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Warum Schach ein Corona-Gewinner ist

Dank einer Netflix-Serie erlebt der Brettsport einen regelrechten Aufschwung. Auch eine Dresdnerin hat ihre Hände im königlichen Spiel.

Weiß ist am Zug und Schach immer mehr im Kommen.
Weiß ist am Zug und Schach immer mehr im Kommen. © dpa/Frank Augstein

Von David Ryborz

Nur zu gern würde sich Magnus Carlsen mit Beth Harmon duellieren. „Ich glaube, es wäre ein enges Spiel“, schrieb der Schach-Primus unter ein montiertes Bild mit ihr auf Instagram. Doch für Carlsen bleibt es beim Konjunktiv, denn Harmon ist die Hauptdarstellerin der überaus erfolgreichen Netflix-Serie „The Queen’s Gambit“, zu deutsch: das Damengambit.

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Seit 23. Oktober gehen die sieben Folgen der Mini-Serie um die Welt, brechen mit mehr als 62 Millionen Zuschauern im ersten Monat Rekorde – und bringen dem königlichen Spiel etwas unverhofft weitere Aufmerksamkeit. Basierend auf dem 1983 erschienenen Roman von Walter Tevis, der es 37 Jahre nach seiner Veröffentlichung auf die Bestseller-Liste der New York Times geschafft hat, erobert Waisenkind Harmon in den 1960er-Jahren als Frau die männerdominierte Schachwelt.

Eine Dresdnerin spielt übrigens auch mit: Filiz Osmanodja. Die 24-jährige Großmeisterin ist als Hände-Double der Hauptdarstellerin im Einsatz und speziell bei Großaufnahmen gefragt. „Ein Spieler, so wie ich, der schon sein Leben lang Schach spielt, der zieht anders als jemand, der nicht so vertraut ist“, sagte Osmanodja im Gespräch mit dem Deutschlandfunk und betont, dass sich in den vergangenen Jahren einiges in Sachen Gleichberechtigung getan habe. Und auch die Netflix-Serie hilft auf diesem Weg.

Schachweltmeister Magnus Carlsen würde gern gegen Beth Harmon spielen. Doch das geht nicht.
Schachweltmeister Magnus Carlsen würde gern gegen Beth Harmon spielen. Doch das geht nicht. © dpa/Dominic Lipinski

Es ist eine Geschichte, die fesselt und neugierig macht. Auf Google verdoppelten sich die Suchanfragen für „Schach“. Die weltweit größte Online-Plattform chess.com hat stark steigende Nutzerzahlen. Laut eigenen Angaben sind 46 Millionen Mitglieder registriert. Pro Tag werden mehr als 7,5 Millionen Partien ausgetragen – eine Entwicklung, die auch Carlsen freut. Der Norweger, der als Wunderkind mit 19 Jahren bereits Weltranglistenerster war und seit 2013 Weltmeister ist, hat sich unter dem Namen „Play Magnus“ ein eigenes Imperium mit mehreren Schach-Plattformen aufgebaut.

„Wir wollen auf jeden Fall mit chess.com konkurrieren“, sagte Carlsen, aber vor allem versuche er, das Wachstum von Schach zu fördern. Dazu veranstaltet Carlsen in Corona-Zeiten eigene Turnierserien. Derzeit duellieren sich die besten Spieler im Rahmen der Champions-Chess-Tour bei zehn Online-Veranstaltungen bis September 2021 um Prämien in Höhe von umgerechnet gut 1,2 Millionen Euro. Der Fernsehspartensender Eurosport überträgt live für seine Abonnenten.

Anya Taylor-Joy als Beth Harmon und Thomas Brodie-Sangster als Benny spielen Schach in der Serie.
Anya Taylor-Joy als Beth Harmon und Thomas Brodie-Sangster als Benny spielen Schach in der Serie. © Netflix/dpa

Im Finale des ersten Turniers, der „Skilling Open“, unterlag Carlsen am vergangenen Montag an seinem 30. Geburtstag dem philippinischen Großmeister Wesley So. Im Oktober hatte Carlsen erstmals nach mehr als zwei Jahren und einer Rekordserie von 125 Spielen ohne Niederlage eine Standard-Partie gegen den polnischen Großmeister Jan-Krzysztof Duda verloren. Bereits im Frühjahr hatte Schach einen Boom erlebt, dank populärer Streams auf der Plattform Twitch. Großmeister wie Hikaru Nakamura, Weltranglistenerster im Blitzschach, unterhielten ihre Zuschauer, gaben Tipps, spielten mit verbundenen Augen und machten das einst so langsame Spiel kurzweilig. Interessierte Influencer engagierten sich. Die Streams erreichten häufig sechsstellige Zuschauerzahlen.

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Der deutsche Schachverband sieht die Situation zwiegespalten. „Einerseits könnten das Onlineschach und seine Präsenz auf Streaming-Plattformen ein riesiges Reservoir an neuen Schachspielern ansprechen“, sagte Präsident Ullrich Krause. „Andererseits ist es schade, dass Schach von Angesicht zu Angesicht noch nicht wieder im gleichen Ausmaß stattfinden kann.“

Die nächste WM wurde wegen Corona auf 2021 verschoben. Sie wird von chess.com exklusiv gestreamt und den Boom wohl weiter befeuern. Und Carlsen ist wieder der große Favorit. (sid, mit SZ)

Mit Filiz Osmanodja hat bei der Netflix-Serie auch eine Dresdnerin ihre Hände im Spiel.
Mit Filiz Osmanodja hat bei der Netflix-Serie auch eine Dresdnerin ihre Hände im Spiel. © Ronald Bonß

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