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Hennig in der Weltspitze angekommen

Die Oberwiesenthaler Langläuferin Katharina Hennig beendet die Tour de Ski als Achte der Gesamtwertung. Ihr Potenzial deutete sich schon als Kind an.

Läuft immer offensiv: Katharina Hennig aus Oberwiesenthal.
Läuft immer offensiv: Katharina Hennig aus Oberwiesenthal. © Alessandro Trovati/AP/dpa

Val di Fiemme. Auch bei der abschließenden Qual hinauf zur berühmten Alpe Cermis hielt Katharina Hennig bestens mit der Langlauf-Weltelite mit. Mit letzter Kraft schob sich die 24-Jährige am Sonntag beim finalen Anstieg in Val di Fiemme über die Ziellinie, das Endergebnis ist ein großer Erfolg: Rang acht im Tagesklassement und Rang acht in der Gesamtwertung der Tour de Ski.

Wenige Wochen vor der Heim-WM macht die Oberwiesenthalerin dem angeschlagenen deutschen Langlauf-Team Hoffnungen, auch bei den Titelkämpfen in Oberstdorf für eine Überraschung sorgen zu können.

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„Platz acht in der Gesamtwertung ist sensationell. Bei ihr kann man definitiv sagen, sie ist in der Weltspitze angekommen“, sagte der Sportliche Leiter Andreas Schlütter. Hennig hatte am Freitag in ihrer geliebten klassischen Technik überraschend Rang zwei belegt und war damit in den Kreis der Top-Athletinnen vorgestoßen, in dem bei der Tour de Ski allerdings das Team Norwegens coronabedingt fehlte. Hennig laufe „immer offensiv – das ist das, was wir sehen wollen“, fügte Schlütter an. Bei den Männern überzeugte Lucas Bögl aus München, der Tagesrang acht und Gesamtrang zwölf belegte.

Stolzer Vater fiebert vorm Fernseher mit

Neben dem unerwarteten Podestplatz holte Hennig vier weitere Top-Ten-Plätze und untermauerte damit ihre starke Form, die in klassischen Rennen und bei schweren Strecken besonders gut zur Geltung kommt. Rang zwei, das beste Langlauf-Resultat ihrer Karriere, war zwar das Highlight, doch auch die Gesamtbilanz fiel bei Hennig positiv aus. „Es war wieder ein cooles Erlebnis. Ich bin einfach total happy, dass ich noch mal meine Leistung vom letzten Jahr bestätigen konnte“, sagte sie.

Am Sonntag war auch der Ansbacherin Antonia Fräbel als 14. eine kleine Überraschung gelungen. In der Gesamtwertung fehlten Hennig am Ende 3:41 Minuten auf die Gesamtsiegerin Jessica Diggins, die für eine Premiere sorgte. Die 29-Jährige ist die erste US-Amerikanerin, der ein Triumph bei dem Traditionsevent rund um den Jahreswechsel gelang.

Wie schon bei den Wettkämpfen zuvor fehlten eigentlich nur die Zuschauer zum vollendeten Glück von Katharina Hennig. Ihre Familie, sonst in europäischen Gefilden immer bei Saison-Höhepunkten der Tochter live dabei, fieberte zu Hause in Königswalde am Fernseher mit. „Ich bin sehr stolz. So ein Top-Ergebnis im zweiten Winter zu wiederholen (2020 war Hennig Dritte/Anm. d. Red.), ist schwerer, als mit geringeren Erwartungen das erste Mal aufs Podest zu laufen“, schätzte Vater Heiko schon nach dem Coup vom Freitag ein.

Stressige Reisen bleiben erspart

Den ehemaligen Kombinierer freut es besonders, dass sein Sprössling den steten Aufstieg der kleinen Schritte von Winter zu Winter fortsetzt. Schon im Kindesalter hatte sich angedeutet, welches Potenzial in ihr schlummert. Dass sie damals meist eine Klasse besser als ihre gleichaltrigen Mitstreiterinnen unterwegs war, wurde mitunter etwas kritisch beäugt. „Manche Eltern haben gesagt, sie ist nur so gut, weil sie schon so viel trainiert. Aber das stimmt nicht, auch wenn wir uns viel draußen auf Ski bewegt haben. Das Talent hat man ihr schon angesehen, obwohl man ja nie weiß, wozu das am Ende reicht“, so der Papa.

Offenbar hat Katharina Hennig die Balance in den Trainingsumfängen gut gemeistert, von Jahr zu Jahr ihr Pensum gesteigert und mit fast traditionellen Startschwierigkeiten im Dezember nun wie im Vorwinter ihre Topform gefunden. Daran ändert auch die Abstinenz der Norwegerinnen nichts. Und das augenscheinlich bestens funktionierende Skimaterial gehört ebenso zum Paket, das ein Langläufer heutzutage für Podiumsplätze benötigt.

Einen richtigen Schritt ist Katharina Hennig bereits 2018 gegangen, als sie ihren Lebensmittelpunkt von Oberwiesenthal zu ihrem Freund Christian Dotzler nach Oberstdorf verlegte. Stressige Reisen blieben ihr fortan erspart. Die Angliederung in die Allgäuer Trainingsgruppe von Stefan Dotzler, dem Vater von Christian, sorgte dafür, dass nicht mehr zu viele Trainermeinungen auf sie einströmen. „Seitdem gibt es eine klare Linie. Stefan ist in Trainingsfragen klar die letzte Instanz“, wertete Hennig. (sid, mit FP)

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