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Sport

Turnen: Chemnitzer Trainer tritt zurück

In der Affäre um psychische Gewalt am Stützpunkt wurden Vorwürfe gegen den Niederländer neu aufgerollt. Nun löst er seinen Vertrag auf. So reagiert der Verein.

Gerrit Beltman war seit August 2020 zum zweiten Mal als Trainer beim Chemnitzer Turn-Verein angestellt. Nun hat er seinen Vertrag aufgelöst.
Gerrit Beltman war seit August 2020 zum zweiten Mal als Trainer beim Chemnitzer Turn-Verein angestellt. Nun hat er seinen Vertrag aufgelöst. © imago sportfotodienst

Chemnitz. In der Affäre im Chemnitzer Turnen gibt es eine personelle Konsequenz. Sie betrifft allerdings nicht die Trainerin Gabriele Frehse, die von insgesamt 14 ehemaligen Schützlingen um die Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer beschuldigt wird, sie psychisch unter Druck gesetzt und erniedrigt zu haben. Die 60-Jährige ist seit dem im Nachrichtenmagazin Der Spiegel erhobenen Vorwürfen vom Olympiastützpunkt Sachsen freigestellt. Bisher ist nach Informationen der SZ keine Entscheidung gefallen, wie es für sie weitergeht.

Dagegen hat ein anderer Trainer von sich aus um die Auflösung seines Vertrages beim TuS Chemnitz-Altendorf gebeten. Gerrit Beltmann war seit August 2020 zum zweiten Mal bei dem Verein engagiert, für den er bereits von 2014 bis 2016 tätig gewesen ist. Im Zuge der Berichte über Frehse waren auch Verfehlungen des 64 Jahre alten Niederländers thematisiert worden. Beltmann hat einst eingeräumt, bis 2010 als Nationaltrainer in seiner Heimat Turnerinnen geschlagen und gedemütigt zu haben, „um eine Spitzensport-Mentalität zu entwickeln“, wie er unlängst erneut erklärt hat. Heute schäme er sich dafür.

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Wegen der nun erneut öffentlich geführten Diskussion um seine Person, zieht sich Beltmann zurück. TuS-Präsident Frank Munzer dankt ihm für seine „tadelsfreie und qualitativ hochwertige Arbeit, die zu keinem Zeitpunkt seiner Tätigkeit in Chemnitz Anlass zu Kritik gegeben hat“. Zugleich verweist er in einer vom Internetportal gymmedia.de veröffentlichten Erklärung auf die „ prekäre Trainersituation“. Diese werde „nach der unserer Auffassung nach rechtlich nicht zu vertretenden Freistellung unserer Trainerin Gabriele Frehse noch mehr verschlimmert“.

Turnerinnen mit guten Olympia-Chancen

Vom Deutschen Turnerbund, der nach einem von einer Anwaltskanzlei erstellten Gutachten die Entlassung von Beltmann und Frehse fordert, erwartet Munzer, dass er den Verein „bei der Besetzung der vakanten Trainerstellen nicht nur mit temporären Lippenbekenntnissen, sondern zeitnahen und mit wirksamen Aktivitäten“ unterstützt. Es reiche für einen qualitativ hochwertigen Ausbildungsprozess nicht aus, zeitweise Bundestrainerinnen wie die für den Nachwuchs verantwortliche Claudia Schunck nach Chemnitz zu delegieren.

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An dem Bundesstützpunkt trainieren mit Sophie Scheder, die bei den Spielen in Rio de Janeiro 2016 Bronze gewonnen hat, sowie der 17-jährigen Lisa Zimmermann zwei Athletinnen, die Chancen auf eine Olympia-Teilnahme 2021 in Tokio haben. Die Eltern der aktiven Turnerinnen hatten sich für den Verbleib von Frehse und Beltmann eingesetzt.

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