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Olympia-Kolumne: Das wird kein Spaß für Fans

Bei Olympia in Tokio dürfen nur Japaner ins Stadion. Sie sollen für alle Athleten jubeln, ohne zu jubeln. Und wenn alles schiefgeht, wäre es wohl ihre Schuld.

Dunkle Wolken hängen am Himmel über dem neuen Nationalstadion von Tokio. Ob und wie viele Zuschauer zu den Wettkämpfen kommen dürfen, ist weiter heftig umstritten.
Dunkle Wolken hängen am Himmel über dem neuen Nationalstadion von Tokio. Ob und wie viele Zuschauer zu den Wettkämpfen kommen dürfen, ist weiter heftig umstritten. © Stanislav Kogiku/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa Mon

Von Felix Lill

Tokio. Die Covid-19-Präventionsrichtlinien gelten für alle Ticket-Inhaber. Darauf haben die Verantwortlichen in Tokio vergangene Woche noch einmal in mahnendem Ton hingewiesen. Auf einer Pressekonferenz erklärte Hidenori Suzuki, dass der Stadionbesuch keine Spaßangelegenheit werde: „Wir haben diese Regeln, damit sich alle in den Spielstätten wohlfühlen können. Und wer sich daran nicht halten kann, wird die Anlagen verlassen müssen.“

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Nur mit dieser Strenge sei es möglich, dass bei den Spielen überhaupt Zuschauer dabei sein dürfen: bis zu 10.000 oder einer Auslastung von maximal 50 Prozent. Damit haben sich die Tokioter Veranstalter gegen den dringenden Rat diverser Gesundheitsexperten entschieden – inklusive Shigeru Omi, Vorsitzender der Anti-Corona-Taskforce der japanischen Regierung. Wenn es in einer Pandemie denn schon Olympische Spiele geben müsse, riet er dringend zu leeren Stadien.

Weil daraus nichts wird, gibt es stattdessen nun eben sehr genaue Vorschriften. Hidenori Suzuki hat sie bei seinem Vortrag gleich mehrmals aufgezählt: „Wenn Sie das Stadion betreten, tragen Sie eine Maske, sprechen Sie nicht miteinander. Und kommen Sie bitte zeitig, damit Menschenansammlungen vermieden werden. Im Stadion behalten Sie die Maske bitte auf. Bedecken Sie Ihren Mund, waschen Sie sich die Hände. Sprechen Sie nicht laut, schreien Sie nicht, pfeifen Sie nicht.“

Seltsame Stadionatmosphäre garantiert

Außerdem: „Wenn Sie zu einem Kiosk oder einer Toilette auf der Anlage gehen, meiden Sie bitte Menschenschlangen. Nach der Veranstaltung verlassen Sie die Anlage bitte gestaffelt. Und bitte gehen Sie auf direktem Wege nach Hause oder zurück in Ihr Hotel.“ Als Ersatz für den verbotenen Jubel hat der Ticketingchef diese Idee: „Wenn Sie die Sportler anfeuern wollen, klatschen Sie bitte.“ Da Fans aus dem Ausland ausgeschlossen sind, gibt es noch diese konkrete Aufforderung: „Klatschen Sie bitte für die Athleten aller Länder.“

Spätestens jetzt besteht kein Zweifel mehr, dass die Tokioter Spiele von einer seltsamen Stadionatmosphäre geprägt sein werden. Zudem fällt auf, dass die Organisatoren ziemlich nervös sind. Sie wissen vermutlich, dass es dort, wo derzeit Sportturniere mit gefüllten Stadien laufen, auch zu Infektionen kommt: bei der Fußball-EM genauso wie der Copa América, dem südamerikanischen Äquivalent. Warum sollte das bei den Spielen von Tokio also anders sein?

Wegen der strengen Regeln, betont Suzuki. Ganz sicher, dass es auch gelingt, scheint er aber nicht zu sein. Vielmehr bereitet das Organisationskomitee offenbar schon eine Rechtfertigungsstrategie für den Fall vor, dass „Tokyo 2020“ das befürchtete Spreadingevent wird: Erstens die eigenen Sicherheitsbemühungen betonen, zweitens die Verantwortung auf die Zuschauer in den Stadien abwälzen.

Public-Viewing wird es nicht geben

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„Wir haben schon die Public Viewing Events abgesagt. Und wir haben Betriebe gebeten, dass sie ihre Angestellten weiter ins Homeoffice schicken, damit es nicht so viel Personenverkehr gibt“, erklärt Suzuki, und dann wird er prinzipiell: „Natürlich erhält Tokyo 2020 gerade viel Aufmerksamkeit. Und Sie, die Besitzer von Tickets, würde ich bitten zu verstehen: Sie sind Teil dieser Spiele. Bitte seien Sie sich darüber im Klaren. Bitte sorgen Sie auch dafür, dass die Anwohner keine Sorgen haben müssen.“

Wenn es doch zu Corona-Infektionen kommt, könnte man dann behaupten, es habe nicht an den eigenen Regeln gelegen, sondern an den unvorsichtigen Fans.

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