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Wie Blasewitz in die Zeit nach Petkovic startet

Erstmals ruft der einzige ostdeutsche Klub in der 1. Tennis-Bundesliga der Damen einen sechsstelligen Etat auf – und bleibt dennoch Außenseiter.

Von Alexander Hiller
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Diese Bilder aus Dresden gehören der Vergangenheit an: Andrea Petkovic spielte 2019 bis 2022 für den einzigen ostdeutschen Verein in der höchsten deutschen Tennis-Liga.
Diese Bilder aus Dresden gehören der Vergangenheit an: Andrea Petkovic spielte 2019 bis 2022 für den einzigen ostdeutschen Verein in der höchsten deutschen Tennis-Liga. © www.loesel-photographie.de

Dresden. Die Personalie hat dem größten ostdeutschen Tennis-Verein deutschlandweite Schlagzeilen beschert: Mit Andrea Petkovic als Nummer eins mauserte sich der TC Blau-Weiß Blasewitz in der 1. Bundesliga der Damen auf Anhieb zum Zuschauerkrösus – mit 1.300 Besuchern im Schnitt. Nach dem Karriereende der 35-Jährigen stellen sich zum Saisonstart einige Fragen – die SZ beantwortet die wichtigsten.

Hat der TC Blau-Weiß Blasewitzeinen neuen Star verpflichtet?

Nein. Im insgesamt 18-köpfigen Kader – Blasewitz schöpft damit die Maximalanzahl aus – steht keine Spielerin, die dem Bekanntheitsgrad der ehemaligen Weltranglisten-Neunten Andrea Petkovic nahe kommt. „Andrea ist für uns als Persönlichkeit nicht zu ersetzen“, stellt Teammanager Sven Grosse sachlich fest. Allerdings verweist der hauptberuflich als Anwalt tätige Fachmann auf die in der Szene durchaus bekannten internationalen Größen wie Kristina Kucova (Slowakei), Dalma Galfi (Ungarn) oder Tereza Martincova – die alle derzeit in den Top 100 der Weltrangliste zu finden sind oder es kürzlich noch waren. Die 28-jährige Martincova stand 2022 auf Rang 40 unter den besten Spielerinnen der Welt, ist aber mittlerweile auf Platz 103 abgerutscht – und kann Blasewitz bei den ersten beiden Auftritten ohnehin nicht helfen. „Wir haben am Mittwoch von ihr erfahren, dass sie eine Schulterverletzung erlitten hat“, informiert der Team-Manager. Auch die junge Kroatin Tara Würth, Nummer 146 der Weltrangliste, fällt mit einer Stressfraktur bis auf Weiteres aus.

Mit im Kader stehen auch junge deutsche Spielerinnen auf den hinteren Positionen: Die frühere deutsche Jugendmeisterin Kathleen Kanev (22) und Klub-Eigengewächs Clara-Marie Schön (16). „Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingt, wieder viele Fans auf die Anlage zu bringen. 1.000 Besucher peilen wir an. Hier kann man sehr, sehr gutes Tennis sehen. Dafür müsste man sonst weit reisen“, wirbt Grosse.

Ex-Profi Bastian Knittel geht in seine zweite Saison als Cheftrainer des Tennis-Erstligisten aus Blasewitz.
Ex-Profi Bastian Knittel geht in seine zweite Saison als Cheftrainer des Tennis-Erstligisten aus Blasewitz. © kairospress

Welches Ziel setzt sich der einzige ostdeutsche Vertreter in der 1. Liga?

Nichts anderes als den Klassenerhalt. Das liegt zum einen daran, dass die Liga wieder auf acht Teams aufgestockt wurde und es damit zwei sportliche Absteiger geben wird. „Allein das macht es für uns herausfordernder“, sagt Sven Grosse. Mit dem Club an der Alster Hamburg ist ein ambitionierter Aufsteiger hinzugekommen. Den zählt er ebenso zu den Mitfavoriten wie Titelverteidiger TC Bredeney Essen und Vizemeister Aachen. „Das Ziel Klassenerhalt ist für uns noch etwas anspruchsvoller geworden“, sagt Grosse. Drei der sieben Partien müsste Blasewitz wohl gewinnen.

Weshalb hat Dresden erstmals in der Erstligageschichte vier Heimspiele?

Das hängt mit der Aufstockung der Liga auf acht Teams zusammen. Die vier erstplatzierten Teams der Vorsaison haben sich das Recht erspielt, in dieser Spielzeit vier Heimpartien auszutragen. „Da wir Vierter waren, haben wir uns das auch verdient“, sagt Grosse. Den Heimauftakt im Waldpark bestreitet Blasewitz an diesem Sonntag, ab 11 Uhr, gegen Mitfavorit Aachen. Den Bundesligastart bestreiten die Dresdnerinnen bereits am Freitag bei Blau-Weiß Berlin. Die weiteren Heimspieltermine sind: 20. Mai gegen Hamburg, 4. Juni gegen Hannover, 15. Juli gegen Stuttgart.

Team-Manager Sven Grosse verspricht Weltklasse-Tennis für die vier Heimauftritte im Blasewitzer Waldpark.
Team-Manager Sven Grosse verspricht Weltklasse-Tennis für die vier Heimauftritte im Blasewitzer Waldpark. © www.loesel-photographie.de

Mit welchem Budget plant der TC Blau-Weiß diese Serie?

Mit einem klubinternen Rekord-Etat. „Mehr Spieltage bedeuten auch, dass wir mehr Geld in die Hand nehmen müssen“, sagt Grosse und verrät: „Wir knacken damit erstmals die sechsstellige Grenze“. Das erklärt sich auch mit den gestiegenen Honorarforderungen der Spielerinnen. Grosses Dank geht deshalb an den Förderverein des Klubs, der dieses Budget zur Verfügung stellt – und dabei erstmals alle Heimspiele an Spieltags-Sponsoren verkauft hat. Allerdings wird kolportiert, dass Titelverteidiger Essen den drei- bis vierfachen Etat aufstellt und in den Spielerinnen-Verträgen unter anderem verankert, die Profis von den jeweiligen Einsätzen aus Turnieren unabhängig vom persönlichen Weiterkommen für die Ligaspieltage abzurufen.

Mit welchem Personal bestreitet Blasewitz den Bundesligastart?

Das ist und bleibt bis zuletzt offen. „Man weiß teilweise erst einen Tag vor dem Spieltag, wen wir aufstellen können“, sagt Chefcoach Bastian Knittel. Denn das ist von verschiedenen Aspekten abhängig. Einerseits davon, bei welchem Turnier die jeweiligen Profis wie weit kommen. Am kommenden Montag steht beispielsweise die Qualifikationsrunde für das mit knapp 2,5 Millionen Euro dotierte WTA-Turnier in Rom an. Auch die Einsätze in anderen nationalen Ligen – Doppel- und Mehrfachstarts für Vereine aus verschiedenen Nationen sind üblich – müsse man beachten. „Das ist für viele eine zusätzlich Einnahmequelle. Für solch einen Spieltag fragen wir deshalb de facto unseren kompletten Kader ab, um sechs Spielerinnen zusammenzubekommen“, sagt Ex-Profi Knittel.