merken
PLUS Sport

Etwas Neues für die Frauen

Dass es jetzt einen weiteren Bob-Wettbewerb gibt, finden alle gut. Nur die Umsetzung ist nicht so einfach. Vor allem die Olympiasiegerin ist wenig begeistert.

Wer genau hinguckt, sieht den Unterschied: Pilotin Laura Nolte sitzt allein in ihrem Monobob.
Wer genau hinguckt, sieht den Unterschied: Pilotin Laura Nolte sitzt allein in ihrem Monobob. © BSD/Viesturs Lacis

Der Winter kam diese Woche über Österreich, und er kam zur Unzeit, zumindest für die Bobpilotinnen. Nur zwei Trainingsfahrten vorm Weltcup am Wochenende waren wegen der Massen an Neuschnee möglich. Nun ist der Eiskanal in Innsbruck wenig anspruchsvoll, als Autobahn bezeichnen ihn die Sportler. Am Start Schwung holen und los, viel Training benötigt da keiner.

Speziell die deutschen Fahrerinnen um Olympiasiegerin Mariama Jamanka hätten diesmal aber gerne jede zusätzliche Fahrt genommen, denn an diesem Samstag gibt es für sie eine Premiere: den ersten Wettkampf im Monobob. Ein Schlitten besetzt nur mit dem Piloten – das war bisher allein dem Nachwuchs vorbehalten. Doch auf der Suche nach einem weiteren Wettbewerb für die Frauen, die bislang nur Zweier gefahren sind, hat sich der Weltverband IBSF für den Monobob entschieden und gleich eine Weltserie entwickelt. Nicht nur das: Schon 2022 bei den Winterspielen in Peking wird Monobob olympisch sein.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Kritik der Olympiasiegerin: Das ist kein Teamsport mehr

Die Begeisterung im deutschen Lager hält sich in Grenzen. „Ich bin noch nie Monobob gefahren“, sagt Jamanka und spricht vom „Anfängergerät, um Bobfahren zu lernen und kein Äquivalent, weil Bobfahren für mich Teamsportart ist“. Zudem sei der Monobob deutlich langsamer als der Zweier und fühle sich wie Go-Kart-Fahren an.

Am meisten überrascht hat aber nicht nur Jamanka, dass Monobob auf Anhieb als olympische Disziplin anerkannt wurde, noch bevor es überhaupt mal einen Wettkampf gab. Im Ansinnen, den Frauen einen zusätzlichen Start zu verschaffen, hatte sich die Mehrzahl der Sportlerinnen für das bei der WM ausgetragene Team-Event gemeinsam mit Skeleton ausgesprochen.

Das Fahrgefühl im Monobob ist ein anderes, bestätigt auch Kim Kalicki - hier bei ihrer ersten Trainingsfahrt. Für ihre Teamkollegin Mariama Jamanka fühlt es sich wie im Go-Kart an.
Das Fahrgefühl im Monobob ist ein anderes, bestätigt auch Kim Kalicki - hier bei ihrer ersten Trainingsfahrt. Für ihre Teamkollegin Mariama Jamanka fühlt es sich wie im Go-Kart an. © BSD/Viesturs Lacis

Es kam anders, doch auch die Regeln waren lange nicht klar – und sind immer noch umstritten. Zwar wird der Monobob nicht wie zunächst angedacht, den Fahrerinnen zugelost. Doch zugelassen ist ausschließlich ein Einheitsmodell, das sich jeder Verband anschaffen muss. Sechs Monobobs hat der Deutsche Bob- und Schlittenverband (BSD) deshalb gekauft, Kostenpunkt jeweils 22.500 Euro. Inmitten der Corona-Pandemie, die auch dem BSD finanziell zusetzt, ist das viel Geld. „Wir werden das in drei Jahres-Raten bezahlen, auf einen Schlag war das für uns jetzt nicht möglich“, sagt Bundestrainer René Spies.

Dass deutsche Fahrerinnen vergangene Woche beim ersten Rennen der Monobob-Weltserie überhaupt fehlten, noch dazu auf der Heimbahn in Winterberg, verdeutlicht den Stellenwert, den man intern Thema bislang eingeräumt hat. Das wird sich allerdings nun ändern, denn natürlich will der erfolgsverwöhnte Verband auch in dieser Disziplin bei Olympia 2022 ganz vorne dabei sein. Medaille ist Medaille, und nur danach wird im deutschen Leistungssportsystem abgerechnet.

Vor dem Jahreswechsel geht's noch nach Altenberg

In dieser Woche haben die Fahrerinnen nun endlich ihre Monobobs erhalten. Entsprechend gering sind erst mal die Erwartungen. „Unsere Damen sollen sich einfach an den Schlitten gewöhnen und erstmal runterfahren“, sagt der Bundestrainer. Im ersten Schritt gehe es allein darum, das Gerät kennenzulernen und die Lenkung individuell anzupassen. Für die nächste Woche ist die Feinabstimmung geplant. „Die intensive Phase kommt dann erst zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn wir alle in Altenberg sind und auch intensiv Monobob fahren werden“, sagt Spies.

Weiterführende Artikel

Die Bob-Heim-WM in Altenberg im Blick

Die Bob-Heim-WM in Altenberg im Blick

Pilotin Stephanie Schneider gewinnt das erste Rennen im neuen Jahr, muss aber dennoch um die WM bangen. Für Kollege Richard Oelsner ist die Saison beendet.

Lochner schlägt Friedrich in Igls

Lochner schlägt Friedrich in Igls

Der Pirnaer Bobpilot Francesco Friedrich kann doch noch verlieren. Trotzdem bleibt der Spitzenplatz in deutscher Hand.

Altenbergs Lehren vom Weltcup im Corona-Hotspot

Altenbergs Lehren vom Weltcup im Corona-Hotspot

Der Bahnchef ist erst mal zufrieden. Doch mit den Inzidenzwerten steigt auch der Druck im Hinblick auf die Bob- und Skeleton-WM im Februar.

Sächsischer Bob-Deal: Drei gegen den Rest der Welt

Sächsischer Bob-Deal: Drei gegen den Rest der Welt

Diese Bob-Allianz ist neu und weltweit einmalig. Etwas Besseres, sagt der Pirnaer Dauerweltmeister Francesco Friedrich, könne es nicht geben.

Wie das geht, dürfte zumindest Laura Nolte wissen, die das Fahren tatsächlich im Monobob lernte und 2016 bei den Olympischen Jugendspielen in Lillehammer die Goldmedaille gewann. Aber auch Jamanka hat sich mit der neuen Disziplin abgefunden. „Nach wie vor finde ich, dass es eine Verschlechterung der Situation ist. Es ist für mich aber so: Wenn ich an den Olympischen Spielen teilnehmen will, muss ich auch Monobob fahren“, sagt sie.

Mehr zum Thema Sport