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Kein Sport ist jetzt auch keine Lösung

Der Corona-Lockdown im sächsischen Sport hat harte Konsequenzen. Der Landessportbund stellt klare Forderungen an die Politik, aber auch die Vereine.

Wer ist als Erster hinten am Baum? Wenn der organisierte Sport ausfällt, müssen Alternativen her.
Wer ist als Erster hinten am Baum? Wenn der organisierte Sport ausfällt, müssen Alternativen her. © dpa-tmn

Dresden. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das ist auch beim Corona-Lockdown so, vieles eine Frage von Definition und Handhabung und die wiederum von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich – auch und gerade in Sachen Sport. Für Sachsen jedenfalls gilt, und das bis mindestens 30. November: Sportplätze, Schwimmhallen, Tanzschulen und Fitnessstudios sind geschlossen, der Vereinssport im Amateur- und Freizeitbereich ist verboten.

„Ich finde sehr schade, dass diese Maßnahmen ergriffen worden sind“, sagt Christian Dahms, Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen in der aktuellen Folge des CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de

Bis zuletzt hatte nicht nur Dahms auf einen erneuten sächsischen Sonderweg gehofft und diesen nach den Lockdown-Beschlüssen der Bundesregierung auch noch einmal öffentlich gefordert.

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Anders als in den vergangenen Monaten setzt der Freistaat die Vorgaben diesmal indes sehr rigide um. „Man muss aber grundsätzlich festhalten: Wir haben eine Pandemie in der Welt, die solche Maßnahmen jetzt notwendig machen“, sagt Dahms nun im Podcast. Als Rückzieher will er das nicht verstanden wissen, doch der aktuellen Infektionslage mit Inzidenzwerten von weit über 100 in Sachsen ist er sich natürlich bewusst.

Ausnahmen gibt es natürlich aber auch in Sachsen

Kein Sport ist für ihn allerdings keine Lösung – gerade weil die Vereine in den vergangenen Monaten sehr viel dafür getan haben, „dass es nachvollziehbar ist, wer sich wann und wo begegnet“, sagt der 46-Jährige. Der neuerliche Lockdown führe dazu, dass sich Menschen nicht mehr ausreichend bewegen könnten, die Gesundheitsfürsorge werde mit Füßen getreten. Zudem habe der Sport auch eine mentale Komponente, insbesondere für Kinder und Senioren. „Unser großes Problem ist derzeit, wie wir über den November hinaus weiter mit dieser Situation umgehen“, erklärt Dahms und betont, dass die geltenden Beschlüsse mehrere Hunderttausend Menschen in Sachsen betreffen.

Ausnahmen gibt es jedoch auch hierzulande. Profisportler dürfen weiter ihrem Beruf nachgehen. Ob das fair ist oder nicht, wolle er gar nicht bewerten, meint Dahms. Vielmehr ist es selbst für Fachleute wie ihn nicht möglich, aus der Corona-Schutzverordnung herauszulesen, wer genau Profi ist und wer nicht. „Wir haben es beim ersten Lockdown sehr gut geschafft, dass gerade die Bundeskader ihrem Training normal nachgehen können. Das ist auch jetzt so geregelt“, sagt Dahms. Die Rückmeldungen des Leistungssports bestätigen das.

Weltklasse-Shorttrackerin Anna Seidel (22 Jahre): "Glücklicherweise können wir uneingeschränkt trainieren und müssen auch auf dem Eis keine Maske tragen, überall sonst schon. Doch das ist das geringste Übel. Das nehme ich gern in Kauf. Ich vertraue der Regierung und denke, sie hat uns bis jetzt gut durch die schwere Zeit gebracht."
Weltklasse-Shorttrackerin Anna Seidel (22 Jahre): "Glücklicherweise können wir uneingeschränkt trainieren und müssen auch auf dem Eis keine Maske tragen, überall sonst schon. Doch das ist das geringste Übel. Das nehme ich gern in Kauf. Ich vertraue der Regierung und denke, sie hat uns bis jetzt gut durch die schwere Zeit gebracht." © Lutz Hentschel
Landessportbund-Chef Christian Dahms (46): "Ich finde sehr schade, dass diese Maßnahmen ergriffen wurden. Man muss grundsätzlich festhalten: Wir haben eine Pandemie in der Welt, die solche Maßnahmen jetzt notwendig machen. Unser großes Problem ist derzeit, wie wir über den November hinaus weiter mit dieser Situation umgehen."
Landessportbund-Chef Christian Dahms (46): "Ich finde sehr schade, dass diese Maßnahmen ergriffen wurden. Man muss grundsätzlich festhalten: Wir haben eine Pandemie in der Welt, die solche Maßnahmen jetzt notwendig machen. Unser großes Problem ist derzeit, wie wir über den November hinaus weiter mit dieser Situation umgehen." © Landessportbund Sachsen
DSC-Volleyball-Kapitän Lena Stigrot (25): "Wenn man Profisport als Teil der Unterhaltungsbranche sieht, haben wir Glück, unsere Passion und unseren Beruf überhaupt noch ausüben zu können. Daher ist es für mich, und da spreche ich auch für meine Mitspielerinnen, in Ordnung, dass wir uns Beschränkungen zu unterwerfen haben."
DSC-Volleyball-Kapitän Lena Stigrot (25): "Wenn man Profisport als Teil der Unterhaltungsbranche sieht, haben wir Glück, unsere Passion und unseren Beruf überhaupt noch ausüben zu können. Daher ist es für mich, und da spreche ich auch für meine Mitspielerinnen, in Ordnung, dass wir uns Beschränkungen zu unterwerfen haben." © Ronald Bonß
Bob-Olympiasieger Francesco Friedrich (30): "Was unser Training betrifft, hatten wir den ganzen Sommer keine Probleme, und auch jetzt an der Bahn ist alles okay. Zum Glück dürfen wir fahren, alles verbunden mit Auflagen. Aber das ist doch klar. Wir müssen alles tun. Sonst bekommen die Verbände extreme finanzielle Probleme."
Bob-Olympiasieger Francesco Friedrich (30): "Was unser Training betrifft, hatten wir den ganzen Sommer keine Probleme, und auch jetzt an der Bahn ist alles okay. Zum Glück dürfen wir fahren, alles verbunden mit Auflagen. Aber das ist doch klar. Wir müssen alles tun. Sonst bekommen die Verbände extreme finanzielle Probleme." © Robert Michael
Paralympics-Siegerin Christiane Reppe (33): "Der Sport ist wichtig in unserer Gesellschaft, kann aber jetzt nicht Priorität Nummer eins haben. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass im nächsten Jahr wenigstens ein paar Wettkämpfe stattfinden können, aber ich sehe die Olympischen und Paralympischen Spiele noch nicht so richtig."
Paralympics-Siegerin Christiane Reppe (33): "Der Sport ist wichtig in unserer Gesellschaft, kann aber jetzt nicht Priorität Nummer eins haben. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass im nächsten Jahr wenigstens ein paar Wettkämpfe stattfinden können, aber ich sehe die Olympischen und Paralympischen Spiele noch nicht so richtig." © privat

So hat sich der Alltag für Paralympics-Siegerin Christiane Reppe nicht geändert. Die Schwimmhalle in Dresden darf die 33-Jährige weiter nutzen, alle anderen Einheiten finden im Freien und allein statt. „Es tut mir vor allem für die Leute leid, die Geschäfte schließen müssen, für Soloselbstständige, die das ganze Jahr schon wenig bis keine Aufträge hatten“, sagt Reppe.

Privat betroffen ist Bobpilot Francesco Friedrich, denn der Lockdown gilt auch für seinen vierjährigen Sohn, dessen Training ausfällt. Friedrich selbst darf „zum Glück fahren, natürlich alles verbunden mit Auflagen. Wir müssen alles tun, damit die Saison stattfinden kann. Ansonsten bekommen die Verbände extreme finanzielle Probleme“, sagt der Olympiasieger und Rekordweltmeister aus Pirna, der derzeit mit der Nationalmannschaft in Altenberg trainiert. In zwei Wochen soll für den 30-Jährigen und sein Team dann im lettischen Sigulda der Weltcup beginnen.

Eine Hoffnung, die für die Dresdner Weltklasse-Shorttrackerin Anna Seidel in weite Ferne gerückt ist. „Durch die Absage der für dieses Jahr geplanten Weltcups sind wir schon sehr stark von der Pandemie betroffen, und es ist auch nicht sicher, wie es im neuen Jahr weitergeht“, sagt sie. 

Zumindest das Training läuft wie geplant, was die Situation nicht besser macht. „Als Sportler hat man Ziele fest vor Augen, doch wenn die Termine nicht feststehen, ist das schwierig für den Kopf“, erzählt Seidel. Die 22-Jährige betont jedoch: „Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, die Pandemie in den Griff zu bekommen.“

Verlängerung der Hilfen ist die Mindestforderung

Lena Stigrot, Kapitän der DSC-Volleyballerinnen, sieht das genauso. Durch das eigene Verhalten könne jeder dazu beitragen, Infektionen zu vermeiden. Das ist ihr persönlicher Ansatz, Vereine und Verband schaffen darüber hinaus die Bedingungen, den Bundesliga-Spielbetrieb aufrechtzuhalten. Dass Zuschauer im November ausgeschlossen sind, ist für Stigrot aus Sicht als Profisportlerin indes schwer gewöhnungsbedürftig, von den finanziellen Konsequenzen für den Verein ganz zu schweigen.

Zumindest überleben müsse der Sport, nennt Dahms die Minimalforderung an die Landesregierung. Eine wichtige Grundlage dafür sei die Verlängerung des sächsischen Soforthilfeprogramms über das Jahresende hinaus. Doch auch die Vereine nimmt er in die Pflicht: „Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Konzepte zu verbessern.“

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Um diese noch sicherer zu machen, müssten Abläufe entzerrt werden, unter anderem in Umkleidekabinen und bei Warteschlangen vor Hallen, Stadien, Cateringständen. „Das gilt im professionellen Bereich wie für Breiten- oder sogar Kindersport“, sagt Dahms. Man könnte in diesem Fall regelrecht sagen: Es gilt ausnahmslos.

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