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Vorhang auf: Die Beste bleibt in Dresden

Seit Februar schon ist die Vertragsverlängerung der DSC-Volleyballer mit Maja Storck perfekt. Nun verrät sie, wieso das so lang geheim blieb.

Maja Storck läuft weiter für Dresden ein und auf. Die Angebote aus dem Ausland schlug die Schweizerin aus.
Maja Storck läuft weiter für Dresden ein und auf. Die Angebote aus dem Ausland schlug die Schweizerin aus. © Lutz Hentschel

Dresden. Volleyball ist ein Teamsport, doch Maja Storck könnte, rein statistisch zumindest, als Alleinunterhalterin durchgehen. 521 Punkte hat sie in der abgelaufenen Saison für den neuen deutschen Meister Dresdner SC erzielt und damit entscheidenden Anteil am Titel. 521 Punkte – das sind knapp 21 Volleyball-Sätze, also sieben 3:0-Siege. „Es ist der komplette Wahnsinn, was Maja diese Saison gemacht hat, vor allem in der Finalserie. Ich bin absolut stolz auf sie“, sagt Mitspielerin Jennifer Janiska.

Doch Storck versteht sich ganz und gar nicht als Solistin. Nur inmitten der sich so stark entwickelnden Mannschaft hat die Schweizer Nationalspielerin ihre Stärken zeigen können – und ist auch selbst besser geworden, wie sie meint. „Man hat ja gemerkt, ich habe mich hier echt wohlgefühlt. Ich konnte mich in dieser Saison viel entwickeln. Und“, betont Storck, „wir haben uns im Team viel erarbeitet.“

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Die Wärme, das Wohlgefühl, mit der man sie beim DSC umgibt, sind schließlich die wichtigsten Details, weshalb die 22-jährige Angreiferin ihren auslaufenden Vertrag in Dresden um eine Saison verlängert hat – trotz etlicher Anfragen auch aus dem Ausland. Von welchen Vereinen konkret, will Storck indes lieber für sich behalten.

Für sie stand jedenfalls schon vor dem Einzug ins Play-off-Finale fest, dass sie in Dresden bleibt. „Ich möchte von dem Team, der professionellen Arbeit, dem Umfeld profitieren. Deshalb habe ich mich schon für den DSC entschieden, bevor klar war, dass wir jetzt in der Champions League spielen. Ich bin hier noch nicht fertig, möchte mich weiter verbessern“, erklärt die Frau, die den DSC erst zum Meisterkandidaten gemacht hat.

Bereits bei ihren vorherigen Vereinen erzielte die Schweizerin die meisten Punkte. Für nichts anderes ist sie als Angreiferin zuständig. Dazugelernt hat sie in der Mannschaft von Trainer Alexander Waibl, der sein Team im Finale in Meisterform gebracht hat, allerdings jede Menge. „Es ist schon beeindruckend, dass wir hier mit drei Trainern und einem Physio komplett versorgt waren. Da bekommst du so viele Inputs. Das hat mich und auch uns als Team athletisch extrem vorwärtsgebracht“, sagt Storck und stellt fest: „Wir waren physisch unglaublich bereit für diese Saison. Auch die taktische Vorbereitung war auf einem anderen Level, als ich es bisher gewohnt war.“

Dass sie beim DSC in dieser Saison ein wichtiger Faktor im 14-köpfigen Team werden soll, hat Storck wohl geahnt, dass sie als Neuzugang gleich zur Führungsspielerin reifen würde, überrascht die Studentin für Ernährungswissenschaft aber selbst ein wenig. „Ich habe in diesem Jahr gelernt, dass ich so ein Typ sein kann, sein möchte. Ich bin sehr ehrgeizig, auch bei Gesellschaftsspielen – da können Sie gern bei den Mädels rumfragen“, erzählt sie lachend.

Vor Play-off-Heimspielen gibt es immer das gleiche Essen

Verlieren konnte Storck noch nie gut und gern sowieso nicht. Nun aber fordert sie regelmäßig den Ball, um entscheidende Aktionen herbeizuführen. „Ich habe in Dresden etwas gebraucht, bis ich in die Rolle gewachsen bin, bis ich sie annehmen konnte“, sagt die mit 1,83 Metern Körperlänge vergleichsweise kleine Volleyballerin, die zudem vom psychologischen Geschick ihres Trainers profitiert hat. „Ich akzeptiere, dass ich die Punkte machen muss. Dass es da passiert, dass ich einen Ball weghaue, gehört dazu. Alex hat mir klar gezeigt, dass es völlig in Ordnung ist, ins Risiko zu gehen“, sagt Storck.

In puncto Öffentlichkeitsarbeit war der DSC im Vergleich zum Finalkontrahenten Stuttgart aber defensiv. Während der Gegner in den Play-offs drei Vertragsverlängerungen als Signale einstreute, unter anderem mit Superstar Krystal Rivers, hielt der DSC die bereits seit Februar feststehende Einigung mit Storck bis nach dem Titelgewinn geheim. „Alex hat mich nach dem zweiten Finalspiel gefragt, ob wir die Verlängerung veröffentlichen wollen. Mir war das nicht so lieb. Ich wollte den vollen Fokus auf diese Finalserie lenken. Ich wollte, dass es nicht um mich geht, sondern ums Team“, sagt Storck und verrät ihre Play-off-Rituale: immer der gleiche Nagellack und vor Heimspielen immer das gleiche Essen.

Ihre Mutter hatte beim Besuch über Ostern zwei Portionen ihres Lieblingsessens vorgekocht: Rahmschnitzeli, also kleine Schweinesteaks mit einer ganz speziellen Soße nach einem Familien-Geheimrezept. „Vorm letzten Spiel war alles aufgebraucht. Da war ich kurz gestresst“, erzählt Storck. An fünf Spiele hatte offenbar keiner geglaubt. Eine Lasagne hatte dann aber auch den gewünschten Effekt – und der DSC sicherte sich mit 3:2-Siegen den Titel.

Storcks Stellenwert für die Mannschaft zeigt sich auch in einer individuellen Ehrung: Sie wurde als wertvollste Spielerin der Bundesliga-Saison ausgezeichnet – und fühlt sich als Teamplayer nicht ganz wohl damit, was vor allem am Modus liegt: Die gegnerischen Trainer legen sich kurz nach dem jeweiligen Spiel auf die beste Spielerin des Gegners fest, und das oft anhand der erzielten Punkte.

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Klar, dass dann meistens der Name Storck fällt. „Ich verstehe, dass das so gehandhabt wird. Aber ich habe mich beispielsweise so gefreut, als Lenka (Libero Lenka Dürr/Anm. d. R.) das erste Mal gewählt wurde. Das sieht man eben nicht auf dem Punktezettel. Man muss nicht die mit den meisten Punkten sein, um die beste Spielerin gewesen zu sein. Ich kann es leider nicht beeinflussen. Die Auszeichnung ist cool – das reicht aber auch, glaube ich.“

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