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Friedrichs größter Konkurrent in Altenberg ist das Wetter

Bei der Bob-WM auf seiner Heimbahn will der Pirnaer Pilot an diesem Wochenende neue Rekorde aufstellen. Doch es ist Schnee angekündigt, sehr viel Schnee.

Helm ab, Maske auf. So funktioniert Bobfahren in Corona-Zeiten. Doch auch die Pandemie hat Rekordweltmeister Francesco Friedrich nicht ausbremsen können.
Helm ab, Maske auf. So funktioniert Bobfahren in Corona-Zeiten. Doch auch die Pandemie hat Rekordweltmeister Francesco Friedrich nicht ausbremsen können. © Egbert Kamprath

Altenberg. Was soll schon schiefgehen? Es ist wieder WM, noch dazu wieder in Altenberg, und seit 2013 hat im Zweierbob kein anderer gewonnen als er: Francesco Friedrich, damals als 22-Jähriger und damit als jüngster Pilot in der Geschichte der Sportart. Mittlerweile sind reichlich Bestmarken hinzugekommen: die meisten Weltcupsiege (52), die schnellste Fahrt (rund 160 km/h in Whistler), ungeschlagen im Zweier und Vierer bei Großereignissen (seit 2017), etliche Start- und Bahnrekorde sowie eben auch die einmalige Serie von sechs WM-Erfolgen im Zweier hintereinander.

„Die Rekorde sind eigentlich Beiwerk. Wir dürfen das machen, was wir am liebsten tun: Bobfahren, trainieren, am Material tüfteln. Das ist es“, erklärt der Pirnaer.

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Fakt ist: Keiner hat die Sportart jemals so dominiert wie Friedrich, auch nicht die deutschen Bob-Ikonen Meinhard Nehmer, Wolfgang Hoppe, Christoph Langen und André Lange. „In der Gesamtheit verkörpert er das Beste, das wir je hatten. Er hat von diesen Ausnahmeleuten alles, das ist unvorstellbar“, sagt Bundestrainer René Spies über den Ausnahmepiloten. Und weil die am Donnerstag um 20.21 Uhr offiziell eröffnete Bob- und Skeleton-WM 2021 coronabedingt erneut auf seiner Heimbahn in Altenberg stattfindet, dürfte am Ende der nächste Rekord feststehen.

Noch ein WM-Sieg - und er überholt die Legende Monti

Mit den WM-Siegen zehn und elf, die Friedrich an diesem und nächstem Wochenende anstrebt, würde der Pirnaer auch den legendären Italiener Eugenio Monti übertreffen. Der gewann zwischen 1957 und 1966 insgesamt siebenmal im Zweier sowie zweimal mit dem Viererbob. Friedrichs WM-Siege-Formel lautet bislang 6+3.

Im Grunde hat der inzwischen 30 Jahre alte Pilot des BSC Sachsen Oberbärenburg besonders im Zweier, seiner Spezialdisziplin, daran selbst keinen Zweifel. Im vergangenen Jahr deklassierte er die Konkurrenz und hatte dabei nach vier Läufen einen Vorsprung von 1,65 Sekunden. Das ist ungefähr so, als würde Deutschland ein WM-Finale im Fußball mit 6:1 gewinnen oder im Handball mit 52:13 – schier unvorstellbar.

„Wenn die Bahn glatt wäre“, sagt Friedrich und meint kaltes, auf jeden Fall aber klares Wetter, „könnte ich eine Prognose abgeben, dass nicht viel schiefgehen wird – und dass Hansi Lochner hinter uns einkommt.“ Der Pilot vom Königssee war im Vorjahr der Beste vom Rest, wiederum mit einigem Vorsprung vor allen anderen.

Die Top-Favoriten auf den WM-Titel: Francesco Friedrich und sein Anschieber Alexander Schüller.
Die Top-Favoriten auf den WM-Titel: Francesco Friedrich und sein Anschieber Alexander Schüller. © AP

Ideallinie, Materialeinstellung, Kufenwahl – das Zusammenspiel äußerer Faktoren kennt im Altenberger Kohlgrund keiner so gut wie Friedrich, der zudem Athletik-Aufbau und Material-Entwicklung deutlich akribischer betreibt als die Konkurrenten. Einen unberechenbaren Gegner hat er dennoch ausgemacht: das Wetter, weshalb die Prognose nicht viel wert ist, wie er betont: „Je verrückter das Wetter, umso spannender wird das Rennen.“

Natürlich hat der Doppel-Olympiasieger von 2018 für jede Temperatur eine passende Bob-Einstellung parat, nur haben die Meteorologen reichlich Neuschnee für das Wochenende angekündigt. „Es gibt immer mal Kufen, die laufen bei Schnee unglaublich gut; auch Schlitten, die plötzlich viel besser fahren. Das haben wir alles schon erlebt in Rennen, für die wir danach keine Erklärung hatten. Bei Schnee kann alles passieren. Altenberg ist auch immer für eine Überraschung gut“, betont Friedrich.

Anschieber Schüller macht ihn am Start noch schneller

Deshalb erweitert er die Liste der möglichen Sieganwärter um den Österreicher Benjamin Maier, den Letten Oskars Kibermanis sowie den deutschen Juniorenweltmeister Hans-Peter Hannighofer und vor allem Justin Kripps aus Kanada. „Das sind“, so Friedrich, „die Kandidaten, die neben uns um die Medaillen kämpfen.“

„Uns“ sind am Samstag (ab 10 Uhr) und Sonntag (ab 14.30 Uhr) erstmals Friedrich und Anschieber Alexander Schüller. Der Leipziger hat Thorsten Margis, der Friedrich bei fünf WM-Siegen in Folge begleitete und damit einen Rekord für Anschieber aufstellte, aus dem Zweierbob verdrängt. Nicht weil Margis langsamer geworden ist - sondern Schüller, im Vorjahr lediglich im Vierer dabei, noch schneller.

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Die Konkurrenz reagiert vorab unterschiedlich. „Im Zweier, das muss man wirklich sagen, ist Franz die Nummer eins“, betont Lochner, der „schon jetzt zweimal Silber definitiv unterschreiben“ würde. Der Kanadier Kripps dagegen bezeichnet Altenberg ebenfalls als eine seiner Lieblingsbahnen und freut sich schon auf das nächste Duell, nachdem Friedrich und er bei Olympia 2018 zeitgleich zum Sieg fuhren. Doch auch Kripps hat nur einen Wunsch: „Bitte kein Schnee.“

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