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Chemnitz hebt Hallenverbot gegen Frehse auf

Die Kündigung wurde für unwirksam erklärt, jetzt darf die Trainerin die Turnhallen auch wieder betreten. Was der Oberbürgermeister außerdem fordert.

Die Turn-Trainerin Gabriele Frehse hat erfolgreich gegen ihre Kündigung geklagt. Nun reagiert auch die Stadt Chemnitz.
Die Turn-Trainerin Gabriele Frehse hat erfolgreich gegen ihre Kündigung geklagt. Nun reagiert auch die Stadt Chemnitz. © dpa-Zentralbild

Chemnitz. Der nächste Erfolg für die Turn-Trainerin Gabriele Frehse: Die Stadt Chemnitz wird das Hallenverbot, das sie im Mai überraschend ausgesprochen hatte, zum nächsten Montag, dem 11. Oktober, aufheben. Das erklärte Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) am Dienstagmittag bei einem Pressegespräch. „Die Stadt hat immer betont, dass man den Ausgang des Arbeitsgerichtsverfahrens abwarten will. Das Urteil vom Freitag schafft bis auf Weiteres Fakten“, heißt es in einem schriftlichen Statement.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) akzeptiert das Urteil im „Fall Frehse“ dagegen bislang nicht. Das Arbeitsgericht in Chemnitz hatte am Freitag in erster Instanz entschieden, dass die vom Olympiastützpunkt Sachsen (OSP) zum 30. April ausgesprochene außerordentliche Kündigung unwirksam ist, Frehse muss demnach weiter als Trainerin der Turnerinnen am Bundesstützpunkt beschäftigt werden. Sie dürfe nicht gegen ihren Willen freigestellt werden, bis das Verfahren in letzter Instanz abgeschlossen ist, erklärte ein Gerichtssprecher. Der OSP als Arbeitgeber kann der Entscheidung innerhalb von 14 Tagen widersprechen. Ob er diese Möglichkeit wahrnimmt, hatte Vorstandsvorsitzender Christian Dahms zunächst offengelassen.

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Der DTB, der die Fachaufsicht in diesem komplizierten Konstrukt hat, teilte bereits mit, dass es für eine abschließende Bewertung des Urteils zu früh sei, weil die schriftliche Begründung noch nicht vorliege. In einem Statement des Verbandes heißt es aber auch: „Nichtsdestotrotz wird der Deutsche Turner-Bund den OSP Sachsen bitten, gegen dieses erstinstanzliche Urteil Berufung einzulegen und die bestehenden juristischen Mittel auszuschöpfen.“ Für den DTB gelte unvermindert, „dass eine Rückkehr von Frau Frehse an den Bundesstützpunkt Turnen ausgeschlossen ist“.

Richter sieht keinen dringenden Tatverdacht

Ende 2020 hatten mehrere ehemalige Turnerinnen um die Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer über das Magazin Der Spiegel Frehse beschuldigt, sie schikaniert und gedemütigt zu haben. Eine vom DTB in Auftrag gegebene Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei in Frankfurt am Main ergab laut Abschlussbericht „in 17 Fällen hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Anwendung psychischer Gewalt durch die Trainerin“. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen des Verdachts auf Körperverletzung durch die Abgabe des Opioids Tilidin in einem Fall.

In Auswertung der Untersuchung, für die laut Angaben der Kanzlei 32 Interviews geführt und ein 800 Seiten umfassendes Protokoll angefertigt wurden, forderte der Verband bereits im Januar „die vollständige Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Frau Frehse durch den Olympiastützpunkt Sachsen, bei dem sie angestellt ist“. Vom OSP wurde die 61 Jahre alte Trainerin zunächst freigestellt und zum 30. April außerordentlich gekündigt. Richter Hilmar Toelle, dem ein in großen Teilen geschwärzter Bericht vorlag, konnte jedoch keinen dringenden Tatverdacht erkennen, für eine Verdachtskündigung fehlten demzufolge die Voraussetzungen.

Der Oberbürgermeister fordert nun alle Beteiligten zu einem intensiven Dialog auf. Dieser müsse „das Wohl und Interesse der Sportlerinnen im Blick haben“, heißt es aus dem Rathaus. „Das von mehreren Seiten geforderte Mediationsverfahren ist aus Sicht der Stadt notwendiger denn je, um einen zukunftsfähigen Bundesstützpunkt in Chemnitz langfristig zu erhalten und auszubauen. Drohgebärden sind dabei nicht der richtige Weg.“ Der DTB hatte ein solches Mediationsverfahren abgelehnt. Aus Sicht der Stadt sei es nun am Verband, sportfachlich zu klären, wie es am Bundesstützpunkt weitergehen wird, damit die Turnerinnen dort dauerhaft adäquat betreut werden, heißt es in der Erklärung von OB Schulze.

OB fordert: Frehse muss zur Lösung beitragen

Er fordert gleichzeitig Frehse auf, ihren Teil zur Lösung beizutragen. „Wenn ihr – wie mehrfach kommuniziert – das Wohl der Sportlerinnen und damit konkludent auch die langfristige Entwicklung des Turnstandortes Chemnitz wirklich am Herzen liegt, ist es an der Zeit, eigene Interessen hintenanzustellen und den Weg der Verständigung zu beschreiten.“

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Wie das konkret aussehen könnte, bleibt offen. Frehse hatte sich mit dem OSP außergerichtlich eigentlich bereits auf die Konditionen geeinigt, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Nachträglich seien aber zwei wesentliche Punkte konterkariert wurden: Die für den TuS Chemnitz-Altendorf reservierten Hallenzeiten, in denen sie im Auftrag des Vereins hätte mit einzelnen Sportlerinnen arbeiten können, wurden durch den Bundesstützpunkt belegt. Und die Ehrenerklärung, die der Arbeitgeber ausstellen wollte, sollte sie öffentlich nicht verwenden dürfen. Daraufhin ließen Frehse und ihr Anwalt die Einigung platzen und waren mit der Kündigungsschutzklage erfolgreich.

Jetzt steht erneut ein Gespräch zwischen der Trainerin und dem OSP als Arbeitgeber an.

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