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Bob-Dominator Friedrich: "Da bin ich wie Schumi"

Die Rekordjagd des Pirnaers geht auch in dieser Saison weiter. Jetzt verrät er, was ihn mit Formel-1-Ikone Michael Schumacher verbindet.

Der Bobpilot Francesco Friedrich aus Pirna vergleicht sich und seinen Antrieb, immer besser zu werden, mit Formel-1-Ikone Michael Schumacher.
Der Bobpilot Francesco Friedrich aus Pirna vergleicht sich und seinen Antrieb, immer besser zu werden, mit Formel-1-Ikone Michael Schumacher. © dpa

Innsbruck/Dresden. Der Mann am Mikrofon war baff. „Wo nimmt dieser rechtschaffene Mann, der alles gewonnen hat, nur diese unfassbare Motivation her“, fragte ZDF-Reporter Michael Wolff bei der Übertragung des Bob-Weltcups in Innsbruck. Der rechtschaffene Mann? Gemeint war Francesco Friedrich, der soeben erklärt hatte, wie sehr ihn die Niederlage am Vortag ärgerte.

Niederlagen, muss man wissen, beginnen für den Weltklasse-Piloten aus Pirna ab Rang zwei. Jene Platzierung also, die er zusammen mit seinem Anschieber Thorsten Margis am Samstag hinter den deutschen Konkurrenten Johannes Lochner/Eric Franke eingefahren hatte. „Es hat uns schon ein bisschen gekränkt, dass es nicht nur nicht zum Sieg gereicht hat, sondern Hansi auch so dominant war. Das ist eigentlich unsere Bahn hier“, meinte Friedrich, der zuvor die ersten vier Weltcups der Saison gewonnen hatte und nach der „Niederlage“ am Samstag sich nun tags darauf mit Sieg Nummer fünf im sechsten Rennen zurückmeldete.

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Und als der 30-Jährige später sagen sollte, wie er denn die eigene Leistung einschätze, antwortete Friedrich in seiner ihm typischen Art: „Es war ganz okay.“ Fehlerfrei war er schließlich trotz des am Ende ungefährdeten Erfolgs wieder nicht durch die Bahn gekommen.

Ein Perfektionist, der nie an innerem Antrieb verliert

Selbst wenn: Zufrieden ist Franz, wie er genannt wird, nie. So erklärte er mit Blick auf das kommende Wochenende, an dem erneut zweimal Zweierbob in Innsbruck gefahren wird, dass „wir einiges zu tun haben“. Ein Perfektionist, der nicht Ruhe gibt oder gar an innerem Antrieb verliert – was Freund und Feind mindestens ebenso staunen lässt wie die nicht enden wollende Dominanz des Ausnahmeathleten.

Ein Auszug aus der Erfolgsliste: neun WM-Titel, davon sechs in Serie im Zweier, dreimal hintereinander im Vierer; zudem jüngster Weltmeister aller Zeiten mit dem Zweier und Sieger mit denselben Anschiebern bei drei aufeinanderfolgenden Großereignissen (WM 2017, Olympia 2018, WM 2019) – alles Bestmarken. Einen Geschwindigkeitsrekord hat der Pilot des BSC Sachsen Oberbärenburg vor fast zwei Jahren im kanadischen Whistler auch noch aufgestellt. 157,06 km/h – so schnell war noch nie ein Bob unterwegs.

Team Friedrich, das sind auch seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis. In der Besetzung fuhr der Vierer zu den WM-Titeln 2017 und 2019 sowie zum Olympiasieg 2018. Beim WM-Sieg 2020 saß Alexander Schüller für Margis im Bob.
Team Friedrich, das sind auch seine Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis. In der Besetzung fuhr der Vierer zu den WM-Titeln 2017 und 2019 sowie zum Olympiasieg 2018. Beim WM-Sieg 2020 saß Alexander Schüller für Margis im Bob. © dpa

Friedrichs Rekordjagd geht diese Saison weiter. „Die Motivation lässt nie nach“, hat er kürzlich im großen Interview mit der Sport-Bild gesagt, was allein schon für ihn und seine Bilanz spricht. Bobsport findet in der Illustrierten gewöhnlich bestenfalls unterm Kleingedrucktem statt. Sein Vorbild, hat er in dem Gespräch verraten, sei Michael Schumacher. „Ich habe bei Schumi dieselbe Mentalität wie bei mir selbst gesehen. Er wollte immer gewinnen, hat aus jedem Teammitglied das Optimale herausgeholt“, vergleicht Friedrich.

Wie das deutsche Formel-1-Idol versuche auch er, an jeder Stellschraube zu drehen, sich, seine Anschieber und das Umfeld immer weiter zu verbessern, und er findet: „Da bin ich wie Schumi. Wenn man diese Mentalität nicht hat, ist man kein Siegfahrer, dann ist man immer nur gut dabei.“

Was Friedrich dabei hilft: Die Lust und Leidenschaft für das, was er tut. Bobfahren, sagt er gern, sei sein Beruf. Berufung trifft es besser. „Er will einfach nichts dem Zufall überlassen, darin liegt die Kunst des Könnens. Die beherrscht Franz wie kein anderer im Bobsport“, sagt sein Trainer Gerd Leopold.

Nächstes Ziel: Der Weltcup-Rekord von André Lange

Für den Riesaer kommt der neuerliche Erfolg des Teams, zu dem neben Margis auch die Anschieber Candy Bauer, Martin Grothkopp und Alexander Schüller gehören, daher wenig überrascht. „Im Sommer haben sie auf der Anschubstrecke in Riesa binnen vier Wochen zwei neue Bestzeiten aufgestellt. Das war ein Gradmesser für die starke Form. Zudem haben sie eine sehr positive Einstellung trotz der derzeit schwierigen Umstände “, sagt Leopold.

Die nächsten Ziele sind klar: Siege bei der WM im Februar 2021, die coronabedingt wieder in Altenberg stattfindet, dazu möglichst erneut zweimal Gold bei Olympia 2022 in Peking. „Ich müsste dann 2026 noch einmal Olympiasieger werden, um die meisten Goldmedaillen im Bobfahren bei Olympischen Spielen zu haben“, sagt Friedrich, der dann immerhin 36 Jahre alt wäre. Zuzutrauen ist es ihm aber allemal.

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Doch erst mal geht es am Wochenende in Innsbruck weiter – und dem nächsten Rekord, der jetzt für Friedrich in Reichweite liegt. André Lange, bis 2010 der Dominator im Eiskanal, hat 45 Weltcup-Siege eingefahren, Friedrich steht aktuell bei 42. Und dann werden am Sonntag ja auch Deutschlands Sportler des Jahres gekürt. Ein Bob-Team hat da noch nie gewonnen...

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