merken
PLUS Sport

Der eine will Spaß, der andere den Olympiasieg

Deutschlands Bobpiloten bereiten sich höchst unterschiedlich auf Olympia vor. Ab jetzt sind sie in Peking gefordert.

Der eine schwitzt unter der Sonne Spaniens, der andere im Kraftraum: die deutschen Bobpiloten Johannes Lochner (links) und Francesco Friedrich.
Der eine schwitzt unter der Sonne Spaniens, der andere im Kraftraum: die deutschen Bobpiloten Johannes Lochner (links) und Francesco Friedrich. © picture alliance | Frank May, Ma

Peking. Olympia in Peking beginnt für die Bobfahrer diese Woche, wann und wie genau ist noch offen. Vor dem Abflug nach China am Montagabend wussten Francesco Friedrich und die deutsche Nationalmannschaft jedenfalls bis zuletzt nicht, was sie vor Ort erwartet. „Fast täglich kam eine Mail mit neuen und immer wieder auch anderen Informationen“, sagt Friedrich.

Längst ist der Pirnaer nicht nur zweifacher Olympiasieger und Rekordweltmeister, sondern auch Sprachrohr für eine gesamte Sportart – die in den nächsten gut drei Wochen auf der neuen Olympiabahn in Yanqing rund 90 Kilometer nordwestlich von Peking zusammenkommt. Während die Chinesen dort seit anderthalb Jahren trainieren, wird es für die internationale Konkurrenz die erste Begegnung.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Vorab ist ein Corona-negativer PCR-Test verpflichtend, auch für Friedrich als Genesener, um überhaupt in das Flugzeug nach China steigen zu dürfen. Dass den Bobpiloten bei den Trainingswochen jeweils 40 bis 45 Fahrten zustehen, schreibt der Weltverband vor. Viel mehr ist weder bekannt geworden noch geregelt.

„Eigentlich müssten wir in Peking gleich loslegen können, weil keine Quarantäne notwendig ist. Wurde uns gesagt. Ob wir aber zum Beispiel zwischen den Trainingseinheiten aus dem Hotel dürfen, weiß keiner“, erzählt Friedrich, der sich selbst als Perfektionist bezeichnet.

Francesco Friedrich beim Test des "Legpress Athetics"-Geräts in der Dresdner Uni-Klinik.
Francesco Friedrich beim Test des "Legpress Athetics"-Geräts in der Dresdner Uni-Klinik. © Matthias Rietschel

Geht es um seinen Beruf als Bobpilot, der für den 31-Jährigen mehr denn je Berufung ist, will er nichts dem Zufall überlassen. Das ist seine Konsequenz nach dem Olympia-Debakel von Sotschi 2014, das für ihn mit den Plätzen acht und zehn endete. Vier Jahre später fuhr er in Pyeongchang im Zweier sowie mit dem Vierer zum Sieg.

Den Gold-Coup will er nun im Februar 2022 in Peking wiederholen – und damit für den nächsten Superlativ sorgen. Zweimal zwei Olympiasiege hat noch keiner vor ihm geschafft. Schon die Reisevorbereitungen für Peking fielen deshalb noch akribischer aus als ohnehin. „Ich könnte 35 Stunden pro Tag gebrauchen, so viel ist gerade mal wieder zu tun“, meint Friedrich.

Die Transportkosten sind explodiert

Beim ersten Eis-Lehrgang vor zwei Wochen in Winterberg ging es diesmal nicht nur ums Einfahren nach dem Sommer. Vor allem sichteten der Pilot und seine Anschieber, zu denen neben Thorsten Margis, Martin Grothkopp, Candy Bauer und Alexander Schüller seit dieser Saison auch der erfahrene Alexander Rödiger gehört, das Material. Was kommt für Peking infrage, was muss unbedingt mit? „Ich denke, wir sind auf einem guten Weg“, sagt Friedrich, was man auch beim Verband gerne hört.

China ist nicht um die Ecke, und die Transportkosten sind pandemiebedingt exorbitant gestiegen. Ein Bob-Container – beladen mit einem Schlitten – nach Fernost kostete vor vier Jahren rund 3.000 Euro, momentan wird für diese Luftfracht mehr als das Siebenfache verlangt. Selbst für die im Vergleich zu den vielen kleinen Bob-Nationen finanziell sehr gut aufgestellten Deutschen ist das ein Kraftakt. Der Materialcontainer wurde kurzerhand gestrichen, verteilt werden Werkzeug und Kleinteile jetzt auf die Taschen.

Zur Komplexleistung Bob gehört darüber hinaus die Athletik, von jeher die Paradedisziplin bei Friedrich. Bei der internen Leistungsüberprüfung Mitte September in Oberhof waren seine Anschieber wieder mit Abstand die Schnellsten. Um dieses hohe Niveau zu halten, auch in den drei Wochen China, hat das Team vor dem Abflug noch einmal gezielt im Kraftraum gearbeitet.

„Wir wissen ja wie gesagt nicht, was uns in Peking erwartet“, erklärt Friedrich. Eine Auszeit, wie sie sich der ebenfalls für Olympia gesetzte Teamkollege Johannes Lochner und dessen Anschieber genehmigt haben – für Friedrich undenkbar. „Das kam für mich nicht infrage, gerade in der jetzigen Situation“, sagt er.

Johannes Lochner beim Go-Kart-Fahren im "Club der Besten".
Johannes Lochner beim Go-Kart-Fahren im "Club der Besten". © picture alliance | Frank May

Bis Samstag war Team Lochner, in der Vorsaison meist Zweiter hinter Dauersieger Friedrich, auf Einladung der Sporthilfe für eine Woche mit den deutschen Sommer-Olympioniken im „Club der Besten“ in Südspanien. Man könnte es kurz fassen: Die einen schwitzten in der Sonne, die anderen beim Training. Und abgerechnet, das wissen alle und das gilt für die Nischensportart Bob besonders, wird bei Olympia, diesmal im Yanqing Sliding Centre.

20 Fahrten hat Friedrich seit August bereits im von Verbandspartner BMW für die Olympiavorbereitung programmierten Simulator absolviert. „Das hat viel gebracht. Ich kenne die Kurvenreihenfolge genau. Aber in der Bahn ist es doch etwas anderes“, erklärt er – und erinnert sich nur ungern ans Kennenlernen der Olympiabahn vor vier Jahren.

Weiterführende Artikel

Neue Olympia-Bobbahn: Deutsche in Peking dominant

Neue Olympia-Bobbahn: Deutsche in Peking dominant

Nach den ersten Rennen auf der neuen Olympiabahn ist Bob-Rekordweltmeister Francesco Friedrich auf dem besten Weg, eine neue Bestmarke zu erreichen.

Bobbahn Altenberg startet Saison mit zwei Titelkämpfen

Bobbahn Altenberg startet Saison mit zwei Titelkämpfen

Kaum ist die Bahn vereist, gibt es die ersten Titel. Im Skeleton ist das fast Nebensache, im Rodeln von olympischer Bedeutung.

Bob-Dominator Friedrich begeistert von Bahn in Peking

Bob-Dominator Friedrich begeistert von Bahn in Peking

Olympiasieger und Rekordweltmeister Francesco Friedrich aus Pirna darf erstmals auf der neuen Olympiabahn fahren, und er spricht von einem Superlativ.

Podcast Dreierbob: Die Wintersport-Saison wird lang

Podcast Dreierbob: Die Wintersport-Saison wird lang

Auch im bevorstehenden olympischen Winter geht Sächsische.de wieder mit dem Podcast Dreierbob an den Start. Zuvor wird aber noch etwas gefeiert.

Das habe sehr lange gedauert. Ein Ziel auszugeben für die nächsten drei Trainingswochen, sei kaum möglich. „Wir müssen die Fahrten hinkriegen, damit wir schnell mit dem Testen beginnen können. Und wir dürfen unsere Athletik nicht vernachlässigen“, sagt Friedrich.

Einen Wunsch hat er zudem noch, sozusagen teamübergreifend: „Ich hoffe, dass es keine Stürze gibt und wir alle gesund durchkommen.“ Die eigentliche Saison beginnt schließlich erst danach.

Mehr zum Thema Sport