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Sport

Wenn Kinder beim Turnen weinen

Fabian Hambüchen meldet sich in der Debatte zu Wort – und fühlt sich hin- und hergerissen. Auch zum Fall Chemnitz hat der Olympiasieger was zu sagen.

Wurde vom Turn-Weltverband gebeten, über eigene Erfahrungen zu berichten: Fabian Hambüchen.
Wurde vom Turn-Weltverband gebeten, über eigene Erfahrungen zu berichten: Fabian Hambüchen. © Archiv/dpa/Arne Dedert

Fellbach. Olympiasieger Fabian Hambüchen hält die Probleme im Turnen beim Umgang zwischen Verantwortlichen und Schützlingen für größer als gedacht. Er habe das Ausmaß wirklich nicht geahnt, sagte der 33-Jährige im Interview der Zeitung Welt am Sonntag. Man habe von teilweise rabiatem Umgang in Ländern wie China und Russland gewusst, aber nicht vom riesigen Missbrauchsskandal in den USA, fügte der Reck-Olympiasieger von 2016 hinzu.

Angesprochen auf die jüngsten Vorwürfe deutscher Turnerinnen am Olympiastützpunkt Chemnitz sprach der einst von seinem Vater trainierte Hambüchen von einem sehr schmalen Grat. „Die Zeiten haben sich ja auch geändert; was früher okay war, ist es heute längst nicht mehr. Was richtig ist. Das geht allerdings manchmal auch so weit, dass du jemanden nur zu zwicken brauchst, und schon hast du eine Anzeige am Hals“, sagte Hambüchen.

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Er fügte hinzu: „Ich sage mal provokativ: Es ist eine gewisse Verweichlichung der Jugend, die ich sehe. Wenn du einfach mal mit den Kindern ein ernstes Wörtchen redest, überschreitet das für mich keine Grenze. Es geht ganz klar nicht darum, dass man jemanden mal härter anpackt – also jetzt natürlich nicht im körperlichen Sinne.“

Vom Weltverband gebeten

Die Frage sei, was als Vergehen definiert werde, sagte Hambüchen. Er fragte, ob es reiche, dass die Trainer die Mädchen auf die Waage stellten und ihnen dazu sagten: „Du bist zu fett“. Am Ende sei einerseits jeder Sportler selbst dafür verantwortlich, was er damit mache. „Aber natürlich muss man andererseits sagen: Vor allem als junger Sportler hast du nicht den Mut, etwas zu sagen oder zu widersprechen. Im ersten Moment wissen viele Betroffene sicher auch gar nicht, was der Trainer da psychisch mit ihnen anstellt – das kommt oft erst im Nachhinein.“

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All das Dehnen, bis man mal einen Spagat schaffe, tue einfach weh. „Das kann man nicht schönreden, und ja: Kinder weinen dabei auch. Da musst du als Trainer enorm aufpassen“, sagt Hambüchen, der vom Weltverband gebeten wurde, über eigene Erfahrungen zu berichten. (dpa)

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