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Sie legt sich auch mal mit dem Trainer an

Ehrgeizig, professionell, meinungsstark: Lena Stigrot ist neuer Kapitän bei den Dresdner Volleyball-Frauen – eine Frau, die keinem Streit aus dem Weg geht.

Lena Stigrot führt die Volleyballerinen des Dresdner SC als Kapitän. Dabei hält sie sich auch mit Kritik nicht zurück.
Lena Stigrot führt die Volleyballerinen des Dresdner SC als Kapitän. Dabei hält sie sich auch mit Kritik nicht zurück. © Ronald Bonß

Dresden. Manche mögen das kleinlich finden, andere perfektionistisch. Lena Stigrot findet selbst in einer Suppe, die gut schmeckt, meist ein Haar. Besser geht immer. Was für die Volleyball-Frauen des Dresdner SC in dieser Saison bedeutet, dass sich Zufriedenheit kaum einstellen wird. Die 25-Jährige ist die neue Spielführerin beim Pokalsieger und nimmt auch in sportlich weniger angenehmen Phasen kein Blatt vor den Mund, spricht Missstände klar an.

Was allerdings eng an ihre sportlichen Fähigkeiten geknüpft ist. Die Spielerin aus Oberbayern hat sich vor ihrer dritten Saison für den DSC gewissermaßen unverzichtbar gemacht, obwohl sie nicht immer erste Wahl im Team von Alexander Waibl gewesen ist. Stigrot hat für ihre Position einen kleinen Nachteil: ihre Größe. Mit ihren 1,83 Metern ist sie für eine Außenangreiferin auf Top-Niveau eher zu klein. Doch sie hat es verstanden, verbissen und hochprofessionell zu arbeiten, um das durch andere Stärken auszugleichen: mit einer herausragenden Athletik und Physis. Sehr wahrscheinlich ist sie in dieser Hinsicht die Dresdnerin mit den besten Werten. „Ich fühle mich topfit, so gut habe ich mich noch nie gefühlt – ein großes Lob an unseren Athletiktrainer“, sagt Stigrot.

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Trotzdem ist sie nicht allein deshalb in dieser Saison neuer Kapitän beim DSC, nachdem sie die Aufgabe in der Vorsaison bereits interimsmäßig ausgeübt hatte, als Mareen von Römer länger krank war. Sie war das DSC-Gesicht des vergangenen Jahrzehnts, hat aber im April ihre Karriere beendet. Sie hebt vor allem die soziale Kompetenz von Stigrot hervor. „Lena ist eine sehr strukturierte Frau und Sportlerin. Kommunikation ist ihr ebenso wichtig, wie gemeinsame Aktivitäten der Mädels außerhalb der Halle“, sagt von Römer.

Mareen von Römer hebt vor allem die soziale Kompetenz ihrer Nachfolgerin Lena Stigrot hervor.
Mareen von Römer hebt vor allem die soziale Kompetenz ihrer Nachfolgerin Lena Stigrot hervor. © Thomas Kretschel

Ihre Nachfolgerin soll sich bei solchen Team-Abenden den Ruf einer exzellenten Köchin erarbeitet haben. Auch Zusammenhalt geht offenbar durch den Magen. „Ich koche gern gesund und vegetarisch, probiere viele Variationen mit Gemüse, Zoodles, manchmal aufwendigere Sachen“, sagt Stigrot. Wenn sich die Familie aus Bayern ankündigt, gibt es auch Kaiserschmarrn.

Für die Hobby-Köchin, die im Fernstudiengang internationales Management studiert, kommt die verantwortungsvolle Position in der Mannschaft persönlich genau zur richtigen Zeit. „Ich bin an einem Punkt, an dem ich weiß, was ich kann. Dadurch kann ich selbstbewusster auftreten, das macht das Spiel einfacher“, sagt sie und merkt im selben Atemzug an, was ihr momentan an ihr selbst noch nicht so richtig passt: „Ich hätte gern einen etwas effektiveren und effizienteren Angriff.“ Dabei war sie beim ersten Saisonsieg in Suhl mit 17 Zählern punktbeste Dresdnerin, gemeinsam mit Maja Storck. Am Samstag, 17.30 Uhr, schlagen sie nun gegen Münster zum ersten Heimspiel in der Margon-Arena auf, allerdings wegen der Corona-Lage nur vor 150 eingeladenen Gästen.

DSC-Trainer Alexander Waibl hält große Stücke auf Stigrot. „Ich muss eine zum Kapitän machen, bei der ich das Gefühl habe, sie wird unserem Verein, den Erwartungen und Aufgaben gerecht“, sagt er. Bei seiner Wahl hat er Meinungen aus der Mannschaft einfließen lassen. Dabei verhehlt der 52-Jährige nicht, mit Stigrot einige heftigere Auseinandersetzungen geführt zu haben. Diesen reibungsintensiven Austausch begreift der Chefcoach aber als förderlich. „Für mich ist das eine wichtige Voraussetzung“, bestätigt Waibl. „Mit ihr kann ich ehrlich und direkt sprechen. Sie sagt mir, wenn ihr etwas nicht passt – und ich ihr.“

Trainer Alexander Waibl hält große Stücke auf seine Spielführerin.
Trainer Alexander Waibl hält große Stücke auf seine Spielführerin. © Jürgen Lösel

Über welche Details die beiden gestritten haben, will Stigrot nicht verraten. „Das bleibt intern – und unter Verschluss“, sagt sie professionell, ehe ihr Trainer verdeutlicht: „Wenn man erfolgreich zusammenarbeitet, gibt es immer Phasen, in denen man diskutiert. Ich kann gewisse Prozesse ja nicht autark von außen steuern.“

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Zum Beispiel, wie die Mannschaft mit der Corona-Lage umgeht. „Wir haben an uns selbst die Verantwortung, dass wir nicht dauernd Orte aufsuchen, wo viele Menschen sind“, sagt Stigrot. „Es kommt uns auch zugute, dass wir hier alle weitestgehend allein leben. Die Wenigsten haben hier ihre Familie und ihren Freundeskreis“, erklärt sie. Auch sie wohnt allein, führt seit ihrem DSC-Engagement eine Fernbeziehung mit Freund Andreas Goderbauer, der die gemeinsame Wohnung in Landshut in Schuss hält. Er hat seine Basketball-Karriere runtergeschraubt, deshalb kann er seine Freizeit flexibler gestalten und ist häufiger in Dresden. Speziell nach Niederlagen baut er seine Partnerin auf. „Dann sagt er: Es ist nur Volleyball, einfach nur ein Spiel“, erzählt Stigrot. Ihr Anspruch ist freilich, dass sie diesen Satz nicht so häufig hört.

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