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Tennis-Welt trauert um Trainer-Legende Nick Bollettieri

In seiner Akademie hat Nick Bollettieri viele Tennis-Weltstars geformt. Seine Methoden brachten ihm allerdings auch Kritik ein. Nun ist der langjährige Trainer gestorben.

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US-Tennistrainer Nick Bollettieri starb nach Angaben der von ihm gegründeten IMG Academy vom Montag im Alter von 91 Jahren.
US-Tennistrainer Nick Bollettieri starb nach Angaben der von ihm gegründeten IMG Academy vom Montag im Alter von 91 Jahren. © APA

Bradenton. Er posierte gern mit freiem, sonnengebräuntem Oberkörper, Sonnenbrille und Tennisschläger vor der Brust: Trainer-Legende Nick Bollettieri formte in seiner Akademie in Florida zahlreiche Stars. Zu den Schützlingen des Amerikaners zählten auch Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki, die einstige deutsche Nummer eins, Tommy Haas, und zwischenzeitlich auch Boris Becker. Tennis-Promis wie Andre Agassi, Venus und Serena Williams, Maria Scharapowa, Jim Courier, Monica Seles und Anna Kurnikowa formte er zu Welt-Stars. Nun ist Bollettieri im Alter von 91 Jahren gestorben, wie die von ihm gegründete IMG Academy in Bradenton am Montag mitteilte.

Schon vor einigen Wochen hatte Bollettieris Tochter mitgeteilt, ihr Vater sei kurz vor dem Wechsel "an den nächsten Ort". Haas verabschiedete sich in einem emotionalen Post bei Instagram von seinem einstigen Coach. "Du warst ein Träumer und ein Macher und ein Pionier in unserem Sport, wirklich einmalig", schrieb der frühere Weltranglisten-Zweite.

Lisicki stellte bei Twitter heraus, Bollettieri habe vielen Kindern einen Platz gegeben, um an ihrem Traum zu arbeiten. Er habe sie mit seinem Wissen unterstützt und dem Glauben daran, dass alles möglich sei. "Ich hatte das Glück, eines von ihnen zu sein", schrieb Lisicki. Bollettieri habe den Tennissport mitgeformt. Den dreimaligen Wimbledonsieger Becker betreute er anderthalb Jahre lang zwischen 1993 und 1995, Bollettieri beendete das Arbeitsverhältnis damals kurz vor dem Beginn der US Open.

Verhältnis mit Agassi zerbrach

Der frühere Fallschirmspringer hatte seine Akademie 1978 in Bradenton gegründet und galt zeitlebens auch als PR-Profi, der sich zu vermarkten wusste. "Tennis wäre ohne Nicks Einfluss nicht dort, wo es heute ist", würdigte Jimmy Arias, der Tennisdirektor der IMG Academy Bollettieri, am Montag in einer Mitteilung.

Als Rezept für den späteren Erfolg seiner Schützlinge, von denen viele bereits im Kindesalter bei ihm trainierten, galt das harte Training. Dies brachte Bollettieri, der selbst großen Wert auf seine persönliche Fitness legte, auch viel Kritik ein. Das Verhältnis zu Agassi zerbrach trotz dessen Erfolgen.

"Es gibt viele negative Dinge, die ich getan habe. Aber hätte ich nachgedacht, bevor ich Dinge getan habe, wäre ich heute nicht dort, wo ich bin", sagte Bollettieri dem "Spiegel" vor fünf Jahren. "Ich habe nie nachgedacht. Das bin ich. Ja, auf diese Weise habe ich Fehler gemacht."

Der mit Steffi Graf verheiratete Agassi beschrieb die Akademie in seiner Autobiografie als "besseres Gefangenenlager" und beklagte: "Wir kriegen beigefarbenes Fleisch, gallertartige Eintopfgerichte und grauen Papp mit Reis vorgesetzt und schlafen in wackeligen Etagenbetten, die im Schlafsaal an der Holzwand aufgereiht stehen." Zusammenfassend befand der Amerikaner: "Wie die meisten Gefangenen verbringen wir unsere Zeit mit schlafen und arbeiten, und unser Steinbruch ist der Tennisplatz."

Haas blieben dagegen andere Erinnerungen an den einstigen Soldaten Bollettieri im Gedächtnis. Liebenswert-ironisch schrieb der Wahl-Amerikaner und Direktor des Turniers von Indian Wells, er werde vermissen, wie Bollettieri seine Sonnenbräune, seine weißen Zähne und sein Körperfett gezeigt habe. "Ich vermisse, Dich Tai Chi machen zu sehen, mit Dir Golf zu spielen und zu sehen, wie Du zu betrügen versuchst, ein Snickers isst und in die Büsche rennst." Er vermisse auch, Bollettieris Pläne im Alter von 91 zu hören, fügte Haas hinzu. "Nochmal danke für alles. Ruhe in Frieden Nickiiiii." (dpa)