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Warum läuft es plötzlich nicht mehr bei Denise Herrmann?

Die Biathletin ist nicht mehr so schnell unterwegs wie gewohnt. Nun verfehlt sie auch wieder die Scheiben. Dabei gibt ein neuer Trainer Grund zur Hoffnung.

Denise Herrmann ärgerte sich in Hochfilzen über Laufzeiten, die nicht wirklich schlecht waren, aber auch nicht so gut wie gewohnt.
Denise Herrmann ärgerte sich in Hochfilzen über Laufzeiten, die nicht wirklich schlecht waren, aber auch nicht so gut wie gewohnt. ©  Foto: dpa

Eine Null ist das Traumergebnis im Biathlon. Doch das gilt in diesem Winter nicht mehr allein bei den Fehlern am Schießstand. Die Null ist auch bei den Corona-Tests entscheidend – und fast zur dritten Teildisziplin geworden. Der internationale Verband IBU verschickte an den ersten beiden Weltcup-Wochen im finnischen Kontiolahti nahezu täglich Pressemitteilungen, wenn es in einem der Teams einen positiven Fall gab. Beim deutschen musste noch nichts vermeldet werden.

Damit das so bleibt, werden schon mal Umwege und Sonderfahrten in Kauf genommen. So saß Bernd Eisenbichler, der Sportliche Leiter und damit Chef der deutschen Biathleten, nicht mit im Charterflugzeug, das die 35-köpfige deutsche Mannschaft sowie die anderen Nationen von Kontiolahti zum zweiten Weltcuport Hochfilzen brachte. Eisenbichler legte einen Zwischenstopp in Planegg ein, dem Sitz des Deutschen Skiverbandes (DSV), um eine Kiste FFP2-Masken einzupacken. „Das Paket reicht jetzt bis Weihnachten“, versicherte Eisenbichler.

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Im vergangenen Winter setzte sie noch Bestzeiten

Die Biathleten haben sich inzwischen an die besonderen Umstände gewöhnt. „Der Wettkampf ist der gleiche, das ganze Drumherum ist natürlich anders. Man muss sich arrangieren“, findet Denise Herrmann, mit 31 die Älteste und zugleich Erfolgreichste im Team.

Für Eisenbichler liegt die besondere Herausforderung dieser Saison darin, „die Balance zu finden zwischen der Achtsamkeit vor Corona und der Konzentration auf den Sport“. Bisher ging das auf. Bei Herrmann stimmten die Ergebnisse am Wochenende allerdings nicht. In Hochfilzen wurde sie 32. im Sprint, 25. in der Verfolgung und Vierte mit der Staffel, wobei sie im Zielsprint ganz knapp Platz drei verpasste. Das liest sich nicht gerade wie eine Erfolgsbilanz. „Beim Laufen läuft es gerade nicht so“, erklärt Herrmann, die am kommenden Sonntag 32 wird. Im Verfolgungsrennen verlor sie pro Runde zwischen fünf und acht Sekunden auf die Spitze. Dabei war die ehemalige Skilangläuferin auf der Strecke immer einer der Schnellsten, setzte oft die Bestzeiten und glich so Fehler am Schießstand aus.

Eine Erklärung für die Formdelle hat sie nicht. „Die Saison ist noch lang, das wird schon wieder“, tröstet sie sich. Vielleicht liegt es auch an der persönlichen Erwartungshaltung. Vor dem Winter hatte sie verkündet, der Sieg im Gesamt-Weltcup sei eines ihrer Ziele. Nach Platz drei 2019/20 ein logischer Schritt, doch momentan liegt sie auf Platz zwölf mit bereits beachtlichen 119 Punkten Rückstand auf die führende Norwegerin Marte Olsbu Röiseland.

In Hochfilzen waren nicht nur die Beine müde, am Schießstand häuften sich die Fehler. „Wenn der Druck weg ist, dann treffe ich auch die Scheiben wieder“, sagte sie, ließ aber offen, was genau sie damit meint. „Aber klar, mit Druck muss man umgehen können.“ Dabei war Herrmann bei den beiden Weltcups in Kontiolahti so gut in die Saison gestartet wie noch nie seit ihrem Umstieg zum Biathlon vor fünf Jahren. Das lag vor allem am Schießen. Eine Trefferquote von 85 Prozent hatte sie noch nie. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison fielen nur 77 Prozent der Scheiben. Nach dem Wochenende sind es nun 82 Prozent, immer noch ein persönlicher Bestwert.

Das Schießen ist weiter ihre große Baustelle, was bei einer, die erst mit 27 Jahren das erste Mal ein Kleinkaliber-Gewehr in die Hand genommen hatte, logisch erscheint. Doch sie hat sich verbessert. Fragt man Herrmann nach dem Grund, fällt sofort ein Name: Engelbert Sklorz. Der 55-Jährige ist als Schießtrainer der Nachfolger von Gerald Hönig, der inzwischen die österreichischen Frauen betreut. Der Neue lebt wie Herrmann, die vor zehn Jahren von Sachsen nach Bayern umgezogen ist, in Ruhpolding. „Da habe ich kurze Weg, kann ihn abends auch mal spontan in der Schießhalle treffen“, erklärt sie und charakterisiert Sklorz als einen, der „total akribisch an Details feilt, fast pedantisch ist“.

Eisenbichler schwärmt ebenfalls vom Schießtrainer, warnt aber zugleich vor zu hohen Erwartungen. Es sei jetzt nicht so, dass man nur mit dem Finger schnipsen muss und schon hätten alle eine Trefferquote von 100 Prozent. „Er ist kein Wunderheiler. Vielmehr ist es ein Prozess, da muss man dranbleiben.“ Das sieht man derzeit auch bei Herrmann.

Nur wenige Biathleten gingen zum alten Schießtrainer

Der DSV hatte diesen Prozess anfangs verschlafen. Während andere Nationen bereits seit Jahren erfolgreich mit Schießtrainern zusammenarbeiten, wurde bei den deutschen Biathleten diese Stelle erst nach der Absetzung von Hönig als Frauen-Bundestrainer besetzt – und das wohl auch nicht optimal. Nur wenige Athleten nutzten seine Expertenmeinung, was auch daran lag, dass Hönig in Oberhof lebt, die meisten Spitzenkader aber in Ruhpolding trainieren. Zuletzt wirkte der Thüringer wie ein Fremdkörper im Team.

Herrmann arbeitet mit seinem Nachfolger nicht nur an der Trefferquote, sondern auch an der Schießzeit. Dass es da Nachholbedarf gibt, bekommt sie immer wieder bei den Rennen zu spüren. „Wenn Dorothea Wierer neben mir am Stand ihre Scheiben innerhalb von acht Sekunden abräumt, und ich dafür 30 Sekunden brauche, komme ich schon ins Grübeln“, bekennt Herrmann, die bei der WM vor einem Jahr in Antholz Silber in der Verfolgung und mit der Staffel gewonnen hatte. „Und ich orientiere mich an den Besten.“

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