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Wieso sich der Olympiasieger von seinem Manager trennt

Der Dresdner Kanute Tom Liebscher kündigt die Zusammenarbeit mit seinem Berater auf – und deutet auf seiner Homepage auch an, warum.

Schon vor dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Tokio trennte sich der Dresdner Kanute Tom Liebscher von seinem Manager.
Schon vor dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Tokio trennte sich der Dresdner Kanute Tom Liebscher von seinem Manager. © dpa/Picture Alliance/Robert Michael

Dresden. Es ist ein Eintrag, der stutzig macht. Bereits Anfang Dezember veröffentlicht der Dresdner Olympiasieger und Kanute Tom Liebscher auf seiner Homepage eine Mitteilung: „Hiermit gebe ich mit sofortiger Wirkung die Trennung von meinem Management Mein-Manager bekannt. Ich distanziere mich ausdrücklich von den persönlichen und politischen Äußerungen meines bisherigen Managers Torsten Reitz. Die von ihm veröffentlichten Beiträge, Kommentare und Videos entsprechen nicht meiner Meinung und meinem Glauben“, heißt es dort.

Was genau Liebscher, der bei den Spielen in Tokio als einziger sächsischer Athlet Gold gewonnen hatte, damit meint, will er auf Anfrage von Sächsische.de nicht näher erläutern. „Ich möchte mich zu diesem Thema nicht mehr äußern. Mit meinem Eintrag auf der Homepage ist alles gesagt“, findet der 28-Jährige.Torsten Reitz leitet die Dresdner Vermögens- und Vermarktungsfirma Mein-Manager, dem Impressum der Homepage zufolge vermittelt er Finanzanlagen und Immobiliendarlehen. Außerdem ist er Versicherungsmakler. Seit 2012 betreut er zudem Spitzensportler aus Sachsen. Er und seine Firma versprechen Unterstützung bei der Sponsorengewinnung und der Öffentlichkeitsarbeit. Die Sportler können von Firmen „als Werbeträger, zur Aufwertung von Veranstaltungen und zum positiven Imagetransfer“ gebucht werden, heißt es auf der Internetseite des Unternehmens.

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Auf der sind 13 Athleten aufgelistet, darunter Nadine Müller, Vize-Weltmeisterin im Diskuswerfen. Tina Dietze, Kanu-Olympiasiegerin. Christina Schwanitz, Kugelstoß-Weltmeisterin. Nico Ihle, Vize-Weltmeister im Eisschnelllaufen. Und Tina Punzel, Olympia-Dritte im Wasserspringen. Tom Liebscher taucht da nicht mehr auf.

Torsten Reitz betreut als Manager derzeit 13 Spitzensportler aus der Region. Tom Liebscher gehört nicht mehr dazu.
Torsten Reitz betreut als Manager derzeit 13 Spitzensportler aus der Region. Tom Liebscher gehört nicht mehr dazu. © Sven Ellger

Zu der Trennung will sich Reitz auf Anfrage von Sächsische.de nicht öffentlich äußern – und auch nicht dazu, welche politischen Äußerungen Liebscher veranlasst haben könnten, die Zusammenarbeit aufzukündigen. Was der Mittfünfziger in den sozialen Medien gepostet und veröffentlicht hat, kann man nicht mehr nachlesen, er hat seinen Facebook-Account inzwischen gelöscht. Abgesehen von Liebscher gibt es bislang keine weiteren Spitzensportler, die die Kooperation mit Mein-Manager mit vergleichbarer Begründung beendet haben oder dies vorhaben. Kanu-Weltmeisterin Steffi Kriegerstein hatte schon lange vor Ausbruch der Corona-Pandemie gekündigt.

Auch das Dresdner Motorsportteam T3, das seit dieser Saison in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) mitfährt, ist schon länger kein Kunde mehr von MeinManager. Jens Feucht, Teamchef von T3, erklärt auf Nachfrage, dass man sich von der Zusammenarbeit „ein bisschen mehr versprochen hatte“ und deshalb den Vertrag „im gegenseitigen Einverständnis“ gekündigt habe.

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Wasserspringerin Punzel fand „die Idee, ein regionales Netzwerk zu knüpfen, gut“ und lobt die Zusammenarbeit. „Politisch soll jeder seine persönliche Meinung haben dürfen, ich habe sicher eine andere als er“, sagt sie. In den nächsten Wochen werde sie mit Reitz „besprechen, ob oder in welcher Form die Zusammenarbeit fortgesetzt wird“, sagt sie.

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