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Sport

So will Tokio das Corona-Risiko ausschalten

Die Olympia-Teilnehmer müssen sich an so strenge Regeln wie nie halten. Auch eine Impfung macht keinen Unterschied.

Am Flughafen Narita helfen Volunteers den anreisenden Olympia-Beteiligten bei den Einreiseformalitäten und kontrollieren die Dokumente.
Am Flughafen Narita helfen Volunteers den anreisenden Olympia-Beteiligten bei den Einreiseformalitäten und kontrollieren die Dokumente. © dpa/Michael Kappeler

Von Christian Hollmann

Tokio. Die Geister-Sommerspiele im Notstandsgebiet Tokio drohen vollends zur gefährlichen Farce zu werden. Mittlerweile hat Corona auch die Athleten im olympischen Dorf erreicht – drei Sportler vor Ort wurden bislang positiv getestet, eine US-Turnerin musste wegen ihrer Infektion im japanischen Trainigscamp der Amerikannerinnen bleiben. Selbst ein IOC-Mitglied sitzt in Quarantäne.

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Dabei wollten die Gastgeber das Infektionsrisiko während der Spiele mit strikten Regelbüchern, dem Ausschluss der Fans und einem Corona-Notstand für die japanische Hauptstadt minimieren. Für die Olympia-Beteiligten werden es in jedem Fall außergewöhnliche Tage mit stark eingeschränkter Bewegungsfreiheit und einem ziemlich spaßbefreiten Athletendorf.

Wie ist die Corona-Lage in Tokio?

Knapp zwei Wochen vor der Eröffnungsfeier verhängte Japans Regierung zum vierten Mal den Corona-Notstand, der auch für die Olympia-Zeit gilt. Auch wenn die Inzidenzwerte im europäischen Maßstab weiter vergleichsweise niedrig sind – am Montag lag die Inzidenz in Japan bei 16,6 Fällen pro 100.000 Einwohnern –, bereitet die immer noch geringe Impfquote vielen Japanern Sorgen. Dass knapp 60.000 Beteiligte aus dem Ausland gerade jetzt einreisen dürfen, wirkt für die Gegner der Spiele wie ein unnötiges Risiko. Die Angst vor einem Superspreader-Event und einem Fest für Corona-Mutanten überschattet den Olympia-Start.

Dazu tragen sicher auch die Entwicklungen im olympischen Dorf bei, aus dem am Montag ein vierter Coronafall vermeldet wurde. Diesmal betraf es den tschechischen Beachvolleyballer Ondrej Perusic. Der 26-Jährige sagte schwer frustriert, er sei vollständig geimpft und habe versucht, die Standards der öffentlichen Gesundheit einzuhalten. Doch das reichte offenbar nicht. Auch eine US-amerikanische Turnerin wurde in einem Trainingscamp positiv getestet. Bei Südafrikas Fußball-Delegation wurden nach drei Infektionsmeldungen – darunter zwei Spieler – 21 weitere Personen als „enge Kontakte“ ebenfalls in eine aufgeweichte Form der Isolation geschickt.

Die Veranstalter sahen sich gefordert zu betonen, „dass das olympische Dorf ein sicherer Ort ist“, wie Tokio-2020-Sprecher Masa Takaya gegenüber Reportern sagte: „Das Wichtigste ist die Reaktion auf die positiven Fälle.“ Von denen hatte es bereits bis Sonntag 55 gegeben, darunter auch das IOC-Mitglied Ryu Seung Min, südkoreanischer Tischtennis-Olympiasieger von 2004.

Welche Regeln gelten bei der Einreise?

Jeder Olympia-Teilnehmer, egal ob Athlet, Funktionär oder Journalist, muss sich kurz vor dem Trip nach Japan zwei Corona-Tests unterziehen. Das negative Testergebnis muss auf einem ärztlichen Standardformular für japanische Behörden bestätigt werden. In einem vorab erstellten Aktivitätsplan müssen die Aufenthaltsorte in der Olympia-Blase in den ersten zwei Wochen angegeben und von den japanischen Behörden genehmigt werden. In einer Gesundheits-App werden persönliche Daten wie die Körpertemperatur erfasst. Zudem muss die japanische Corona-Warnapp aktiviert werden, um die Kontaktnachverfolgung zu erleichtern.

Wie wirkt sich eine Impfung auf die Corona-Regeln aus?

Rund 85 Prozent der Bewohner des olympischen Dorfes werden nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees geimpft in Japan ankommen. Auch die meisten Begleiter und Medienvertreter haben vor ihrer Olympia-Reise schon ein Vakzin erhalten. Einen Unterschied soll das jedoch beim Aufenthalt in Japan nicht machen. Für die ersten 14 Tage ist für jeden Olympia-Beteiligten die Bewegungsfreiheit auf Wettkampfstätten, Unterkünfte und offizielle Orte mit Olympia-Bezug beschränkt.

Was bedeuten die Corona-Maßnahmen für das Training in Japan?

Aus Sorge vor dem Virus haben eine Reihe von Gemeinden, die als Trainingslager vorgesehen waren, ihre Zusage zurückgezogen. Zu den Quartieren, die weiter Teams beherbergen, reisen die Sportler in extra bereitgestellten Fahrzeugen, teils in Begleitung japanischer Offizieller. In den Trainingslagern wird in enger Frequenz auf Corona getestet, es gelten strenge Abstands- und Hygieneregeln sowie die Pflicht zum Tragen von Alltagsmasken.

Wie sind die Bedingungen im olympischen Dorf?

Rund 18.000 Athleten und Offizielle werden in 21 Gebäuden innerhalb des 44 Hektar großen olympischen Dorfes in der Bucht von Tokio wohnen. Das Athletendorf ist für gewöhnlich das Herz der Spiele, Partyzone und Begegnungsstätte für Sportlerinnen und Sportler aller Länder.

In Tokio ist alles anders. Alles auf Abstand, mindestens zwei Meter, auch beim Essen. Die Organisatoren mahnen, Kontakte zu minimieren, Umarmungen und das Händeschütteln zu vermeiden, sich nur möglichst kurz in der Mensa aufzuhalten. In öffentlichen Bereichen ist der Alkoholkonsum untersagt. Außerhalb des eigenen Zimmers herrscht Maskenpflicht. Erst wenige Tage vor ihrem ersten Wettkampf dürfen die Athleten ins Dorf einziehen, spätestens zwei Tage nach ihrem letzten Einsatz sollen sie wieder abreisen.

Welche Regeln gelten in den Arenen?

In Tokios Wettkampfstätten sind alle Zuschauer ausgeschlossen. Die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Fahrt in die Arenen ist für alle Angereisten aus dem Ausland in den ersten zwei Wochen verboten. In den Stadien und Hallen muss Maske getragen werden, dies gilt auch für die Athleten bei Siegerehrungen. Markierungen auf dem Boden sollen das Einhalten der Abstandsregeln erleichtern. Beim Aufwärmen und im Wettkampf dürfen Athleten ihre Maske abnehmen. Handtücher sollen nicht geteilt werden, regelmäßig wird desinfiziert. Für jede Sportart gilt zusätzlich ein eigenes Corona-Regelkorsett, das die jeweils eigenen Bedingungen berücksichtigt.

Was passiert bei einem Corona-Fall?

Liegt bei einem Olympia-Beteiligten ein positiver Test vor, wird zunächst ein weiterer Test zur Kontrolle veranlasst. Bestätigt dieser das Ergebnis, muss sich der Betroffene in eine eigens eingerichtete Isolierstation begeben. Dann entscheiden die Behörden, wie lange die Quarantäne dauert. (dpa)

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