merken
Sport

Aus der Traum vom Tour-Podium

In den Pyrenäen bekommt Radprofi Emanuel Buchmann seine Grenzen aufgezeigt. Doch das liegt nicht nur an der Fahrweise der Konkurrenz.

Bora-Hansgrohe-Profi Emanuel Buchmann konnte am Wochenende nicht mit den besten Kletterern mithalten.
Bora-Hansgrohe-Profi Emanuel Buchmann konnte am Wochenende nicht mit den besten Kletterern mithalten. © Christophe Ena/AP/dpa

Laruns. Pleite in den Pyrenäen: Radprofi Emanuel Buchmann muss seinen Traum vom Podium der Tour de France begraben. Der angeschlagene deutsche Hoffnungsträger hielt beim zweitägigen Kletter-Spektakel in Südfrankreich nicht wie erhofft mit den Besten mit und verlor viel Zeit auf die kompromisslosen Rivalen. „Ich habe mich richtig schlecht gefühlt, war schon früh am Limit. Ich habe mein Bestes gegeben, aber mehr war nicht möglich“, sagte der sichtlich geknickte Buchmann am Sonntag im empfindlich kühlen Zielort Laruns.

Buchmann ist mit nun 5:45 Minuten Rückstand auf den neuen Spitzenreiter Primoz Roglic aus Slowenien 18. der Gesamtwertung. Am ersten Ruhetag am Montag, wenn die dritte Corona-Testreihe der Tour 2020 ansteht, wird bei Buchmanns Team Bora-Hansgrohe über die weitere Strategie entschieden. Die Ziele dürften nach unten korrigiert werden.

Anzeige
Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus
Demenzsensibles Krankenhaus St. Carolus

Jeder dritte bis vierte Patient bringt die Nebendiagnose Demenz mit ins Krankenhaus. Das St. Carolus in Görlitz geht einen besonderen Weg und hilft damit allen Beteiligten.

Nach dem ersten Rückschlag am Samstag lief es für den 27 Jahre alten Bora-Kapitän erneut nicht wie gewünscht. Der Vorjahresvierte erreichte das Ziel der zweiten Pyrenäenetappe nach 153 Kilometern in Laruns als 23., 4:12 Minuten hinter Tagessieger Tadej Pogacar. Ums Gelbe Trikot streiten andere. Topfavorit Roglic, der den Briten Adam Yates an der Spitze ablöste, Pogacar und Titelverteidiger Egan Bernal agierten in den Pyrenäen auf Augenhöhe.

Sturz bei der Dauphine: Verletzung wirkt nach

„Keine Zeit verlieren“ – das war am Sonntag das große Ziel des Bora-Teams, das sich angesichts des fordernden Profils als schwieriges Unterfangen erwies. Der Plan, einen Fahrer als späten Buchmann-Helfer in eine Ausreißergruppe zu schicken, ging auf – eine Flucht war vom Feld mit hohem Anfangstempo allerdings lange unterbunden worden. Letztlich schaffte Lennard Kämna den Sprung nach vorne.

Die schonungslose Fahrweise forderte bald Tribut. Schon am ersten schweren Anstieg, dem verregneten Col de la Hourcere, war das Hauptfeld auf die Favoritengruppe geschrumpft, Buchmann geriet erstmals in Schwierigkeiten. Noch hielt er aber den Anschluss. Schon zu Beginn des Col de Marue Blanque änderte sich dies: Buchmann hatte zwei Helfer an seiner Seite, konnte der harten Gangart vom Roglics Jumbo-Mannschaft aber nicht mehr folgen. Sichtlich angeschlagen kämpfte er sich ins Ziel, es ging nur noch um Schadensbegrenzung.

Dass Buchmanns Traum vom Podium in diesem Jahr wohl unerfüllt bleibt, hatte sich schon tags zuvor angedeutet. Über eine Minute hatte er auf die Topstars um Roglic und Bernal auf dem Weg nach Loudenvielle verloren. „Das ist nicht das, was ich wollte und wie ich gerne fahren möchte“, hatte er anschließend gesagt, „aber es geht wohl noch nicht besser nach dem Sturz.“

Zwei Wochen vor dem Tour-Start war Buchmann bei der Dauphine schwer zu Fall gekommen, beim Grand Depart in Nizza waren die Blessuren noch nicht voll ausgeheilt. Die langen Tage im Sattel während der ersten Tour-Woche wirkten sich zwar positiv auf Buchmanns Fitness aus, im Vollbesitz seiner Kräfte ist er aber noch nicht. „Es fehlen einfach die letzten paar Prozent, um mitzufahren. Aber er hat super gekämpft“, sagte Boras Sportlicher Leiter Enrico Poitschke am Sonntag.

Corona-Test: Boras Teamchef Denk hat Bauchschmerzen

Buchmann zählte am bislang schwierigsten Wochenende zu den Verlierern, doch andere traf es noch viel härter. Frankreichs Hoffnungsträger Thibaut Pinot erlebte an beiden Tagen ein Drama. Bitter für die Gastgeber: Auch für Publikumsliebling Julian Alaphilippe ist das Maillot jaune inzwischen außer Reichweite.

Weiterführende Artikel

Tour-Sieger Pogacar: Jung und sehr schnell

Tour-Sieger Pogacar: Jung und sehr schnell

Der Slowene ist der jüngste Tour-Sieger seit 1904. Mit einer unfassbaren Leistung beim Zeitfahren machte er die Radsportwelt sprachlos. Manche melden Zweifel an.

Am Montag legt die Tour erstmals eine Pause ein – dennoch bleibt die Anspannung unter den Teams groß: Erstmals seit fast zwei Wochen werden alle Fahrer und Teammitglieder auf Covid-19 getestet. Zwei positive Ergebnisse führen zum Ausschluss der gesamten Mannschaft, auch wenn nur Mitglieder des Betreuerstabs betroffen sind. Kein Wunder also, dass Buchmanns Teamchef Ralph Denk Lampenfieber wie bei der schlimmsten Mathe-Klausur verspürt: „Ich habe davor richtige Bauchschmerzen.“ (sid)

Mehr zum Thema Sport