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Bob-WM 2021

So steht's bei der Bob-WM in Altenberg

Das Finale wird spannend, im Monobob der Frauen ebenso wie in der Königsdisziplin Vierer. Denn die ersten zwei Läufe laufen anders als erwartet.

Auf dem Weg zum nächsten WM-Titel: Team Friedrich liegt nach zwei von vier Läufen im Viererbob deutlich in Führung, dabei läuft nicht alles wie erhofft.
Auf dem Weg zum nächsten WM-Titel: Team Friedrich liegt nach zwei von vier Läufen im Viererbob deutlich in Führung, dabei läuft nicht alles wie erhofft. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Altenberg. Der große Favorit liegt bei der WM in Altenberg wieder in Führung, doch die ersten beiden Läufe im Viererbob liefen überhaupt nicht nach den Vorstellungen von Rekordweltmeister Francesco Friedrich. Start- und Bahnrekord hatte der Pirnaer angepeilt - und beides verpasst. Zudem leistete er sich sowohl auf den ersten Metern als auch in der Bahn seltene Fehler, die seine Konkurrenten aber nicht nutzen konnten. Auch sie blieben allesamt nicht fehlerfrei.

Nach Tag eins der Königsdisziplin steht für Friedrich, der vor einer Woche auch im Zweier gewann, daher einmal mehr die Nummer eins. Der Pilot vom BSC Sachsen Oberbärenburg, angeschoben von Thorsten Margis, Candy Bauer und Alexander Schüller, hat sogar einigermaßen komfortable 0,38 Sekunden Vorsprung auf den erwartet größten Konkurrenten Benjamin Maier aus Österreich - den Team Friedrich als Sponsor seit zwei Jahren nicht nur finanziell unterstützt.

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"Wir sind sehr zufrieden mit diesem ersten Tag und können wieder entspannt alles für morgen vorbereiten", sagt Friedrich danach - wohlwissend, dass vor allem am Start nicht alles passte. "Der erste Lauf war eigentlich richtig gut, doch da passiert uns halt das Malheur am Start. Das hat richtig Geschwindigkeit gekostet", erklärt der 30-Jährige die Probleme auf den ersten Metern.

Noch während des Einstiegs seiner Anschieber touchiert der Bob die Bande, und - sozusagen als Folgefehler - klappen auch die roten Anschubbügel des neu entwickelten FES-Schlittens erst sehr spät ein. Trotzdem hat der Titelverteidiger, der seinen insgesamt elften WM-Titel einfahren will, nach Lauf eins 0,08 Sekunden Vorsprung auf Maier.

Sie sind die Siegerpose gewohnt, hier nach dem Weltcup-Sieg in Winterberg: Francesco Friedrich und seine Anschieber Thorsten Margis, Candy Bauer und Alexander Schüller (von rechts).
Sie sind die Siegerpose gewohnt, hier nach dem Weltcup-Sieg in Winterberg: Francesco Friedrich und seine Anschieber Thorsten Margis, Candy Bauer und Alexander Schüller (von rechts). © dpa

Das liegt neben Friedrichs schwer zu übertreffenden Bahnkenntnissen auf seiner Heimstrecke vor allem am Material. Der neue Schlitten läuft und erreicht mit rund 129,21 km/h die mit Abstand höchste Geschwindigkeit aller 24 Schlitten. Im zweiten Lauf baut Team Friedrich den Vorsprung zu Maier dann auf die vorentscheidenden 0,38 Sekunden aus.

Umkämpfter ist der dritte Platz, den nach zwei Läufen Johannes Lochner vom Königssee inne hat. 0,71 Sekunden beträgt sein Rückstand auf Friedrich. "Ich war ja die ganze Saison noch nie richtig schnell im Vierer, doch ich hätte schon gedacht, dass wir näher an Maier dran sind. Da haben wir noch ein paar Hausaufgaben zu machen, auch mit Blick auf Olympia im nächsten Jahr", sagt Lochner, der wie Maier in einem vom Österreicher Hannes Wallner konstruierten Bob unterwegs ist.

Hinter Lochner folgen die weiteren Medaillenkandidaten: Das Team um Oskars Kibermanis aus Lettland hat 0,82 Sekunden Rückstand auf Friedrich, beim Fünftplatzierten Justin Kripps aus Kanada und seinen Anschiebern sind es 0,85 Sekunden. Nicht mehr eingreifen im Kampf ums Podium dürften Oskars Melbardis (Lettland/+1,18) und Christoph Hafer (Bad Feilnbach/+1,23) auf den Plätzen sechs und sieben.

Schneider liegt bei der Monobob-Premiere vorn

Einen unerwarteten Verlauf hat es zuvor auch bei der WM-Premiere im Monobob der Frauen gegeben. Stephanie Schneider vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal liegt nach zwei von vier Läufen in Führung und hat gute Chancen auf ihren ersten Weltmeistertitel. "Ich habe den ersten Lauf gut erwischt und meine Startnummer 1 ausgenutzt. Und ich bin auch ein bisschen cooler geblieben als im Zweier", sagt Schneider mit dem Blick zurück auf die Entscheidung vor einer Woche, als sie beim Zweierbob den ersten Tag völlig verpatzte und am Ende trotzdem noch Vierte wurde.

In der neuen Disziplin Monobob, die erst in dieser Saison eingeführt wurde und schon im nächsten Jahr olympisch ist, gehört Schneider dagegen keineswegs zu den Favoritinnen. Die folgen direkt hinter ihr: Der Vorsprung auf die Zweitplatzierte und Zweierbob-Weltmeisterin Kaillie Humphries (USA) beträgt lediglich 0,04 Sekunden.

Sie grüßt aus Altenberg als WM-Führende im Monobob: Stephanie Schneider. Doch sie ist skeptisch, denn der Vorsprung ist knapp und direkt hinter ihr liegen die großen Favoritinnen.
Sie grüßt aus Altenberg als WM-Führende im Monobob: Stephanie Schneider. Doch sie ist skeptisch, denn der Vorsprung ist knapp und direkt hinter ihr liegen die großen Favoritinnen. © IBSF/Viesturs Lacis

Dritte zur Halbzeit ist Laura Nolte aus Unna mit 0,18 Sekunden Rückstand - weshalb sich Schneider über den unerwartet guten ersten Tag nicht zu sehr freuen wollte. "Ein bisschen skeptisch darf man ja sein. Ich bin gegen die anderen schon im Training gefahren und weiß ja, was die können. Morgen ist das Finale, und da zählt's", erklärt Schneider, die zwar in Altenberg das Bobfahren lernte, die Bahn im Kohlgrund aber nicht zu ihren Lieblingspisten zählt.

Nolte erzielte im ersten Lauf den Bahnrekord. Die 22-Jährige benötigte exakt eine Minute für die 1,4 Kilometer lange Bahn. 2016 gewann sie bei den Olympischen Jugendspielen im Monobob bereits Gold. Trotzdem, erklärte sie im WM-Podcast Dreierbob, sei die Umstellung vom Zweier auf das neue Gerät komplexer als auch sie erwartet hatte.

Alles andere als eine Lieblingsdisziplin ist der Monobob für die Oberhoferin Mariama Jamanka. Im Vorfeld äußerte sich die Zweier-Olympiasiegerin von 2018 sehr kritisch und kann sich noch immer schwer mit dem neuen Wettbewerb anfreunden. Mit dem vierten Platz (+0,49 Sekunden) und den Medaillen in Sichtweite hat sie sich nun vermutlich selbst überrascht.

Bahnrekord in Lauf eins, und was für einer: Exakt eine Minute benötigte Laura Nolte für die Fahrt mit ihrem Monobob im 1,4 Kilometer langen Altenberger Eiskanal.
Bahnrekord in Lauf eins, und was für einer: Exakt eine Minute benötigte Laura Nolte für die Fahrt mit ihrem Monobob im 1,4 Kilometer langen Altenberger Eiskanal. © Screenshot IBSF-TV

"Das kann sich noch wild durchmischen, wenn man mal in der Bahn driftet und quer steht - was mit dem Monobob sehr schnell passieren kann. Ich bin froh, dass ich zwei ordentliche Läufe runtergebracht habe", erklärt Jamanka. Die vierte deutsche Pilotin Kim Kalicki (Wiesbaden), WM-Zweite von Altenberg im Zweierbob, liegt als Fünfte mit 0,56 Sekunden Rückstand ebenfalls noch aussichtsreich im Rennen.

Eine Schrecksekunde hat indes die US-amerikanische Top-Pilotin Elana Meyers Taylor erlebt. Sie stürzte im ersten Lauf, doch zwei Kurven weiter richtete sich ihr Monobob wieder auf. Meyers Taylor erreichte unverletzt das Ziel - und stellte dann im zweiten Lauf einen Startrekord auf mit 6,00 Sekunden auf den ersten 50 Metern. Ihre Medaillenchancen aber sind dahin, als 19. unter den 23 Teilnehmerinnen hat sie bereits über drei Sekunden Rückstand.

Altenberg erlebt eine WM-Premiere und die US-amerikanische Top-Pilotin Elana Meyers Taylor dabei eine Schrecksekunde.
Altenberg erlebt eine WM-Premiere und die US-amerikanische Top-Pilotin Elana Meyers Taylor dabei eine Schrecksekunde. © Screenshot IBSF-TV

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Monobobs der Frauen schon für die Winterspiele 2022 in Peking ins Programm aufgenommen. Unter anderem, um die Zahl der Olympiateilnehmerinnen zu erhöhen. Bei der WM in Altenberg werden nun erstmals WM-Medaillen vergeben. Die deutschen Pilotinnen hatten sich vorher in den bislang sechs in Europa ausgetragenen Rennen überwiegend schwer getan und noch keinen Sieg eingefahren.

Die Entscheidung über die WM-Medaillen fällt am Sonntag. Die Frauen starten im Monobob um 9 und 10.30 Uhr, Lauf drei und vier im Viererbob sind dann für 15 und 16.30 Uhr angesetzt.

Alles über die WM erfahren Sie auf unserer Themenseite BOB-WM 2021.

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