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Nieskyer Poitschke muss Bora-Hansgrohe verlassen

Der erfolgreichste deutsche Radrennstall stellt seine sportliche Leitung neu auf. Für Enrico Poitschke kommt ein ehemaliger Helfer von Jan Ullrich.

Muss das Steuer bei Bora-Hansgrohe abgeben: Enrico Poitschke.  Auch unter seiner Leitung wurde aus einem Wildcard-Kandidaten für die großen Rennen ein Weltklasse-Team mit Startgarantie.
Muss das Steuer bei Bora-Hansgrohe abgeben: Enrico Poitschke. Auch unter seiner Leitung wurde aus einem Wildcard-Kandidaten für die großen Rennen ein Weltklasse-Team mit Startgarantie. © PR/Bora-hansgrohe/Christof Kreutzer

Raubling. Der ehemalige Radprofi Rolf Aldag wird ab der kommenden Saison neuer Sportlicher Leiter beim deutschen Team Bora-hansgrohe. Der 53-Jährige tritt die Nachfolge von Enrico Poitschke an, der den Rennstall nach über zehnjähriger Zusammenarbeit verlassen muss. Das gaben die Raublinger am Montag bekannt. Teamchef Ralph Denk möchte durch den Wechsel neue Impulse im Team setzen und alte Routinen abbauen.

"Es ist nicht so, dass ich mit den Ergebnissen unzufrieden wäre - wir haben in den letzten Jahren alle zusammen gute Arbeit geleistet - aber der Radsport hat sich verändert und wir müssen uns an diese Veränderungen anpassen, um mithalten zu können", wurde Denk in einer Pressemitteilung zitiert. Der Teamchef lobte Aldags Fähigkeiten: "Für mich ist Rolf durch seine große Erfahrung, sein technisches Know-how und sein Engagement eine klare Bereicherung für Bora-hansgrohe."

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Nach zwölf Jahren ist für Enrico Poitschke bei Bora-Hansgrohe Schluss mit der Arbeit als sportlicher Leiter. Beim Start 2009 firmierte der Rennstall noch unter dem Namen Team NetApp.
Nach zwölf Jahren ist für Enrico Poitschke bei Bora-Hansgrohe Schluss mit der Arbeit als sportlicher Leiter. Beim Start 2009 firmierte der Rennstall noch unter dem Namen Team NetApp. © Archiv: Robert Michael

Dem scheidenden Sportlichen Leiter Poitschke, der das Radfahren in Niesky erlernte und später unter anderem als Profi für die Team Wiesenhof und Milram fuhr, dankte Denk für dessen große Verdienste im Aufbau der Mannschaft. "Das war für mich die wohl schwierigste Entscheidung der letzten zehn Jahre, denn ich bin Enrico zu großem Dank verpflichtet", sagte Denk: "Wir haben uns gemeinsam von der dritten Liga bis in die WorldTour hochgearbeitet und dabei so ziemlich alle Höhen und Tiefen durchlebt, die man sich vorstellen kann, und ich werde diese gemeinsame Zeit immer in guter Erinnerung behalten."

Offen, wie es für Poitschke im Radsport weitergeht

Auch der gebürtige Görlitzer Poitschke äußerte sich zu seiner Demission: „Natürlich bin ich enttäuscht und die Entscheidung kam auch für mich überraschend." Denks Wunsch, neue Impulse zu setzen, "ist zu akzeptieren", befand Poitschke.

Der 52-Jährige erklärte, er werde die vergangenen Jahre in guter Erinnerung behalten und führte "wunderbare Momente" wie den ersten Auftritt bei der Tour de France 2014 mit Leopold König, die Etappen Siege im Giro d‘Italia und der Vuelta oder die Erfolge bei der Frankreichrundfahrt mit Peter Sagan, Lennard Kämna, Nils Politt, Patrick Konrad und Emanuel Buchmann an. Besondere Erwähnung fand auch der Triumph des dreimaligen Weltmeisters Peter Sagan beim Klassiker Paris-Roubaix vor drei Jahren.

Poitschke erklärte weiter, er sei "stolz, dass all diese Erfolge auch meine Handschrift tragen". Der Radsport sei seine Leidenschaft. In welcher Form er ihm verbunden bleiben wird, ließ der Friedensfahrt-Fünfte von 2003 aber offen.

Sein Nachfolger bei Bora-Hansgrohe ist bereits seit über 15 Jahren im Radsport als Sportdirektor tätig. Nach dem Telekom-Dopingskandal hatte er einst die Bonner Mannschaft mit Bob Stapleton neu aufgebaut. Danach war er auch bei Omega-Pharma-Quickstep, Dimension Data, Bahrain-Victorious sowie im Frauen-Radsport tätig.

Hat sowohl als Funktionär als auch als Fahrer Tour-Erfahrung: Rolf Aldag (l), hier im Jahr 2011 als Sportdirektor des Teams HTC-Highroad, mit seinem Ex-Telekom-Teamkollegen Erik Zabel.
Hat sowohl als Funktionär als auch als Fahrer Tour-Erfahrung: Rolf Aldag (l), hier im Jahr 2011 als Sportdirektor des Teams HTC-Highroad, mit seinem Ex-Telekom-Teamkollegen Erik Zabel. © Archivfoto: Nicolas Bouvy/EPA/dpa

Vor seinem Amtsantritt nutzte Aldag die Gelegenheit, "mich bei Enrico zu bedanken, denn dank seiner guten und kontinuierlichen Arbeit der Vergangenheit ist es uns möglich, auf einem absoluten Weltklasseniveau neue Ziele anzugehen“.

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Aldag hatte sich einst als wichtiger Helfer von Jan Ullrich und Erik Zabel im Telekom-Team einen Namen gemacht. Dabei nahm er zehnmal an der Tour de France teil, bevor er nahtlos in die Funktionärskarriere überging. Aldag sprach mit Blick auf seine neue Aufgabe von einer "sehr talentierten Gruppe von Fahrern." Nun gehe es darum, aus diesen Jungs, der sportlichen Leitung und den Coaches ein erfolgreiches Team zu formen. (sid, dpa, mit SZ)

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