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Schachmann für Etappensieg zu schwer

Der Berliner kämpft verbissen um seinen ersten Erfolg bei der Tour. Doch wo Jens Voigt vor 19 Jahren gewann, setzt sich ein Schweizer durch.

Maximilian Schachmann, hier auf der 6. Etappe, war am Donnerstag zehn Kilogramm zu schwer für den Etappensieg
Maximilian Schachmann, hier auf der 6. Etappe, war am Donnerstag zehn Kilogramm zu schwer für den Etappensieg © Archiv: David Stockman/BELGA/dpa

Sarran. Max Schachmann kämpfte wie ein Löwe und wagte alles, doch auch der große Fighter aus Berlin konnte die Pechsträhne des Bora-Hansgrohe-Teams bei der Tour de France nicht beenden. Nach einer leidenschaftlichen Attacke keine vier Wochen nach seinem Schlüsselbeinbruch verpasste Schachmann zwar auf der längsten Etappe der 107. Frankreich-Rundfahrt den ersehnten Tagessieg, setzte mit Platz sechs aber ein dickes Ausrufezeichen.

Den Etappenerfolg in Sarran am Rande des Zentralmassivs sicherte sich in beeindruckender Manier der junge Schweizer Marc Hirschi aus dem Sunweb-Team, das unter deutscher Lizenz unterwegs ist. Im Ziel hatte der 22-Jährige 47 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Pierre Rolland, Schachmann lag weitere fünf Sekunden zurück.

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"Solche Beine hatte ich schon lange nicht mehr. Ich habe alles versucht", sagte Schachmann in der ARD: "Marc Hirschi war nicht der perfekte Mann in der Gruppe. Die zehn Kilo Gewichtsunterschied kann ich am Berg dann doch nicht wegschummeln."

Marc Hirschi aus der Schweiz vom Team Sunweb überquert die Ziellinie und gewinnt die 12. Etappe.
Marc Hirschi aus der Schweiz vom Team Sunweb überquert die Ziellinie und gewinnt die 12. Etappe. © Stephane Mahe/RTR/dpa

Hirschi, der als Zweiter in Nizza und Dritter in Laruns zweimal knapp am Etappensieg vorbeigeschrammt war, hatte sich am letzten Anstieg aus Spitzengruppe um Schachmann gelöst, die kurz zuvor angegriffen hatte. In einer spektakulären Schlussphase des 218 km langen Teilstücks erreichte Hirschi die abschließende Bergwertung am Suc au May mit rund 30 Sekunden Vorsprung auf den leidenschaftlich kämpfenden Schachmann und den Spanier Marc Soler (Movistar), die letzten knapp 30 km ins Ziel flog Hirschi praktisch.

"Wir erleben hier live, wie eine Legende entsteht. Einer wie Bernard Hinault, der über Jahre die Tour prägen kann", sagte der frühere Ausreißerkönig Jens Voigt euphorisiert am Eurosport-Mikrofon. Auch wenn noch nicht seriös absehbar ist, ob Hirschi einmal in die Fußstapfen des Tour-Rekordsiegers Hinault treten kann, gehört er doch zu den ganz großen Entdeckungen der Großen Schleife 2020.

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden nimmt der Slowene Primoz Roglic mit 21 Sekunden Vorsprung auf den kolumbianischen Titelverteidiger Egan Bernal in die entscheidende Tourphase. Noch sechs Bergetappen stehen bis zum Finale in Paris am Sonntag kommender Woche an.

Buchmann diesmal Wasserträger

Emanuel Buchmann setzte weiter sein Erholungsprogramm fort. Der einstige Podest-Kandidat, der nach großem Zeitverlust in den Pyrenäen keine Klassement-Ambitionen mehr verfolgt und sich auf den beiden vorigen Flachetappen jeweils fünf Minuten an weiterem Rückstand erbummelt hatte, rollte mit reichlich Verspätung ins Ziel.

Der Deutsche Emanuel Buchmann von Bora·Hansgrohe.
Der Deutsche Emanuel Buchmann von Bora·Hansgrohe. © Thibault Camus/AP/dpa

Buchmann hofft auf eine Etappensiegchance in den Alpen. Am Donnerstag leistete er seinen Kollegen um Schachmann, die lange an der Spitze der Hauptfeldes rackerten, Dienste als Wasserträger.

In einer frühen Ausreißergruppe hatten der Kölner Nils Politt und Tour-Debütant Max Walscheid ihr Glück versucht. Das aufmerksame Feld hielt den Rückstand aber bei maximal zwei Minuten, ganz gefährliche Fahrer wie Olympiasieger Greg Van Avermaet oder Publikumsliebling Julian Alaphilippe ließ es gar nicht erst mit flüchten. Das Rennen verlief lange deutlich unspektakulärer als erwartet, die Spitzengruppe hielt sich bis zum vorletzten Anstieg des Tages - dann begann der Schlagabtausch um den Sieg.

Auf halber Strecke hatte sich die Tour vor dem großen, im vergangenen November mit 83 Jahren verstorbenen Raymond Poulidor verneigt, als dessen langjähriger Heimatort Saint Leonard de Noblat passiert wurde. Der im ganzen Land verehrte "Poupou" hatte die Tour nie gewonnen, aber achtmal auf dem Podest gestanden - das letzte Mal als 40-Jähriger. (sid)

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