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Dresdner gelingt Sensation beim Weltcup

Wasserspringer Martin Wolfram wird in Tokio Erster - und das nach langen Pausen und vielen Verletzungen, die ihn sogar zwangen, die Disziplin zu wechseln.

Mit seinen eleganten Sprüngen überzeugte Martin Wolfram in Tokio.
Mit seinen eleganten Sprüngen überzeugte Martin Wolfram in Tokio. © Foto: dpa/Hiro Komae

So richtig glauben konnte er es selbst dann nicht, als es schon längst feststand. Martin Wolfram schüttelte immer wieder den Kopf, als er bei der Siegerehrung seinen Namen hörte und zum Podium schritt. Dann ballte er seine Fäuste und sprang auf die oberste Stufe. Beim Weltcup in der Olympiastadt Tokio gewann der 29-Jährige am Donnerstag die Konkurrenz vom Dreimeter-Brett - und das mit neuer persönlicher Bestleistung. Das Ticket für die Spiele in Japan, die in knapp drei Monaten beginnen, hatte er bereits mit dem Einzug ins Halbfinale am Mittwoch gebucht.

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"Ich habe schon nach dem Vorkampf geweint, weil ich mich so gefreut hatte, dass ich mich für den ganzen Aufwand der letzten Monate und Jahre belohnen konnte", erklärte er. "Auch zu sehen, wie andere sich für mich freuen nach all meinen Rückschlägen, berührt mich sehr." Zu den ersten Gratulanten gehörte Bundestrainer Lutz Buschkow. "Das war eine super Leistung. Er hat eine sehr stabile Serie gezeigt und auch bei den schwierigen Sprüngen kaum Fehler gemacht. Damit hat er der Konkurrenz den Nerv gezogen“, lobte er den Athletensprecher. Wie außergewöhnlich so ein Weltcup-Sieg für deutsche Wasserspringer ist, zeigt ein Blick zurück. Zuletzt hatten 2016 Patrick Hausding und Stephan Feck vom Brett sowie Hausding und Sascha Klein vom Turm jeweils die Synchronwettbewerbe gewannen. Das ist also fünf Jahre her.

Mit dem Erfolg ist Wolfram nun auch ein Medaillenkandidaten bei den in der nächsten Woche beginnenden Europameisterschaften in Budapest - sowie bei den Olympischen Spielen Ende Juli. „Das war eine ganz starke Leistung“, lobte auch Hausding, der in dieser Disziplin 2016 Olympia-Bronze gewonnen hatte.

Die Dresdner Wasserspringer werden als Duo zu den Spielen nach Tokio reisen. Zuvor hatte sich bereits Tina Punzel, die im Sommer gleich in drei Disziplinen antreten wird, qualifiziert. Zwar wurden beim Weltcup nur die Quotenplätze für die einzelnen Nationen vergeben, doch die Nominierung nach den deutschen Meisterschaften Anfang Juni in Berlin durch Bundestrainer Lutz Buschkow ist nicht nur im Fall Wolfram reine Formsache.

Martin Wolfram hat allen Grund, sich zu freuen: Beim Weltcup in Tokio löste er sein Olympia-Ticket.
Martin Wolfram hat allen Grund, sich zu freuen: Beim Weltcup in Tokio löste er sein Olympia-Ticket. © Foto: Photoarena/Thomas Eisenhuth

Für Wolfram sind es bereits die dritten Olympischen Spiele. 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro stand er jeweils im Finale vom Zehn-Meter-Turm. Doch nach vier Schulteroperationen war die Verletzungsgefahr beim Eintauchen zu groß geworden, deshalb stieg er hinunter aufs Dreimeter-Brett. Vor allem angesichts dieser Pechsträhne, den vielen Pausen und der neuen Disziplin ist der Sieg bei seinem Comeback mehr als bemerkenswert. „Gerade wenn man bedenkt, dass mein letzter Wettkampf im Dezember 2019 war. Dann kam die ausgekugelte Schulter im Januar 2020 - da wusste ich wirklich nicht, ob ich es schaffe“, sagte Wolfram, der auf jeden Fall zu den Sportlern gehört, die von der Olympia-Verschiebung um ein Jahr profitieren konnten.

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Qualifizieren für Tokio konnte sich auch die Berlinerin Lena Hentschel, die mit Punzel im Synchron-Wettbewerb vom Brett starten wird. Die 20-Jährige trainiert in Dresden, startet aber weiter für den Berliner TSC. Vom Turm schaffte es zudem Timo Barthel. Der Aachener trainierte jahrelang in Dresden, ist inzwischen jedoch nach Halle/Saale umgezogen. Saskia Oettinghaus scheiterte vom Dreimeter-Brett dagegen, sie wurde im Vorkampf lediglich 40.

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