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Bennett sprintet aus Sagans Schatten

Der Ire holt sich auf der zehnten Tour-Etappe seinen ersten Sieg und entreißt dem Ex-Teamkollegen das Grüne Trikot. Wirbel gibt es um den Chef der Rundfahrt.

Der Ire Sam Bennett (r., Deceuninck -Quick-Step) überfährt als Sieger der 10. Etappe jubelnd die Ziellinie. Links der Slowake Peter Sagan.
Der Ire Sam Bennett (r., Deceuninck -Quick-Step) überfährt als Sieger der 10. Etappe jubelnd die Ziellinie. Links der Slowake Peter Sagan. © dpa/Belga Pool

Saint-Martin-de-Ré. Nachdem sich Sam Bennett seinen sportlichen Lebenstraum erfüllt hatte, wurde selbst der knallharte Sprintstar ganz weich. "Sorry, ich will jetzt echt keine Heulsuse sein", presste der Ire nach seinem ersten Etappensieg bei der Tour de France mit einem Schwall von Tränen hervor: "Aber das hier ist immer mein Ziel gewesen."

Weil der 29 Jahre alte Bennett mit seinem Triumph im windumtosten Finale der zehnten Tour-Etappe auf der Atlantik-Insel Ile de Re auch seinen früheren Teamkollegen Peter Sagan das Grüne Trikot abluchste, war es ein perfekter Tag für den Quick-Step-Sprinter.

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Als es wenige Stunden nach dem großen Corona-Trubel um den positiv getesteten Tour-Direktor Christian Prudhomme auch sportlich zur Sache ging, kämpfte Bennett seinen australischen Rivalen Caleb Ewan (Lotto-Soudal) nieder. Sagan wurde Dritter.

"Man wartet so viele Jahre darauf, diese Chance zu bekommen. Es braucht Zeit, bis ich das realisiert habe. Es ist so eine Erleichterung", sagte Bennett, der in der ersten Tourwoche knapp geschlagen auf die Plätze vier, zwei und drei gesprintet war.

Sechs Jahre lang war Bennett für den deutschen Bora-Rennstall gefahren, doch der setzte im Sprint klar auf den Slowaken Sagan und den deutschen Topspurter Pascal Ackermann, der am Mittwoch seinen zweiten Etappensieg in Folge bei Tirreno-Adriatico feierte.

Dass Bennett nun ausgerechnet gegen sein altes Team seinen größten Coup nach drei Giro- und zwei Vuelta-Etappensiegen feierte, hinterließ Genugtuung. Sagan meinte anerkennend: "Sam hat gezeigt, dass er eine Tour-Etappe gewinnen kann. Wir haben erst die Hälfte hinter uns, es gibt noch einige Chancen, das Grüne Trikot zurückzuerobern."

Handhabt seinen positiven Coronatest „wie jeder Angestellte in Frankreich“: Tour-Renndirektor Christian Prudhomme verlässt die Frankreich-Rundfahrt für acht Tage.
Handhabt seinen positiven Coronatest „wie jeder Angestellte in Frankreich“: Tour-Renndirektor Christian Prudhomme verlässt die Frankreich-Rundfahrt für acht Tage. © Thibault Camus/AP/dpa

Anerkennung gab es auch bei Andre Greipel: Der Routinier, der in der ersten Tour-Woche so leiden musste, sprintete erstmals mit und kam auf einen starken sechsten Platz. "Es war ein kleiner Lichtblick am Ende des Tunnels nach der schweren Zeit vor der heutigen Etappe. Ich bin froh, dass ich mal wieder im Finale mitmischen konnte", sagte der 38-Jährige.

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verteidigte der Slowene Primoz Roglic ohne große Mühe. Emanuel Buchmann rollte mit Rückstand ins Ziel - der in der Pyrenäen schwer geschlagene Bora-Kapitän hatte am Ruhetag seine Klassement-Ambition für hinfällig erklärt.

Am Start auf der Ile d'Oleron hatten am Mittag alle 165 noch im Rennen verbliebenen Fahrer gestanden, auf die Reise schickte sie - nicht Tour-Chef Christian Prudhomme. Dieser war nämlich bereits in Quarantäne, nachdem er am Ruhetag positiv auf eine Corona-Infektion getestet worden war.

Vier Betreuer müssen Toiur nach positiven Tests verlassen

"Das zeigt, dass es auch hier jeden erwischen kann", sagte Sunweb-Profi Nikias Arndt. Bei ihm und allen anderen Fahrern fielen die routinemäßigen Tests - die ersten seit Tourstart - negativ aus, das befürchtete Chaos stellte sich nicht ein. Jedoch mussten insgesamt vier Betreuer nach positiven Befunden die Heimreise antreten.

Beim "Insel-Hopping" sorgte wie befürchtet auch starker Wind für Hektik im Feld. Bei einem der Stürze auf gerader Strecke kamen von den Favoriten der slowenische Laruns-Etappensieger Tadej Pogacar, Siebter des Gesamtklassements, und der drittplatzierte Franzose Guillaume Martin zu Fall.

Auch der Kölner Nils Politt vom Team Israel Start-Up Nation stürzte, danach hielt er sich immer wieder sichtlich unter Schmerzen die Schulter und konnte in der schnellen Schlussphase das Tempo im Feld nicht mehr mitgehen. Wenig später erwischte es auch Debütant Jonas Koch. (sid)

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