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Der Olympia-Startplatz geht an die beste Freundin

In einer großen Geste ermöglicht die US-amerikanische Eisschnellläuferin Brittany Bowe ihrer Teamkollegin Erin Jackson den Traum von Olympia.

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Rasend schnell. Brittany Bowe beglückte ihre Kollegin
Rasend schnell. Brittany Bowe beglückte ihre Kollegin © Oleksiewicz/Imago

Von Inga Hofmann

Madison. Die US-amerikanische Eisschnellläuferin Brittany Bowe hat ihrer Teamkollegin Erin Jackson den Traum von den Olympischen Spielen erfüllt und gleichzeitig selbst auf eine Medaillenchance verzichtet. Das ist eine große Geste, die sich da im US-Bundesstaat Wisconsin ereignet hat. Kurz nach ihrem Sieg im 500-Meter-Ausscheidungsrennen in Milwaukee für die Winterspiele in Peking gab Bowe ihren Startplatz an ihre Jugendfreundin Erin Jackson ab. Diese war nur Dritte geworden, nachdem sie gestrauchelt war.

Bis dahin hatte Erin Jackson in dieser Saison im 500-Meter-Rennen der Eisschnellläuferinnen dominiert und galt daher auch als Favoritin auf olympisches Gold in Peking. Daher war die 29 Jahre alte Eisschnellläuferin dementsprechend enttäuscht, als klar ihr wurde, dass sie den Lauf nicht wiederholen durfte, weil sie nur gestrauchelt und nicht gestürzt war. „Das ist natürlich sehr enttäuschend, aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf“, sagte Erin Jackson zunächst dem TV-Sender NBC.

"Wusste sofort, dass ich eine Entscheidung treffen muss"

Ihre einzige Hoffnung bestand darin, dass eine der beiden Erstplatzierten Bowe und Kimi Goetz ihren Platz aufgaben. Und das tat dann Bowe, die bereits über ihre Weltrekordstrecke 1.000- und 1.500-Meter-Startplätze für die Spiele von Peking geholt hatte. „Erin verdient es, zum 500-Meter-Team zu gehören“, sagte Brittany Bowe, „nach ihrem unglücklichen Ausrutscher wusste ich sofort, dass ich eine Entscheidung treffen musste, sie kann meinen Platz haben.“

Brittany Bowe ging es dabei wohl nicht nur um professionelle Aspekte oder vielleicht darum, sicherzustellen, dass das Team USA sich alle Medaillenchancen offenhält. Sie und Jackson stammen außerdem beide aus Ocala und sind seit ihrer Kindheit eng befreundet. Umso mehr berührte Erin Jackson die Geste: „Ich habe immer gewusst, was für ein unglaublicher Mensch sie ist, und das zeigt sich jetzt.“

In Zeiten, in denen Spielabsagen, Coronafälle und ungeimpfte Spieler den Sport dominieren, sind das Bilder, die ein wenig Hoffnung machen. Sie geben einen Ausblick, auf welche sportlichen Momente wir uns in diesem Jahr noch freuen dürfen – trotz aller Widrigkeiten.

Gelebte Solidarität gab es schon in Tokio

Bereits bei den olympischen Sommerspielen in Tokio im vergangenen Jahr waren es wohl ebenjene Momente der Solidarität, die besonders berührten. Etwa als Turnerin Simon Biles aufgrund mentaler Probleme selbst in einem Wettkampf nicht antreten konnte und ihre Kollegin Sunisa Lee, die Gold im Mehrkampf holte, trotzdem lautstark bejubelte. Oder als Gianmarco Tamberi und Essa Mutaz Barshim exakt gleich hoch sprangen, aber auf ein Stechen verzichteten und sich stattdessen die Goldmedaille im olympischen Hochsprungteilten.

Und so dürfen sich die Zuschauer (zumindest an den Bildschirmen) bereits jetzt schon auf die Momente freuen, wenn Brittany Bowe dann bei den Olympischen Spielen in Peking im 1.000- und 1.500-Meter–Lauf antritt und Erin Jackson sie am „lautesten von allen“ anfeuert. Das hat sie nämlich bereits versprochen. (mit dpa)