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Sport

Speer-Star haut nächsten Riesenwurf raus

Johannes Vetter aus Dresden überragt auch bei der Mannschafts-EM in seiner Disziplin. Doch bereits nach dem zweiten Durchgang meldet sich der Oberschenkel.

Johannes Vetter beendet den Wettbewerb wegen Adduktorenproblemen vorzeitig und gibt Entwarnung: „Es ist nichts, was mich von Olympia-Gold abhalten kann.“
Johannes Vetter beendet den Wettbewerb wegen Adduktorenproblemen vorzeitig und gibt Entwarnung: „Es ist nichts, was mich von Olympia-Gold abhalten kann.“ © PAP

Von Christoph Leuchtenberg

Chorzow. Die Freude über seinen Riesenwurf mischte sich bei Johannes Vetter mit leisen Verletzungssorgen und einer Portion Wehmut. „Ich bin ein bisschen traurig, weil ich den Wettkampf früher als geplant beenden musste“, sagte der Speerwerfer, nachdem er bei der Mannschafts-Leichtathletik-EM in Polen mit fulminanten 96,29 Metern an seinem deutschen Rekord gekratzt hatte: „Das war geil, ziemliche Weltklasse. Heute wäre etwas Großes drin gewesen.“

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In Chorzow, der Stadt mit großer persönlicher Bedeutung („Mein Großvater ist in Chorzow geboren. Vielleicht habe ich seinetwegen über 90 Meter geworfen“), musste der 28-Jährige nach zwei von vier Durchgängen vorzeitig abbrechen. Der rechte Oberschenkel bereitete Beschwerden. „Es ist nichts Ernstes, nichts, was irgendwelche Auswirkungen auf Olympia hat. Ich kann Entwarnung geben“, sagte Vetter nach einer MRT-Untersuchung.

Chorzow war nicht nur nur wegen Vetter eine Showbühne für die deutschen Speer-Asse. Europameisterin Christin Hussong aus Zweibrücken steigerte ihre persönliche Bestmarke von 67,90 auf satte 69,19 Meter und setzte sich dadurch hinter Christina Obergföll (70,20) auf Rang zwei der deutschen Bestenliste.

Sieben Erfolge in 40 Disziplinen reichten der deutschen Auswahl in der Endabrechung mit 171 Punkten zu Platz vier unter sieben Nationen. Europameister wurde Gastgeber Polen mit 181,5 Zählern.

Ob Vetters „kleine Verletzung“ derweil Einfluss auf einen Start am nächsten Wochenende bei der deutschen Meisterschaft in Braunschweig hat? „Dazu teile ich in der Woche etwas mit“, sagte Vetter: „Mir wäre aber auch lieber, wenn man den Fokus auf diesen geilen Wettkampf legen würde.“

Hindernisläufer Bebendorf belegt Platz fünf nach Sturz

Dieser Wunsch hat Berechtigung, zumal es der Wahl-Offenburger nicht zum ersten Mal in Chorzow krachen ließ: Am 6. September 2020 warf er dort gigantische 97,76 Meter – nur 72 Zentimeter weniger als der vermeintliche Jahrhundert-Weltrekord des Tschechen Jan Zelezny aus dem Jahr 1996 mit 98,48 Metern. Und am Samstag zeigte Vetter beim zweitbesten Wettkampf seiner Karriere, dass er in Normalform der haushohe Favorit für die Olympischen Sommerspiele in Tokio sein wird.

Bereits im ersten Durchgang steigerte er mit 94,24 Metern seine Jahresweltbestleistung um vier Zentimeter. Mit dem zweiten Versuch haute er richtig einen raus. Anschließend meldete sich der Oberschenkel. Vetter blies die Jagd auf deutschen wie Weltrekord ab. „Echt schade“, meinte er.

Allerdings könnte es für Kraftpaket Vetter ein kleiner Warnschuss gewesen sein, es in Sachen Belastung vor Olympia vom 23. Juli bis 8. August nicht zu übertreiben. Während Rio-de-Janeiro-Olympiasieger Thomas Röhler noch keinen ernsthaften Wettkampf bestritten hat, trat Vetter seit seinem Saisonstart Ende April fünfmal an und siegte immer mit mehr als 90 Metern.91,50 in Offenburg, 91,12 in Split, 94,20 in Ostrava, 93,20 in Dessau und 96,29 in Chorzow sind beeindruckend. Doch Vetter sieht sich längst nicht am Limit. Es sei ein „beruhigendes Gefühl“, sagte Vetter, dass er „immer noch ein Ass im Ärmel“ habe.

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Beim nationalen Championat muss sich auch Karl Bebendorf beweisen. Der 25-Jährige vom Dresdner SC kam in Chorzow über 3.000 Meter Hindernis nach 8:40,93 Minuten nur als Fünfter ins Ziel. Die Olympia-Norm liegt bei 8:22 Minuten. Er kann sie entweder in Braunschweig laufen oder sich über die Weltrangliste für die Sommerspiele qualifizieren. Dort belegt der DSC-Läufer derzeit Platz 45. Diese Position würde gerade so genügen. (sid mit SZ)

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