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Kontroverse Debatte um neue Olympia-Disziplin Monobob

Noch ein Novum in Altenberg: Der Monobob erlebt seine WM-Premiere und soll für Gleichberechtigung im Eiskanal sorgen. Das gefällt nicht allen Frauen.

Die Pilotin macht im Monobob alles allein. Dass die Anschieberinnen kategorisch ausgeschlossen sind, ist der größte Kritikpunkt an der neuen Disziplin.
Die Pilotin macht im Monobob alles allein. Dass die Anschieberinnen kategorisch ausgeschlossen sind, ist der größte Kritikpunkt an der neuen Disziplin. © dpa

Altenberg. Für Zweierbob-Weltmeisterin Kaillie Humphries ist es eine "Lieblingsdisziplin", für Olympiasiegerin Mariama Jamanka "eine persönliche Gaudiveranstaltung, wofür die anderen arbeiten müssen": Die kontrovers geführte Diskussion um die neue Disziplin Monobob spaltet derzeit das Kufenlager, auch bei der WM in Altenberg.

Mono was? Erstmals ist eine Weltmeisterschaft für die Frauen nicht bereits nach der ersten Woche vorbei, mit dem Monobob haben auch sie jetzt eine zweite Medaillenchance. Nicht zuletzt geht es um die Erfüllung der Frauen-Quote. "Monobob ist quasi der kleine Zweierbob, doch man muss als Pilotin alles alleine machen: anschieben, reinspringen, lenken. Und man bremst auch allein", erklärt Laura Nolte, die bei der WM in Altenberg die Bronzemedaille im Zweier gewann.

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Auf der Hinterachse fehlen jetzt ein paar Kilogramm

Doch was einfach klingt, entpuppt sich besonders für Zweierbob-erfahrene Pilotinnen als echte Herausforderung – vor allem auf der anspruchsvollen Bahn in Altenberg. Denn der von einem Münchner Hersteller produzierte Einheitsschlitten ist leichter und deutlich langsamer.

"Das ist schon eine ziemlich große Umstellung, damit hätten wir alle vor der Saison nicht gerechnet", sagt Nolte, nennt den Einstieg in den Bob, die Lenkung sowie ein komplett anderes Fahrverhalten. Der Monobob bricht im Heck, wo im Zweier die Anschieberin sitzt, hin und wieder aus. "Auf der Hinterachse haben wir kein Gewicht, ohne Anschieberin fehlen einfach ein paar Kilo", sagt sie.

Dass der neue Wettbewerb die Anschieberinnen so kategorisch ausschließt, ist der größte Kritikpunkt. Im deutschen Team kann sich vor allem die Oberhoferin Jamanka überhaupt nicht damit anfreunden und tut sich (wenig überraschend) sportlich am schwersten. Für sie ist die Disziplin "eine Zwangsveranstaltung, damit sie Zweierbob fahren darf. "Das Reglement sieht nicht Team Jamanka vor, sondern nur mich als Starterin. Es ist für mich kein Leistungssport, kein Teamsport", sagte sie. Die WM-Zweite Kim Kalicki oder eben Nolte sind da entspannter.

Allein sind die Pilotinnen im Monobob unterwegs, und nicht nur das ist eine erhebliche Umstellung.
Allein sind die Pilotinnen im Monobob unterwegs, und nicht nur das ist eine erhebliche Umstellung. © dpa

Bundestrainer René Spies kennt die Akzeptanzprobleme, fordert aber eine professionelle Herangehensweise. Nicht zuletzt ist der Monobob, obwohl erst im Dezember eingeführt und noch ohne Weltcup-Status, schon im nächsten Jahr olympisch. "Die Äußerungen von einigen unserer Athleten sind aus meiner Sicht etwas unglücklich. Ich finde es sehr, sehr interessant, die Disziplin ist gut und es ist eine sehr hohe Herausforderung, sich neue Linien zu erarbeiten - auch für uns Trainer", sagt Spies vor der Premiere am zweiten WM-Wochenende, weiß aber: "Sehr gute Athletinnen sind bevorteilt gegenüber den sehr guten Pilotinnen."

Der deutsche Verband kaufte erst einmal sechs Gefährte - pro Stück für rund 22.000 Euro, die allerdings erst sehr spät geliefert wurden. Schon bei den ersten Rennen wurde zudem deutlich, dass die Bobs unterschiedlich schnell sind. Das Reglement sieht indes nur wenige Änderungen vor.

"Das Lenksystem kann man abstimmen, auch den Lenkwiderstand, zudem die Steifigkeit der Vorderachse oder die Federelemente", benennt Bob-Projektleiter Enrico Zinn vom Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) die Möglichkeiten. Ein Vorteil könnte das Nutzen der Zweierbob-Kufen sein. Da aber weniger Gewicht auf der Hinterachse lastet, sind auch da die Normwerte nicht identisch übertragbar.

Der Bundestrainer sieht den neuen Wettbewerb positiv

Insgesamt gesehen ist also alles neu. Die Einstellung des Bundestrainers bleibt dennoch grundsätzlich positiv - und abwartend: "Noch wissen wir nicht, wo die Reise hingeht", sagt Spies. Und obwohl seine deutschen Vorzeigepilotinnen zuletzt ohne große Fahrpraxis links und rechts die Banden touchierten, peilt er in Altenberg zwei Medaillen an. "Das ist ambitioniert", betont er.

Wohlwissend, dass die erfahrene US-Pilotin Humphries, die einst für Kanada Olympia-Gold in Whistler und Sotschi holte und jetzt für die USA startet , "die beste Pilotin der Welt ist." Und das auch gleich im Training bewiesen hat und bei ihrer ersten Monobob-Fahrt in Altenberg die zweitbeste Zeit erreichte. Nur eine war besser: Laura Nolte.

Die 22-Jährige hat offenbar doch einen kleinen Vorteil: Sie lernte das Bobfahren in einem Monobob, der bis zuletzt ausschließlich als Ausbildungsgerät für Nachwuchspiloten im Einsatz war. Bei den Olympischen Jugendspielen 2016 gewann sie die Goldmedaille. In Altenberg fuhr die junge Frau aus Unna zudem in allen sechs Trainingsläufen die Bestzeit. Sieht fast so aus, als hätte sie am Sonntag nach Bronze im Zweier nun den nächsten Grund zum Feiern. (mit dpa)

Alles über die WM erfahren Sie auf unserer Themenseite BOB-WM 2021.

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