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Altenbergs Lehren vom Weltcup im Corona-Hotspot

Der Bahnchef ist erst mal zufrieden. Doch mit den Inzidenzwerten steigt auch der Druck im Hinblick auf die Bob- und Skeleton-WM im Februar.

Leere Tribünen, keine Stimmung – das ist der neue Wettkampf-Alltag im Wintersport, auch an der Bobbahn Altenberg.
Leere Tribünen, keine Stimmung – das ist der neue Wettkampf-Alltag im Wintersport, auch an der Bobbahn Altenberg. © SZ/Meyer

Altenberg. Optimistisch zu bleiben, fällt in diesen Tagen vor allem im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge schwer. Dabei ist der Rodel-Weltcup am vergangenen Wochenende in Altenberg richtig gut gelaufen. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf und dankbar, dass die Rennen wie geplant stattfinden konnten“, sagt Bahnchef Jens Morgenstern.

Die Umsetzung des umfassenden, bis in das letzte Detail ausgeklügelten Hygienekonzepts habe gut funktioniert und auch sonst alles reibungslos geklappt. Na ja, fast alles: Dass Corona-Tests bei niedrigen Temperaturen nicht machbar sind, wissen die Organisatoren jetzt jedenfalls auch. „Eine einfache Zeltkonstruktion reicht nicht, um die Tests durchzuführen. Bei den nächsten Wettkämpfen müssen wir einen Container aufstellen“, erklärt Morgenstern.

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Die nächsten Wettkämpfe!? Tatsächlich ist der Rodel-Weltcup erst der Auftakt in Altenberg. Für das erste Januar-Wochenende steht der Bob-Europacup im Bahnkalender, eine Woche später der Europacup im Skeleton und dann schließlich der Saisonhöhepunkt Anfang Februar: die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften. Die organisatorischen Vorbereitungen laufen längst, wobei es sich inzwischen fast ausschließlich aufs Sortieren, Abwägen und Beobachten der Lage beschränkt – verbunden mit vielen Telefonaten und Corona-Nachfragen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis liegt bei über 500

Auf über 500 ist die Sieben-Tage-Inzidenz zu Wochenbeginn gestiegen, und der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge damit nach dem Kreis Regen in Bayern auf Platz zwei der deutschlandweiten Rangliste. Morgenstern hat die Zahlen jetzt ebenso parat wie die des WM-Etats in verschiedensten Konstellationen. Zuschauer oder nicht? Und wenn ja, wie viele? Endgültig beantwortet sind die Fragen noch nicht.

Doch die Inzidenz bestimmt auch hier das Handeln, und bei allem Optimismus geht auch Morgenstern mit jedem Tag ein Stück mehr Hoffnung auf die bereits beim Rodel-Weltcup schmerzlich vermisste Stimmung an der Bahn verloren. Spätestens in der nächsten Woche müsste er die Aufträge für den Aufbau mobiler Tribünen und des VIP-Bereichs auslösen, die Zeit drängt also.

Volle Tribünen, tolle Stimmung - ein lange nicht mehr gesehenes Bild. Das Foto zeigt den WM-Trubel in Altenberg im Februar 2020, als Francesco Friedrich und Thorsten Margis ins Ziel kommen.
Volle Tribünen, tolle Stimmung - ein lange nicht mehr gesehenes Bild. Das Foto zeigt den WM-Trubel in Altenberg im Februar 2020, als Francesco Friedrich und Thorsten Margis ins Ziel kommen. © dpa

Der Bahnchef weiß um die komplizierte Gemengelage, und er kennt die Bedeutung der Weltmeisterschaft – nicht nur für den Sport. Eine Absage steht trotz der grassierenden Pandemie speziell in Ost- und Südsachsen bisher nicht zur Debatte.

Verbände und Sportler brauchen solche Wettkämpfe zur Existenzsicherung. Durch das reduzierte Programm anderer Sportarten stehen üppige TV-Übertragungszeiten in Aussicht. Das ist mittlerweile die Währung, in der im Spitzensport bezahlt wird. Aber auch für den Eiskanal sowie Altenberg und umliegende Orte, die allesamt stark vom Wintertourismus leben, bringt diese Weltmeisterschaft unverhoffte Einnahmen.

Eigentlich sollte im US-amerikanischen Lake Placid gefahren werden. Coronabedingt entschied der Weltverband jedoch, Reisen zu minimieren und komplett auf Nordamerika und nun auch China zu verzichten. Für Altenberg also zunächst ein echter Glücksfall. „Es ist gut, dass der Bahnbetrieb trotz der Pandemie läuft“, erklärte Landrat Michael Geisler. Er freue sich, sagte er nach der Bekanntgabe der WM-Verlegung, „dass wir trotz der widrigen Umstände Gastgeber für internationale Kufensport-Wettbewerbe sein können“.

Der Rodel-Weltcup im Dezember, hier Felix Loch, war ein wichtiger Testlauf für die Bob- und Skeleton-WM im Februar, betont Bahnchef Jens Morgenstern.
Der Rodel-Weltcup im Dezember, hier Felix Loch, war ein wichtiger Testlauf für die Bob- und Skeleton-WM im Februar, betont Bahnchef Jens Morgenstern. © dpa/Sebastian Kahnert

Nun hat sich die Lage verschärft, doch die Verantwortlichen sind überzeugt, dass die WM dennoch stattfinden kann. Der Rodel-Weltcup, so der Bahnchef, sei dafür ein wichtiger Testlauf gewesen. „Wir wissen jetzt, dass unser Hygienekonzept auch in der Praxis funktioniert“, sagt Morgenstern und berichtet von der derzeit so viel zitierten, offenbar wirklich weitgehend sicheren Blase. Alle 114 Sportler aus den 18 Ländern sowie deren Betreuer wurden zu Wochenbeginn auf das Virus getestet, positive Fälle sind danach nicht bekannt geworden.

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Jede Nation musste sich darüber hinaus ein Hygienekonzept für den Ablauf in der jeweiligen Unterkunft vom Weltverband genehmigen lassen. An der Bahn wurden für das Training vier feste Gruppen gebildet und Umkleiden, Toiletten und Starthaus regelmäßig gelüftet und nach jeder Gruppe desinfiziert. Mund-Nasen-Schutz sowie das Abstandsgebot von möglichst zwei Metern ist sowieso Pflicht. „Alle Beteiligten haben sich sehr diszipliniert verhalten“, bilanziert Morgenstern. Seine Zuversicht ist naturgemäß groß, nun kommt auch WM-Vorfreude dazu, ein bisschen zumindest.

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