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Nächste Corona-Einschnitte für Sachsens Sport

Mit der Überlastungsstufe befinden sich die Amateure im Quasi-Lockdown. Fußballer und Handballer unterbrechen deshalb die Saison. Den Profis drohen Geisterspiele.

Von Tino Meyer
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© Karikatur: Kostas Koufogiorgos

Dresden. Es war nur noch eine Frage der Zeit, jetzt steht der Quasi-Lockdown im Amateursport offiziell fest: Ab Freitag gilt in Sachsen die Überlastungsstufe – und damit laut aktueller Corona-Schutzverordnung eine Verschärfung der Regeln. Sport im Innenbereich ist ausschließlich nur noch Geimpften und Genesenen erlaubt, im Außenbereich dürfen sich maximal zwei Ungeimpfte bzw. Ungenesene treffen (Kinder bis 16 Jahre nicht mitgezählt).

Das bedeutet nicht zuletzt aufgrund der niedrigen Impfquote in Sachsen, die bei rund 60 Prozent liegt: Vereinssport, der im Freistaat derzeit als private Zusammenkunft eingestuft wird, ist nun de facto nicht mehr möglich.

Die Reaktion der großen Verbände folgte prompt: Am Dienstag teilte der sächsische Handballverband HVS mit, dass der Spielbetrieb auf unbestimmte Zeit unterbrochen wird – und das in allen Altersklassen. Die Entscheidung fiel einstimmig. „Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidung bewusst, allerdings ist die Verhältnismäßigkeit, in Zeiten wo über 150 Schulen oder Schulklassen in Quarantäne geschickt werden, weiterhin aber Mannschaften durch Sachsen fahren, nicht mehr gegeben“, erklärt Sven Zierold, als Vizepräsident verantwortlich für den Spielbetrieb.

Auch Sachsens Amateurfußballer unterbrechen vorerst ihre Saison – altersklassenübergreifend und für die Dauer der Überlastungsstufe. Das bestätigte der Verband am Mittwoch noch einmal, nachdem dieser Schritt bereits in der Vorwoche für den Fall des Erreichens der Überlastungsstufe beschlossen wurde. Ob die neue Corona-Schutzverordnung, die am Montag in Kraft treten soll, einen verhältnismäßigen Spielbetrieb zulasse, bleibt abzuwarten, heißt es vonseiten des Verbandes.

RKI rät zur Absage von Großveranstaltungen

Dagegen wird der sächsische Volleyballverband die Saison vorerst fortsetzen. „Die Entscheidung wurde auch in der Annahme getroffen, dass es der mehrheitliche Wille der sächsischen Volleyballer ist, den Spielbetrieb trotz der gesetzlichen Beschränkungen aufrechtzuerhalten“, begründet der Verband auf seiner Internetseite. Stand jetzt.

Dieser Zusatz gilt mehr denn je, die Corona-Lage ist dynamisch, nicht nur in Sachsen, die Zahlen im Freistaat jedoch besonders verheerend. Am Mittwoch stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 742, im Landkreis Meißen liegt sie mittlerweile bei 1.300, im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bei 1.260. Die sich zuspitzende Coronalage dürfte deshalb in absehbarer Zeit auch erhebliche Auswirkungen auf den deutschen Profisport haben.

Von den strengen Kontaktbeschränkungen in Sachsen sind Top-Athleten und Kadersportler zwar nach wie vor ausgenommen, für den Besuch von Sportveranstaltungen gilt indes bereits die 2G-Regel. Und die Bund-Länder-Beratungen an diesem Donnerstag könnten weitere gravierende Veränderungen nach sich ziehen.

Selbst ein genereller Zuschauer-Ausschluss ist wieder denkbar, nachdem das Robert-Koch-Institut (RKI) zur Absage von Großveranstaltungen geraten hätte. Die Zeit von Geisterspielen, wie jetzt schon in den Niederlanden verfügt, rückt wieder näher. „Die Gefahr ist real. Es scheint alles wieder von vorne zu beginnen, wie im letzten Jahr“, sagt Frank Bohmann, Geschäftsführer der deutschen Handball-Liga.

DOSB: Bewegungsgarantie für Kinder und Jugendliche

Momentan sieht er solch eine Einschränkung zwar nicht, doch mit diesem Szenario befasse man sich „zwangsläufig auch“. Auch im Basketball beobachtet man die Entwicklungen laut Liga-Chef Stefan Holz „mit Sorge“. Man müsse sich mit den Regelungen arrangieren, sagt er und betont zugleich, dass „erneute Geisterspiele nicht verhandelbar“ seien.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) rückt in der Diskussion um die zu erwartenden Maßnahmen die Sportler in den Mittelpunkt. Der Dachverband des deutschen Sports fordert von der Politik ausdrücklich eine sogenannte Bewegungsgarantie. „Der Fehler des Vorjahres, als die weitgehende Schließung von Spiel- und Sportstätten und die Kontaktbeschränkungen die rund 27 Millionen Mitglieder von Sportvereinen und alle anderen Menschen in Deutschland zur Bewegungslosigkeit verurteilten, dürfe sich nicht wiederholen“, sagt DOSB-Präsident Alfons Hörmann.

Vor allem Kinder und Jugendliche sollten bei allen Maßnahmen privilegiert werden. Der DOSB fordert zudem eine einheitliche 3G-Regel für Sport im Außenbereich, in Sporthallen sei wiederum 2G sinnvoll.

Der Landessportbund Sachsen setzt sich ebenfalls vehement gegen einen Lockdown ähnlich wie im Vorjahr ein. „Der Sport ist im Freistaat Sachsen ein integraler Bestandteil der Daseinsvorsorge, Themenschwerpunkte wie Gesunderhaltung, Prävention, körperliche Ertüchtigung, Inklusion und Integration gehören zum täglichen Leben dazu“, sagt Generalsekretär Christian Dahms. (mit sid)