Müller sowie Rodler Tobias Wendl, die außerdem vom DOSB nominiert waren. „Jeder Olympionike hätte es verdient gehabt“, meint Friedrich gar, und Pechstein stellt fest: „Francesco und ich, das ist ein cooles Duo.“

Für Pechstein geht es nicht mehr um Medaillen

Das „kleine bis mittelgroße Risiko“, das der selbsterklärte Perfektionist und Krümelkacker angesichts der unverändert angespannten Corona-Lage auch in der geschützten olympischen Blase sieht, „nehme ich sehr gern in Kauf“.

Seinen Plan für die nächsten beiden Tage hat er daraufhin kurzerhand umgestellt, denn trainiert werden soll ja trotzdem. Da geht selbst eine olympische Eröffnungsfeier nicht als Ausnahme durch. Anders als bei Pechstein ist bis zu seinem ersten Wettkampf außerdem noch etwas Zeit, erst am 14. Februar beginnt die Mission Gold im Zweierbob, mit dem er seit 2013 alle großen Rennen für sich entschieden hat.

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Pechstein muss schon am Samstag aufs Eis, die 3.000 Meter stehen an. Um Medaillen geht es für sie inzwischen nicht mehr, dafür ist sie nun mit einer Extraportion Motivation unterwegs. Bis auf einmal bei ihren ersten Spielen – 1992 in Albertville war das, Friedrichs noch keine zwei Jahre alt und mit Wolfgang Hoppe ein Bobpilot der Fahnenträger – habe sie wegen des Wettkampfs am Tag danach immer auf das Zeremoniell verzichtet, erzählt Pechstein. Ein Gänsehaut-Moment sei das damals gewesen, erinnert sie sich, und die Gefühle sollen sie auch diesmal tragen. „Ich werde das voll genießen“, sagt sie – und hat, das ist ihr anzusehen, bereits damit begonnen.

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