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Tour-Sieger Pogacar: Jung und sehr schnell

Der Slowene ist der jüngste Tour-Sieger seit 1904. Mit einer unfassbaren Leistung beim Zeitfahren machte er die Radsportwelt sprachlos. Manche melden Zweifel an.

Toursieger Tadej Pogacar genoss die letzten Meter am Arc de Triomphe vorbei.
Toursieger Tadej Pogacar genoss die letzten Meter am Arc de Triomphe vorbei. ©  dpa

Es war bereits stockdunkel über der Planche des Belles Filles, als Tadej Pogacar in der endlosen Fragerunde nach seiner Wahnsinnsfahrt auf den Tour-Thron sehr nachdenklich wurde. „Ich bin doch nur ein Junge aus Slowenien. Ich habe zwei Schwestern und einen Bruder. Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll“, meinte der 21-Jährige schüchtern, nachdem er die Radsport-Welt aus den Angeln gehoben hatte: „Ich möchte Spaß haben, das Leben genießen, die kleinen Dinge. Schon diese Pressekonferenz ist zu groß für mich.“

Während in den Kneipen der slowenischen Hauptstadt Ljubljana der erste Tour-de-France-Champion der kleinen Alpennation mit reichlich Pivo begossen wurde, wusste der jüngste Sieger der Frankreich-Rundfahrt seit 1904 nicht, wie ihm geschah: „Ich kann es immer noch nicht verstehen, dass ich hier in Gelb sitze. Ehrlich, ich habe dafür keine Worte.“

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Pogacars unerwartetes Meisterstück beim hammerharten Bergzeitfahren an der „Planke der schönen Mädchen“, wo er seinem Landsmann Primoz Roglic den Tour-Sieg entriss, versetzte die Radsport-Welt in Schockstarre. „Er war viel besser als ich, er verdient das so sehr“, sagte der unterlegene Roglic. Eine Erklärung, für Geschehene hatte auch er nicht.

Pogacar schrieb Geschichte, gleich mehrfach, er ist der erste Fahrer überhaupt, der die Trikots in gelb, weiß (bester Jungprofi) und gepunktet (Bergwertung) in einem Jahr gewann. In Paris durfte er obendrein in seinen 22. Geburtstag reinfeiern. Da kann einem jungen Kerl schon mal schwindlig werden.

Der Höhenflug des Senkrechtstarters aus dem Oberkrainer 6.000-Einwohner-Nest Komenda ist atemberaubend. Vor zehn Jahren habe er als Knirps „den ganzen Tag die Tour-Etappen mit Alberto Contador verschlungen und bin sie dann nachgefahren“. Erst seit 2019 ist er Profi beim UAE-Emirates-Team und demütigte nun bei seiner Tour-Premiere Kumpel Roglic auf dessen Lieblingsterrain, nahm ihm fast zwei Minuten ab.

Reihenweise brach Pogacar die Kletterrekorde an den Tour-Anstiegen, sorgte für schieres Erstaunen. „Das war eine der besten Leistungen, die wir jemals im Radsport gesehen haben. Eine unglaubliche Leistung“, schrieb Jahrhundertdoper Lance Armstrong bei Twitter. Pogacar und auch Roglic seien „von einem anderen Planeten“, meinte der Tour-Dritte Richie Porte, die Leistungen der beiden seien „furchteinflößend“ gewesen.

Anderen bereitete Pogacars irrsinniger Zeitfahr-Auftritt Unbehagen. „Er hat Roglic völlig zerstört. Eine unglaublich starke Leistung. Hoffen wir, dass wir uns auch noch in fünf Jahren darüber freuen dürfen“, unkte TV-Experte Jens Voigt am Eurosport-Mikrofon. Pogacar muss sich nicht rechtfertigen, gegen ihn liegen keine Verdächtigungen vor, die ernstzunehmende Grundlagen hätten. Dass seine Leistungen kritisch beäugt werden, damit muss er aufgrund der Doping-Schreckenshistorie im Radsport leben.

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Leben muss er auch damit, dass sein Dasein künftig nicht mehr das bisherige sein wird, dass viel auf ihn, den Jungen aus Slowenien, einprasseln wird. „Die Dinge werden sich für mich verändern. Ich will versuchen, der gleiche zu bleiben“, sagte er. Und noch bevor diese Tour ein Ende gefunden hatte, nahm er sich das nächste Ziel vor: „Jetzt will ich zur WM nach Imola fahren.“ Und wieder alle sprachlos machen. (sid)

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