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Sport

Mit 22 wieder der Schnellste bei der Tour

Der Slowene Tadej Pogacar krönt sich zum jüngsten Doppel-Champion der Tour de France. Doch es gibt auch Zweifel an den Gründen seiner Dominanz.

Müde, aber auch überglücklich am Ziel in Paris: Tadej Pogacar dominierte die Tour. Das sorgte neben Staunen auch für Verwunderung.
Müde, aber auch überglücklich am Ziel in Paris: Tadej Pogacar dominierte die Tour. Das sorgte neben Staunen auch für Verwunderung. © dpa/Christophe Ena

Er tunkte die Pommes in die Soße, nahm einen tiefen Schluck aus dem Pappbecher und atmete einfach mal durch. Die Strapazen der hammerharten Wochen bei der Tour de France, die immer wiederkehrenden Fragen und Vergleiche – all das schien weit weg, als Tadej Pogacar kurz vor der Weiterreise zu seiner Krönung nach Paris in einem Schnellrestaurant einen Zwischenstopp einlegte.

„Was für drei anstrengende Wochen das waren“, hatte der Radsport-Wunderknabe kurz zuvor zu Protokoll gegeben, gezeichnet von der Hitze im Südwesten Frankreichs. Beim abschließenden Zeitfahren musste der so junge Alleskönner eigentlich nur noch das Ziel erreichen, um seinen erneuten Gesamtsieg zu sichern. Doch der 22-Jährige investierte noch einmal alles – so wie er es die gesamte Tour de France getan hatte: „Ich bin so froh, dass es zu Ende geht.“

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Dann durfte – oder besser musste – der jüngste Doppel-Champion in der Geschichte des prestigeträchtigsten Radrennens der Welt einmal mehr erklären, wie er das geschafft hatte. Diese Tour so zu dominieren, seinen Widersachern in dieser Art und Weise die Grenzen aufzuzeigen. Dabei ist die Sache aus seiner Sicht ganz simpel. „Ich genieße einfach das Radfahren“, sagte der Slowene. „Ich sehe mich nicht selbst als Boss des Pelotons.“ Von einer neuen Ära hatte der Kapitän des UAE Teams Emirates schon Tage zuvor nicht sprechen wollen.

Eddy Merckx: Das ist der neue Kannibale

Doch genau das ist es, was selbst Größen des Radsports Pogacar zutrauen. „Er sieht aus wie der neue Kannibale“, sagte Eddy Merckx in Anlehnung an seinen eigenen Spitzennamen. Der Belgier hatte zwischen 1969 und 1974 die Tour fünfmal gewonnen. Und wenn nichts passiere, „kann Pogacar die Tour sicherlich mehr als fünf Mal gewinnen“.

Doch es gibt auch kritische Stimmen, die angesichts der Dominanz Zweifel anmelden, ob bei ihm und seinem Team alles mit rechten Dingen zugeht. Zu ihnen gehört Marcel Kittel, der 14 Etappensiege bei der Tour gefeiert und seine Karriere 2019 beendet hatte. „Wie das leider aus der Erfahrung und der Geschichte des Radsports ist, müssen wir jetzt abwarten“ erklärte er und meinte Doping-Täter, die erst nachträglich durch verbesserte Nachweisverfahren überführt worden waren.

Den Generalverdacht könnte Pogacar „nur durch Offenheit und Transparenz loswerden. Und da muss sich das Team, da muss er sich sicherlich auch den Vorwurf gefallen lassen, dass das im Moment nicht der Fall ist“, meinte Kittel. Die Reaktionen, die man in den vergangenen Wochen aus dem Umfeld Pogacars gehört und mitbekommen habe, finde er „altertümlich und nicht standesgemäß für die Zeit jetzt und für die Verantwortung, die der Sport und auch Pogacar“ habe, sagte er. Pogacar sei zwar noch jung, aber auch er müsse sich der Verantwortung und der Vorbildwirkung „für die ganze Sportart“ bewusst sein.

Dicht an der Seite des Tour-Siegers sind UAE-Teamchef Mauro Gianetti und Sportchef Matxin Fernandez. Das kahlköpfige Duo hat eine – gelinde gesagt – bemerkenswerte Doping-Vergangenheit. Seit 2000 wurden zehn von Fernandez betreute Fahrer überführt. Zusammen mit Gianetti leitete er das Team Saunier-Duval, das 2008 für einen der größten Doping-Skandale der Tour-Geschichte sorgte.

Das ist eine der unbeantworteten Fragen. Die andere ist, ob Pogacar die Tour tatsächlich auf Jahre hin dominieren wird, wie nicht nur Merckx vermutet. Obwohl er mit dem größten Vorsprung seit sieben Jahren das Ziel auf den Champs-Élysées erreichte, muss sich der Dominator auf mehr Gegenwehr einstellen.

Ist der Dominator doch nicht unschlagbar?

„Tadej ist nicht unschlagbar“, bekräftigte etwa Jonas Vingegaard. Der Däne zählt zu den Entdeckungen in diesem Jahr, im Gesamtklassement landete er mit 5:20 Minuten Rückstand auf Rang zwei. Immerhin: Im Zeitfahren nahm er Pogacar noch ein paar Sekunden ab, in den Alpen fuhr er dem Mann in Gelb einmal sogar kurzzeitig davon. „Das gibt Selbstvertrauen für die Zukunft“, sagte Vingegaard.

Der 24-Jährige rückte beim Team Jumbo-Visma in vorderste Front, nachdem der eigentliche Pogacar-Herausforderer Primoz Roglic (31) früh aus der Tour ausgestiegen war. Es könnte eine vorgezogene Wachablösung gewesen sein: Nicht unwahrscheinlich, dass Vingegaard im kommenden Jahr, wenn die Tour in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen startet, als Kapitän mit um Gelb kämpfen darf. „Er kann sehr bald die Tour gewinnen“, sagte selbst Pogacar.

Das gilt auch für weitere Fahrer aus der jungen Radsport-Generation, ein Trend ist erkennbar: Bis auf Vuelta-Doppel-Sieger Roglic waren die Sieger der jüngsten sieben großen Rundfahrten maximal 25 Jahre alt.

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Und so werden im kommenden Jahr weitere Herausforderer hinzukommen. Mit Sicherheit etwa das belgische Supertalent Remco Evenepoel (21) oder wieder der frühere Tour-Sieger und aktuelle Giro-Champion Egan Bernal (24). Eventuell der Portugiese Joao Almeida (22) oder erneut „Oldie“ Richard Carapaz (28), der in diesem Jahr Dritter wurde.Tadej Pogacar ist das alles ganz recht. Für ihn ist Radsport ein Spiel. Eines, in dem er derzeit unschlagbar ist. (sid/mit dpa)

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