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Große Enttäuschung für Sachsens besten Biathleten

Der Altenberger Biathlet Justus Strelow über seinen erfolgreichen Weltcup-Auftakt, das Missgeschick am Tag danach - und die Versetzung in den zweitklassigen IBU-Cup.

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Stirnrunzeln bei Justus Strelow. Der beste sächsische Biathlet erlebt in Östersund einen Saisonstart mit Höhen und Tiefen.
Stirnrunzeln bei Justus Strelow. Der beste sächsische Biathlet erlebt in Östersund einen Saisonstart mit Höhen und Tiefen. © picture alliance / Foto Huebner

Östersund. Über sein erstes Weltcup-Wochenende vor Zuschauern kann Justus Strelow viel erzählen. Der beste sächsische Biathlet war im ersten Rennen der Saison als 13. sogar bester Deutscher in Östersund und schaffte damit die halbe Olympianorm. Einen Tag später stürzte der 24-Jährige von der SG Stahl Schmiedeberg im Sprint und lief chancenlos auf Rang 48.

Die ganz große Enttäuschung kam für ihn nach den Rennen. Beim zweiten Teil des Weltcups in Östersund am kommenden Wochenende ist er nicht mehr mit dabei, die Trainer haben sich gegen ihn und damit vermutlich für Philipp Horn entschieden. Auf einer langen Autofahrt am Montag nimmt sich Strelow die Zeit für ein Interview mit der Sächsischen Zeitung.

Justus Strelow, wo erwischen wir Sie gerade?

Irgendwo auf der Fahrt nach Sjusjoen in Norwegen.

Dort findet der nächste IBU-Cup statt, die zweite Liga im Biathlon. Dann haben sich also die Trainer vorerst gegen einen weiteren Start von Ihnen im Weltcup entschieden. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Das ist schon eine große Enttäuschung. Ich habe natürlich gehofft, dass ich noch mal das Vertrauen bekomme, weiter im Weltcup zu laufen. Ich muss jetzt sehen, dass ich im IBU-Cup meine Leistung abrufe, um mich wieder für den Weltcup anzubieten.

Wie gehen Sie damit um? Die Entscheidung hätte nach dem Wochenende durchaus auch zu Ihren Gunsten ausfallen können ...

Die Saison ist jung, es gibt noch genug Möglichkeiten für gute Ergebnisse. Es geht jetzt darum, dass ich läuferisch an die Leistung aus der Vorbereitung anknüpfen kann. Da war ich jetzt nicht zufrieden, wie Östersund gelaufen ist, und hoffe, dass ich meine Form wiederfinde.

Warum ging es im Laufen noch nicht so wie erwünscht?

Es waren schwierig zu laufende Bedingungen, aber die hatten ja alle. Die Strecke in Östersund ist nicht gerade für mich gemacht, es geht nur hoch und runter, keinen Meter geradeaus außer im Stadion. Die Strecke ist sehr fordernd. Da kommen schnell größere Abstände zustande als bei einem leichteren Kurs.

Es war Ihr zweiter Weltcup-Einsatz und der erste mit Zuschauern. Wie haben Sie die Atmosphäre erlebt?

Es war schön, dass Zuschauer da waren. Die haben natürlich mehr die Schweden angefeuert. Ich war da ein bisschen unter dem Radar. Da hat sich nichts groß im Stadion getan, als ich reingelaufen bin.

Wie fällt Ihr Fazit zu den beiden Auftakt-Rennen aus?

Der Samstag war besser, als ich mir erhofft hätte. Mit dem 13. Platz im Einzel bin ich zufrieden, vor allem, dass ich mein Schießen durchgebracht habe. Ich bin noch nicht so viele Rennen über 20 Kilometer gelaufen. Denn im IBU-Cup sind es meist nur 15 Kilometer, da geht es selten über die volle Distanz.

Beinahe hätten Sie am Start ohne Ski gestanden. Was war passiert?

Es war noch mehr als genügend Zeit und keine Stresssituation – aber die Fernsehkamera hat natürlich voll draufgehalten. Ich habe bei meiner Betreuerin meine Sachen abgelegt und bin zum Start gegangen. Nach etwa zehn Schritten hat sie mir hinterhergerufen, dass ich meine Ski brauche. Fünf Sekunden später wäre mir auch eingefallen, irgendwas brauche ich doch noch ...

Das Missgeschick am Sonntag mit dem Sturz war schon etwas verhängnisvoller. Was war los?

Sonntag war eher ein Tag zum Vergessen. Ich bin relativ unspektakulär mit meinem Ski auf einer Eisplatte weggerutscht, dann lag ich auf der Seite – nichts Dramatisches, sieht unglücklich aus, ist doof. Die kleine Unachtsamkeit hat aber schon gereicht. Mein Stock ist gebrochen. Es passierte an einer Stelle, an der man sehr viel Schwung mit in den Gegenhang nimmt. Das hat viel Zeit gekostet. Nach dem Sturz bin ich nicht mehr richtig in den Rhythmus gekommen.

Trotz des Sturzpechs blieben Sie nervenstark am Schießstand.

Das hat mir – ehrlich gesagt – auch nichts mehr gebracht, ob ich dann mit Null durchkomme oder nicht. Es ist natürlich gut, dass mir das gelungen ist und ich einen kühlen Kopf bewahrt habe. Doch im Rennen hat mir das nicht weitergeholfen.

Wie gehen Sie jetzt die nächsten Rennen nach der Versetzung in den zweitklassigen IBU-Cup an?

Ich will versuchen, meine Leistung weiter abzurufen, gerade am Schießstand, und dann schauen, wie ich mich läuferisch im IBU-Cup verkaufe. Ich hoffe natürlich, dass es mir dort etwas leichter fällt als zuletzt in Östersund.

Wann haben Sie die Chance, in den Weltcup zurückzukehren?

Das weiß ich nicht. Der nächste Wettkampf ist schon an diesem Mittwoch in Sjusjoen, danach haben wir ein Wochenende Pause. Da fahre ich zum Heimtraining nach Oberhof. Am letzten Wochenende vor Weihnachten sind dann die nächsten Rennen im IBU-Cup in Obertilliach.

Das Gespräch führte Michaela Widder.