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Die Aufarbeitung in der Chemnitzer Turnaffäre

Die beschuldigte Trainerin ist vorläufig freigestellt, eine Kommission prüft die Vorwürfe – so geht es jetzt weiter.

2017 wurde Pauline Schäfer nach ihrem WM-Gold zur Sportlerin des Jahres in Sachsen gewählt. Jetzt erhebt sie schwere Vorwürfe gegen ihre frühere Trainerin.
2017 wurde Pauline Schäfer nach ihrem WM-Gold zur Sportlerin des Jahres in Sachsen gewählt. Jetzt erhebt sie schwere Vorwürfe gegen ihre frühere Trainerin. © Foto: Ronald Bonß

Chemnitz. Es sei ein schwerer Gang jedes Mal, hat Pauline Schäfer dem Magazin Der Spiegel gesagt. Wenn sie und ihre Schwester Helene am Stufenbarren trainieren wollen, müssen sie in Chemnitz in die andere Halle, dorthin also, wo die Turnerinnen nach eigener Aussage unter ihrer ehemaligen Trainerin gelitten haben. Gabriele Frehse hat sich gegen die bislang von insgesamt 14 ihrer früheren Schützlinge erhobenen Vorwürfe im Interview mit der SZ verwahrt.

Dennoch ist die 62-Jährige vom Olympiastützpunkt Chemnitz, bei dem sie angestellt ist, freigestellt worden – bis zur Klärung des Sachverhalts durch eine unabhängige Kommission. Das erfolgt in Absprache mit dem Deutschen Turnerbund (DTB), der die Trainerin vorerst nicht zu Lehrgängen oder Wettkämpfen einladen wird. „Dies dient dem Schutz aller Beteiligten“, erklärte DTB-Präsident Alfons Hölzl. „Zum laufenden Prozess und der Aufarbeitung“ werde der Verband jedoch keine weiteren Informationen mitteilen, „um ebendiesen nicht zu beeinflussen oder gar zu gefährden“, heißt es auf Nachfrage.

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Am 11. November 2017 turnten Pauline Schäfer (l.) und ihre Schwester Helene beim letzten Wettkampftag der Bundesliga im Turnen in Dresden.
Am 11. November 2017 turnten Pauline Schäfer (l.) und ihre Schwester Helene beim letzten Wettkampftag der Bundesliga im Turnen in Dresden. © Foto: Matthias Rietschel

Nach Informationen von Sächsische.de soll es umfangreiche Befragungen von Sportlern, Trainern, Betreuern und Verantwortlichen geben. Frank Munzer, Präsident des TuS 1861 Chemnitz-Altendorf, für den Frehse seit rund 30 Jahren tätig ist, wurde bereits angefragt, ob er sich äußern möchte. „Selbstverständlich, uns ist extrem viel daran gelegen, dass die Vorwürfe aufgeklärt werden“, sagte er, nachdem sich alle Eltern und Erziehungsberechtigten der derzeit im Verein trainierenden 24 Leistungsturnerinnen sowie die 13 Trainer und Mitarbeiter in einer Stellungnahme klar zur Cheftrainerin bekannt hatten.

Ob und wann Frehse in die Turnhalle zurückkehren kann, hängt vom Ergebnis der Untersuchungen ab. Die angekündigte neutrale Aufarbeitung der Sachverhalte könne bis zu Beginn des nächsten Jahres dauern, erklärt der DTB.

Frehse hatte sich nach der EM 2018 von der einstigen Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer getrennt. Seitdem trainiert die 23-Jährige in der Halle gegenüber beim KTV Chemnitz, einem Stützpunkt für Jungen und Männer. Auch ihre gut drei Jahre jüngere Schwester, die ihr 2013 aus Saarbrücken nach Sachsen gefolgt war, wechselte Verein und Trainer. Beim KTV werden sie von Kay-Uwe Themme betreut. „Sie sind problemlos in unseren Verein integriert worden“, sagt Hans Müller, Geschäftsführer des KTV. „Sie können sich hier in Ruhe und in Abstimmung mit Bundestrainerin Ulla Koch auf ihre sportlichen Höhepunkte vorbereiten.“

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Es wäre ein Traum, gemeinsam bei Olympia in Tokio zu starten, hatte Pauline Schäfer nach dem Gewinn ihrer Goldmedaille bei der WM 2017 in Montreal gesagt. Für dieses Ziel müssen sie derzeit aber noch zurück in die alte Halle. „Sie haben dort feste Trainingszeiten, sodass sie intensiv arbeiten können“, betont Müller. Eigentlich sollte der Anbau an der Halle des KTV bereits im Mai fertig sein, nun wird es voraussichtlich im Januar. Dann wird dort auch ein Stufenbarren stehen – und den Schwestern bleibt der für sie schwere Gang erspart.

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