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„Es gibt sicher Zuschauer, die das nicht gut finden“

Sven Hannawald hat die Seiten gewechselt. Im Interview spricht der letzte deutsche Sieger der Vierschanzentournee über seine Erfahrungen als ARD-Experte.

War im vergangenen Winter noch
Experte bei Eurosport, erreicht in
der ARD nun aber ein größeres
Publikum: Sven Hannawald.
War im vergangenen Winter noch Experte bei Eurosport, erreicht in der ARD nun aber ein größeres Publikum: Sven Hannawald. © Archiv: dpa/Daniel Karmann

Köln. Wenn der letzte Springer die Schanze runtersegelt, heißt es für Sven Hannawald: Jetzt aber los! Der bislang letzte deutsche Sieger bei der Vierschanzentournee ist seit diesem Winter als Experte für die ARD tätig – und hechtet am Ende eines jeden Durchgangs vom Kommentatoren-Platz zurück ins TV-Studio. Ganz unerfahren ist der 46-Jährige dabei nicht, bereits in den vergangenen Jahren sammelte er zusammen mit seinem einstigen Teamkollegen Martin Schmitt Erfahrungen bei Eurosport.

Im Interview zieht Hannawald eine kleine Bilanz seiner Premiere im Ersten, und der noch immer letzte deutsche Tourneesieger hofft auf einen Nachfolger als Champion im kommenden Jahr.

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Herr Hannawald, Sie sind von der vergleichsweise kleinen TV-Bühne von Eurosport auf die große im Ersten gewechselt. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Premiere vor einem Millionen-Publikum?

Es ist bei der ARD das in Erfüllung gegangen, was ich mir erhofft habe. Das sind auch neue Möglichkeiten, wenn in der Spitze bis zu acht Millionen Zuschauer dabei sind. Mit ausschlaggebend für den Wechsel waren auch private Gründe. Eurosport ist den ganzen Winter jedes Wochenende dabei, das ist schwer bei zwei kleinen Kindern.

Bei Eurosport waren Sie meist hinter dem Mikro im Einsatz, bei der ARD sind Sie es nun auch vor der Kamera – und das als Nachfolger einer Institution wie Dieter Thoma. Wie hat sich das angefühlt?

Wenn man nur die Stimme ist, dann fehlt ein Teil. Ich hatte gehofft, da auch mit Eurosport Wege zu finden, das hat aber leider nicht geklappt. Dieters Fußstapfen sind schon groß, wenn man sieht, wie lange er dabei war. Aber man entwickelt sich weiter, es gibt immer Dinge, die man lernen muss.

Mit Kommentator Tom Bartels und Moderator Matthias Opdenhövel bilden Sie ein Dreierteam, das durchaus schon eingespielt wirkte.

Die Zusammenarbeit mit Tom Bartels klappt super. Er recherchiert auf einem Topniveau, ich frage dann bei Trainern oder Springern spezieller nach. Aber auch Matthias hilft mir im Studio ungemein.

Noch einmal zu Dieter Thoma. Wie schwer war es, einen Experten zu ersetzen, der über viele Jahre sehr beliebt war?

Es gibt sicher Zuschauer, die das nicht gut finden, dass ich jetzt da bin nach zehn Jahren Dieter. Aber es gibt auch viele, die mir schreiben und denen ich gefalle. Geschmäcker sind verschieden. Das interne Feedback ist sehr positiv.

Sie kommentieren die Tournee aus der Ferne, sitzen in Köln. Da müssen Sie zwischen Kommentatoren-Platz und Moderations-Studio hin und her eilen ...

Ein bisschen Schwierigkeiten habe ich, wenn Geiger oder Granerud wie in Innsbruck früh im zweiten Durchgang dran sind oder es bei den letzten Vier eng zur Sache geht. Aber insgesamt lässt sich die Situation mit Studio und Live-Kommentar gut handhaben.

Ihr Vorgänger Thoma hat den Job in der ARD fast 13 Jahre lang erledigt. Wie lange haben Sie sich vorgenommen?

Ich hoffe, dass ich das so lange machen kann wie möglich, und versuche, mich nicht zu dumm anzustellen.

Noch länger, und zwar seit 19 Jahren, sind Sie inzwischen schon der letzte deutsche Tourneesieger. Warum hat es für die DSV-Adler schon wieder nicht geklappt?

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Der ehemalige Weltklasse-Skispringer wechselt von Eurosport zur ARD. Er übernimmt die Aufgabe als Experte für einen früheren Schanzenkollegen.

Ich kann nur sagen, dass es nicht sein soll. Die Voraussetzungen waren selten besser als dieses Jahr, wir hatten zwei Topeisen im Feuer. Karl Geiger und Markus Eisenbichler mussten sich durchbeißen, ein Tourneesieger muss aber auch genießen, in einem Lauf sein, das hat ihnen gefehlt. Vielleicht nächstes Jahr – 20 Jahre nach Sven Hannawald lässt sich auch besser schreiben als 19 Jahre.

Das Interview führte Christoph Leuchtenberg (sid).

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