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Millionenförderung und Trainerstudium: So will Sachsen den Sport stärken

Der Sport soll in Sachsen wieder zu einer Hauptsache werden, sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer. Dafür will der Freistaat viel Geld investieren und bald bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal haben.

Von Timotheus Eimert
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Sachsen will den Sport wieder stärker fördern. "Wir wollen nicht hinterlaufen, sondern vorauseilen", sagt Innenminister Armin Schuster.
Sachsen will den Sport wieder stärker fördern. "Wir wollen nicht hinterlaufen, sondern vorauseilen", sagt Innenminister Armin Schuster. © Picture Alliance/Mika Volkmann

Dresden. Sachsen möchte den Sport wieder stärker in den Fokus nehmen. Das ist das Ergebnis des ersten sächsischen Sportgipfels am Montag in Dresden. "Es heißt manchmal, Sport sei die schönste Nebensache der Welt. Für uns in Sachsen ist Sport eine Hauptsache", erklärte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU).

Konkrete Maßnahmen wurden auf dem Treffen, an dem rund 50 Vertreterinnen und Vertreter der sächsischen Stadt- und Kreissportbünde und der Sportverbände sowie weitere Vertreter aus der Politik teilnahmen, nicht verkündet. "Wir sind bundesweit in einem strategischen Prozess", erklärte Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) und verwies auf die Spitzensportreform der Bundesregierung.

So soll künftig auf Bundesebene eine unabhängige Sportagentur über das Steuergeld entscheiden, das für den Leistungssport in Deutschland verteilt wird. Der Staat investiert derzeit 300 Millionen Euro an Steuergeldern in die Förderung des Spitzensports. "In Sachsen wollen wir in diesem Prozess nicht hinterherlaufen, sondern vorauseilen", betonte Schuster und versicherte, dass der Freistaat den Sport auch im kommenden Jahr mit einer Millionensumme unterstützen will.

Landtag muss Sportförderung beschließen

"Der Sport ist 2025 mit dem gleichen Zuwendungsvertrag ausgestattet", sagte der Sportminister. In den Jahren 2023 und 2024 wurden insgesamt 57,6 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen für den Sport zur Verfügung gestellt. Für 2025 sollen somit rund 28,8 Millionen Euro Förderung an den Landessportbund Sachsen, der für die Verteilung der Gelder zuständig ist, fließen.

Doch offiziell beschlossen ist das noch nicht. Mit viel Geld der Sport in Sachsen künftig gefördert werden soll, ist Teil des Haushaltsentwurfes der Landesregierung aus CDU, Grüne und SPD. Über den künftigen Doppeletat für 2025/2026 muss bis spätestens Dezember der Landtag entscheiden. Doch bis dahin wird dieser und die Regierung neu gewählt. Der Haushaltsplan könnte sich damit noch einmal ändern.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht die Förderung des Sports als eine Hauptaufgabe des Freistaates an.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sieht die Förderung des Sports als eine Hauptaufgabe des Freistaates an. © dpa/Jan Woitas

Kretschmer betonte deshalb, dass darüber hinaus, die Bedingungen für Investitionen gestärkt werden sollen. "Es ist wichtig, dass wir Sportstätten haben, die attraktiv sind, die für den Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen. Das muss in der kommenden Legislaturperiode weiter und besser gelingen", erklärte der Ministerpräsident, ohne konkrete Maßnahmen zu erläutern, wie das tatsächlich erreicht werden kann.

Leipzig soll akademische Trainerausbildung bekommen

Eine Maßnahme könnte die Einführung eines Studiums für Trainer im Leistungssport an der Universität Leipzig sein. Das hatte Schuster bereits im März auf dem sächsischen Wintersportgipfel verkündet. Nun machte der Sportminister noch einmal deutlich: "Wir müssen die Trainersituation verbessern. Menschen, die Weltmeister werden wollen, gehen nicht auf die beste Sportanlage, nicht in den attraktivsten Ort, sondern sie gehen zum besten Trainer."

Die akademische Trainerausbildung könne frühestens im Ende 2025 beginnen. "Einen neuen Studiengang an einer Universität zu etablieren, ist eine Herausforderung", betonte Schuster, der für die Einführung eines neuen Studiengangs gar nicht zuständig ist, sondern Wissenschaftsminister ­Sebastian Gemkow. Schuster erklärte dennoch: "Die Anzahl der Schritte, die du gehen musst, bis ein neuer Studiengang mit Professur und allem drumherum etabliert ist, ist sehr groß. Ich bin sehr dankbar, dass die Uni Leipzig dieses Projekt jetzt forciert."

An der Universität Leipzig soll es wieder eine Trainerausbildung für den Leistungssport geben, sagt Sachsens Innenminister Armin Schuster.
An der Universität Leipzig soll es wieder eine Trainerausbildung für den Leistungssport geben, sagt Sachsens Innenminister Armin Schuster. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Sachsen hätte dann im Sport bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal. Seit 1991 gibt es in Deutschland keinen entsprechenden Studiengang mehr. Zwar werden talentierte Sportlerinnen und Sportler an Hochschulen – allen voran in Köln – gefördert, aber nicht explizit zu Trainerinnen und Trainern ausgebildet. Mit dem Studiengang in Leipzig soll sich das nun ändern. "Alle Ampeln stehen auf Grün", sagte Schuster. "Aus der Sportministerkonferenz kann ich sagen, dass alle darauf warten - vor allem der Deutsche Olympische Sportbund."

Sachsens Spitzensport fordert konkrete Maßnahmen

Die Erwartungen an die Konferenz waren im Vorfeld sehr hoch. Teamsport Sachsen, ein Verein, der einen Großteil der sächsischen Spitzensportmannschaften vertritt, formulierte sechs konkrete Forderungen. Unter anderem wurde die Anerkennung des Sports als Pflichtaufgabe des Staates gefordert. Kretschmer kritisierte daran: "Man kann durch die Definition von Pflichtaufgaben das Geld nicht mehren." Vielmehr müsse man schauen, wofür in Sachsen zukünftig Geld ausgegeben werden soll. Der Sport gehöre in jedem Fall dazu.

Karsten Günther, Vorstandsvorsitzender von Teamsport Sachsen und gleichzeitig Geschäftsführer der Handballer des SC DHfK Leipzig, zeigte sich nach dem Treffen hoffnungsvoll. "Sport muss in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen", sagte der 42-Jährige und erklärte: "Im Moment stellen wir fest, dass, wenn in den Kommunen das Geld knapp ist, vor allem an den freiwilligen Ausgaben gespart wird und da gehört der Sport dazu. Das muss sich ändern."

Neben der Anerkennung von Sport als Pflichtaufgabe wurden von Teamsport außerdem der Ausbau von Infrastrukturen und eine stärkere finanzielle Unterstützung von Sportförderern und Sponsoren gefordert. Zudem soll die Wertschätzung und Förderung des Ehrenamtes gesteigert, das aktive Sporttreiben im Kindes- und Jugendalter vorangebracht und eine Bündelung der Interessen des Sports in einer zentralen Organisation erreicht werden. "Es wurden jetzt wichtige Botschaften proklamiert: Jetzt müssen den Worten auch Taten folgen", betonte Günther.