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Deutschlands Sportchef klagt über Sippenhaft im Lockdown

Der verlängerte Lockdown stellt den organisierten Sport vor neue Herausforderungen, Ängste und Sorgen. Was DOSB-Präsident Hörmann fordert.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, hat noch Hoffnung, dass 2021 ein gutes Jahr für den Sport werden könnte - trotz des Lockdowns.
Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, hat noch Hoffnung, dass 2021 ein gutes Jahr für den Sport werden könnte - trotz des Lockdowns. © Archiv: dpa/Tom Weller

Berlin. Mit jeder Verlängerung des Lockdowns und der Corona-Restriktionen werden die Probleme des organisierten Sports und der Unmut bei vielen Verbänden über den verordneten Stillstand größer. „Der massenhafte Ansturm auf die Skigebiete rund um den Jahreswechsel zeigte doch gerade, wie sehr die Menschen nach Bewegung und Ablenkung gieren. Niemand lässt sich monatelang einfach einsperren, die Menschen brauchen den Sport“, sagte der neue Präsident des Deutschen Schwimm-Verbandes, Marco Troll.

Deshalb fordert er die Politik auf, den Mehrwert des Sports zur Bewältigung der Pandemie mehr zu schätzen, ihn einzubinden und nicht lahmzulegen. „Der Sport ist ja bekannt für verlässliche Organisation und Disziplin, er hat deswegen mehr Vertrauen verdient. Der Sport muss als Teil der Lösung gesehen werden, nicht als Teil des Problems“, betonte Troll.

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„Keine Zeit für Halbherzigkeiten“

„Die Maßnahmen, die wir beschlossen haben, sind einschneidend. Sie sind härter“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag zur Verlängerung des Lockdowns bis 31. Januar gesagt. Neue Gefahr brächten auch die ansteckenderen Virus-Mutationen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte auch deshalb gemahnt, es sei „keine Zeit für Halbherzigkeiten“.

Schwimm-Präsident Troll indes sagte, zahlreiche Hygienekonzepte hätten gezeigt, „dass wir mit dem strukturierten Ausbildungs- und Trainingsbetrieb unserer Vereine die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich halten können“. Troll ist seit November Chef im fast 600.000 Mitglieder starken Verband.

Wegen der Verantwortung gegenüber den Vereinen wolle sich der Dachverband „noch verstärkter für eine verantwortungsvolle Öffnung der Bäder einsetzen“, sagte er. Gerade in Schwimmbädern sei durch Chlor, Wasseraufbereitung, hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme bei Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln das Risiko sehr gering.

Abgesperrt: Die Sportstätten in Deutschland sind bis auf Weiteres für den Amateur- und Breitensport nicht nutzbar.
Abgesperrt: Die Sportstätten in Deutschland sind bis auf Weiteres für den Amateur- und Breitensport nicht nutzbar. © dpa/Bodo Schackow

Auch im Deutschen Olympischen Sportbund wächst nach Fortschreibung des Lockdowns bis mindestens Ende Januar die Furcht vor einer Beschädigung des auf der Welt einmaligen Sportsystems. „Die harte Bewährungsprobe für Sportvereine, Ehrenamtliche und die 27 Millionen Mitglieder setzt sich im neuen Jahr leider fort“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Sportdeutschland sei „auf unabsehbare Zeit, aber mit klar absehbaren negativen Folgen weiterhin zum Stillstand verurteilt“.

Zugleich appellierte er aber ebenso „an die Sportfamilie, die aktuellen Maßnahmen solidarisch mitzutragen sowie die wertvolle persönliche Fitness und die wichtige Vereinstreue aufrechtzuerhalten“. Oberstes Gebot sei es, „die Krankenhäuser soweit am Laufen zu halten, dass die Pandemie einigermaßen beherrschbar ist“, so Hörmann gegenüber sportschau.de: „Und da ist der Sport ebenso sozusagen in einer gewissen Form von Sippenhaft wie auch die Kultur oder andere Bereiche.“

Der 60-Jährige stellte aber auch Forderungen an die Politik: „Wenn wir schon nicht Sport treiben dürfen, dann hoffen wir sehr auf schnelle, praxisorientierte Hilfe, auch im monetären Sinne. Weil wir andernfalls Sport-Deutschland in wenigen Monaten nicht mehr wiedererkennen werden.“

DOSB befürchtet hohen Mitgliederrückgang

Die Auswirkungen der Corona-Krise reichen von der Insolvenzgefahr für Proficlubs bis zu Mitgliederschwund und Nachwuchssorgen der Amateurvereine. So nannten 79,4 Prozent der befragten bayerischen Vereinsfunktionäre den Wegfall oder Verlust von Kindern und Jugendlichen für den Fußball als größtes Problem im strukturellen Bereich. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die der Bayerische Fußball-Verband in Auftrag gegeben hat. Zwischen dem 2. und 15. Dezember 2020 wurden 1.664 Clubverantwortliche in Bayern befragt. Wegen des zweiten Lockdowns ist kein Spielbetrieb möglich.

Der DOSB, unter dessen Dach 27 Millionen Mitglieder in etwa 90.000 Vereinen organisiert sind, schließt einen Mitgliederrückgang von zwei bis drei Millionen – je nach Entwicklung der Corona-Lage – nicht aus. Außerdem könnten laut DOSB möglicherweise eine Million Ehrenamtliche verloren gehen. Schon im Dezember hatte Hörmann gemahnt: „Von Woche zu Woche wird die Not eine größere.“

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Große Hoffnungen setzt der deutsche Sportchef auf die Ende 2020 gestarteten Impfungen. Wenn dadurch ab Sommer wieder Zuschauer in Hallen und Stadien könnten, und es bis Jahresende „wieder gelingt, in den Zustand vor der Pandemie zurückzukehren“, könnte 2021 doch noch ein gutes Jahr werden. (dpa)

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