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Wie eine Dresdnerin die Olympiastadt Tokio erlebt

Für Tina Punzel war der Weltcup sehr erfolgreich. Doch mehr als Hotel und Halle durfte sie nicht sehen. Das, fürchtet sie, wird bei den Spielen kaum anders sein.

An der frischen Luft war Tina Punzel während der Weltcup-Woche in Tokio zusammen vielleicht 30 Minuten. Mehr war nicht erlaubt.
An der frischen Luft war Tina Punzel während der Weltcup-Woche in Tokio zusammen vielleicht 30 Minuten. Mehr war nicht erlaubt. © Foto: Ronald Bonß

Der Termin lag günstig. Knapp drei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele beim Gastgeber vorbeischauen und schon mal ein bisschen Atmosphäre schnuppern, kann schließlich nicht schaden. Erst beim Weltcup die Startplätze für Olympia sichern und sich dann in Tokio umschauen – das war auch der Plan von Tina Punzel. Umsetzen konnte die 25-Jährige davon allerdings nur den ersten Teil.

Gleich in drei Disziplinen, das steht seit dieser Woche fest, wird die Wasserspringerin bei den Spielen antreten. Maximale Ausbeute. Die Ausbeute in Sachen Sightseeing und Olympiaflair war dagegen maximal mager. „In der gesamten Woche waren wir vielleicht 30 Minuten an der frischen Luft. Und da haben wir auf den Bus gewartet“, erzählt die Dresdnerin. Den Rest verbrachte das Nationalteam im Hotel oder in der Halle. Darauf wurde penibel geachtet. „Wir wurden ständig von Volunteers begleitet, durften uns nicht außerhalb von deren Sichtfeld bewegen.“ Selbst der Fahrstuhl im Hotel wurde überwacht, durfte nur vor oder nach dem Wettkampf benutzt werden. „Es war schon sehr speziell“, fasst Punzel ihre Eindrücke zusammen.

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In drei Monaten, so vermutet sie, wird es kaum anders sein. „Dann sind noch viel mehr Sportler da. Deshalb werden die Organisatoren am Hygienekonzept kaum etwas ändern. Olympische Atmosphäre kommt so sicher nicht auf.“ Deutschlands beste Springerin möchte das nicht als Kritik verstanden wissen, sie bedauert es vielmehr – auch, weil sie es 2016 bei den Spielen in Rio de Janeiro ganz anders erlebt hat. Man müsse sich halt damit abfinden, weil es nicht zu ändern sei, findet sie. „Die Gastgeber geben sich viel Mühe, sind immer höflich und entschuldigen sich, wenn der Bus mal Verspätung hat“, erzählt sie.

"Ich habe jetzt so richtig gemerkt, was mir gefehlt hat"

Die Olympiahalle, in der auch die Schwimmer starten werden, sei modern, groß und hell. Nur voll wird sie bei den olympischen Finals nicht sein. Ausländische Zuschauer sind, das steht bereits fest, ausgeschlossen. Wie viele Japaner rein dürfen, dagegen noch nicht. Die Frage ist auch, wie viele das bei einer Pandemie und der Ansteckungsgefahr überhaupt wollen. Beim Weltcup war die Halle leer und jeder zweite Sitzplatz abgeklebt.

Punzels Eindrücke von der Tokio-Visite sind jedoch nicht allesamt ernüchternd. Neben den sportlichen Erfolgen hat es die Sportsoldatin genossen, überhaupt mal wieder bei einem Wettkampf starten zu können. Corona hatte das mehr als ein Jahr lang verhindert. „Das hat so viel Spaß gemacht und das kann auch kein Training ersetzen. Ich habe jetzt so richtig gemerkt, was mir gefehlt hat“, berichtet sie.

Solche Momente kann sie in den nächsten Wochen noch einige auskosten. Nun geht es Schlag auf Schlag, nach dem Weltcup geht es zur Europameisterschaft, dann kommen die deutschen Titelkämpfe und schließlich Olympia. Direkt von Tokio aus ging es fürs Nationalteam weiter zur EM nach Budapest, Punzel ist dort bereits am Montag zum ersten Mal im Einsatz. „Ich bin nach der langen Pause über jeden Wettkampf froh.“

Sie gehörte deshalb zum ersten Teil der Fluggruppe, die schon vor dem Ende des Weltcups abreiste und am Donnerstag bei einem Zwischenstopp in Frankfurt/Main auf dem Handy sah, wie ihr Dresdner Vereinskollege Martin Wolfram in Tokio völlig überraschend die Konkurrenz vom Dreimeter-Brett gewann. Es war der erste Sieg eines deutschen Wasserspringers bei einem Weltcup seit fünf Jahren.

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Punzel war auf die Plätze drei und vier gesprungen. Damit gehören die beiden Dresdner bei der EM zum Favoritenkreis – und auch bei Olympia? „Das zu behaupten, wäre vermessen“, findet Punzel. „Wobei mir vom Brett ein grober Fehler passiert war. Es ist also noch Luft nach oben und bei Olympia überhaupt alles möglich.“

Vorher aber steht erst mal die EM an. Wieder springen sie in einer leeren Halle. Aber vielleicht dürfen sie ja öfter an die frische Luft als in Tokio.

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