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„Besser hätte es für uns nicht laufen können“

Bob-Rekordweltmeister Francesco Friedrich aus Pirna zieht Bilanz und sagt, was bei Olympia 2022 in Peking drin ist. Ein Gespräch nach einer besonderen Saison.

Der 30-jährige Pirnaer Francesco Friedrich ist elffacher Weltmeister.
Der 30-jährige Pirnaer Francesco Friedrich ist elffacher Weltmeister. © Ronald Bonß

Herr Friedrich, wissen Sie, was heute in einem Jahr ist?

Ja, dann ist Olympia. Wenn ich richtig liege, müsste an dem Wochenende in einem Jahr das Vierer-Rennen sein. Aber ehrlich gesagt, daran denke ich gerade gar nicht, sondern versuche, runterzukommen und zu entspannen. Ich habe diese Woche gemerkt, wie anstrengend die Saison war. Ich bin ziemlich müde und muss erst mal wieder in einen normalen Rhythmus finden.

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Vergangenen Sonntag haben Sie in Altenberg Ihren elften WM-Titel eingefahren. Ist jetzt kurz Zeit zum Genießen?

Das schon, doch es fühlt sich nicht anders an. Ich bin zu Hause und verbringe Zeit mit meiner Frau und unseren zwei Kindern, darauf habe ich mich gefreut. Wir versuchen gerade, unseren Jüngsten in der Kita einzugewöhnen. Das ist in dieser Zeit gar nicht so einfach, aber auch das kriegen wir hin.

Stichwort hinkriegen. Diese Saison war eine besondere wegen Corona, aber auch sportlich. Sie haben bis auf einen Weltcup immer gewonnen und die WM dominiert. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Erst mal können wir froh sein, dass wir ohne Corona-Fall durchgekommen sind. Da können wir uns wirklich glücklich schätzen. Schwein gehabt … Besser hätte es für uns, aber auch die Sponsoren nicht laufen können. Bis auf die eine Ausnahme: Den einen Sieg, den ich Hansi abgegeben habe (er meint Johannes Lochner, der den Weltcup in Innsbruck gewann, Anm. d. Red.). Im Nachhinein ärgert mich das schon, andererseits ist es auch nicht schlimm.

Was wissen Sie denn schon von der neuen Olympia-Bahn in Peking?

Nicht viel, ehrlich gesagt. Die Kurven sind offen und langgezogen, auch die Bahn ist mit 1.600 Metern sehr lang. Ein paar Videos habe ich gesehen, doch das hat nichts damit zu tun, wie es sich vor Ort darstellt. Normalerweise wäre ich vergangenen Oktober dort schon mal gefahren und jetzt im März wieder. Doch wegen Corona finden die ersten internationalen Trainingswochen erst dieses Jahr im Oktober statt. Wir müssen dann 46 Fahrten in drei Wochen am Stück durchziehen. Danach wird es keine weiteren Testtage geben. Das heißt, wir müssen dann bei Olympia mit den jeweils sechs Trainingsläufen im Zweier und Vierer klarkommen.

Bundestrainer René Spies bezeichnet es als unfair. Was meinen Sie, reicht das an Vorbereitung für eine neue Bahn?

Das muss man sehen. Das Problem jetzt ist, dass wir aufgrund fehlender Vor-Ort-Kenntnisse kein Material entwickeln können, das aber trifft alle – außer die Chinesen selbst. Ich glaube, es wird eher eine mentale Geschichte. Wir müssen uns sofort mit der Bahn anfreunden und können nach dem Kennenlernen die ersten Eindrücke nicht noch mal verarbeiten. Dazu kommt, dass die Testwochen am Anfang der Saison stehen. Davor sind wir erst maximal eine Woche Bob gefahren und müssen in Peking alles vorbereitet und parat haben, was wir testen wollen. Die Container werden dann voll mit Material sein. Ich bin gespannt. Manchmal reichen ja schon zehn, 15 Fahrten, dann hat man die Bahn drin.

Wie geht es für Sie jetzt weiter?

Nächste Woche bin ich zwei Tage für Tests am Königssee und dann im März für gut eine Woche in La Plagne. Die Saison ist aber durch, ich trainiere nicht mehr für die Testfahrten, sondern lasse schon Luft an den Körper ran. Und dann geht es Mitte, Ende April wieder los. Gas geben für Olympia.

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Bleibt es bei Ihrem Ziel, in Peking die zwei Olympiasiege von 2018 zu wiederholen? Das ist noch keinem gelungen.

Auf jeden Fall, klar. Nachdem wir jetzt fünf Jahre in Folge alle großen Rennen gewonnen haben, wäre es richtig cool, wenn wir auch das noch schaffen würden.

Das Interview führte Tino Meyer.

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