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Bei Katarina Witt gilt jetzt die 7G-Regel

Am Tag nach der Bundestagswahl spricht Katarina Witt in ihrem Fitnessstudio über Sport im Corona-Lockdown, Politik und ein paar Kilos zu viel.

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„Einfach neugierig“ – so erklärt Katarina Witt ihr Erfolgsrezept nach der Sportkarriere.
„Einfach neugierig“ – so erklärt Katarina Witt ihr Erfolgsrezept nach der Sportkarriere. © picture alliance/geisler-fotopress

Potsdam. Katarina Witts Eiskunstlauf-Vita ist einzigartig: Die gebürtige Berlinerin ist zweifache Olympiasiegerin, vierfache Weltmeisterin, sechsfache Europameisterin und acht Mal nationale Meisterin. Und auch nach Beendigung der aktiven Karriere 1994 steht Witt nicht still.

Die 55-Jährige ist Sport-Botschafterin, Produzentin, Moderatorin, Schauspielerin, Autorin und Motivationsrednerin. Ihr Herzensprojekt ist und bleibt die von ihr im Jahr 2005 gegründete Katarina-Witt-Stiftung, die gezielt Kindern und Jugendlichen mit körperlichen Beeinträchtigungen hilft und mit der bereits über 750 Projekte gefördert werden konnten. 2019 eröffnete Witt zudem ihr Boutique-Sportstudio „Kurvenstar“ in Potsdam, aus dessen Büro sie am Montagmittag nach der Bundestagswahl anruft, um über Sport, Politik, frische Luft und alte Playboy-Fotos zu sprechen.

Frau Witt, gehören Sie auch zu den vielen sportbegeisterten Menschen, die während der Pandemie das Stand-Up-Paddeln für sich entdeckt haben?

Ausprobiert habe ich das tatsächlich mehrmals. Merke aber jedes Mal, dass ich mich auf gefrorenem Wasser wohler fühle. (lacht) Die ganz große Wasserratte bin ich sowieso nicht.

Kommen Sie denn noch regelmäßig zum Eislaufen?

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder auf dem Eis, für einen Werbespot, und es hat mir richtig Spaß gemacht. Dann wurden während Corona selbst die riesigsten und luftigsten Eishallen geschlossen. Für diesen Winter sollte es aber keine Ausreden mehr geben. (lacht)

Machen Sie jeden Tag Sport?

Ich versuche schon, mich täglich in irgendeiner Form zu bewegen. Auch ich muss mir feste Zeiten vornehmen, in denen ich mich dem Sport widme, das Handy weglege und alle anderen Aufgaben und Verpflichtungen hinten anstelle.

Was bedeutet Sport für Sie?

Sport tut mir körperlich gut und ist ganz wichtig und auch verantwortlich für meine psychische Balance.

Was passiert denn, wenn Sie ein paar Tage nichts machen?

Dann werde ich so ein bisschen zum Brummbär (lacht).

Wie viel haben Anti-Brummbär-Sport und Leistungssport auf Olympianiveau miteinander zu tun?

Da besteht ein Riesenunterschied. Ich mache heute nur noch Wohlfühlsport. Auch für meine Mitglieder im Sport-Studio lautet die Devise, dass man sich hinterher besser fühlen soll als vorher. Im Leistungssport war es meistens umgekehrt (lacht). Da bin ich zum Teil aus der Eishalle gekrochen, so anstrengend war das. Ich bin dankbar für meine Zeit im Leistungssport und auch dankbar dafür, ein leidenschaftliches Team mit meiner Trainerin Jutta Müller an der Spitze gehabt zu haben, das mich über meine Grenzen hinausgebracht hat. Denn erst dann merkst du, wie leistungsfähig du tatsächlich bist. Aber alles zu seiner Zeit. Heute ist mir der Sport vor allem wichtig für meine Gesunderhaltung.

Hält Sie der Sport jung?

Ja klar. Er hilft mir, mich fit, vital und stärker zu fühlen. Ich will noch lange so viel Kraft haben wie jetzt, und ich wünsche mir, dass der Körper noch möglichst lange so funktioniert, wie ich das kenne. Oft merkt man ja erst, wenn die Wehwehchen da sind, dass man seinen funktionierenden Körper für selbstverständlich genommen hat. Unser Körper ist ein Wunder der Natur, aber man darf ihm nicht nur alles abverlangen und zumuten. Man muss ihm etwas zurückgeben, nämlich Sport. Ohne aktiven Sport gibt es langfristig keine Gesundheit.

Sind Sie soweit zufrieden mit Ihrem Körper und Ihrer Fitness?

Bin ich. Ich habe aufgehört zu denken, dass man alles optimieren muss, so wie das als Leistungssportlerin der Fall war. Ich bin mit meiner körperlichen Verfassung zu 95 Prozent zufrieden, und das genügt mir.

Sie pfeifen also auf die restlichen fünf Prozent?

Also klar, das Gefühl „drei Kilo könnten runter“, das habe ich seit 30 Jahren (lacht). Es geht halt stetig ein kleines bisschen nach oben. Aber ich muss ja keine Olympiasiegerin mehr werden.