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Baby an Bord - Rodel-Mamas zurück im Eiskanal

Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger sind nach erstaunlich kurzer Baby-Pause schon wieder Weltklasse. Mit der neuen Doppelrolle gehen sie unterschiedlich um.

Sie haben nicht nur die blauen Mützen und das Lächeln gemeinsam: Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger sind jetzt als Mütter im Eiskanal unterwegs
Sie haben nicht nur die blauen Mützen und das Lächeln gemeinsam: Natalie Geisenberger und Dajana Eitberger sind jetzt als Mütter im Eiskanal unterwegs © dpa/Martin Schutt

Ein Empfangskomitee an der Bahn gab es nicht, keine Girlanden oder gar eine Babyparty. Die Begrüßung vorm ersten Weltcup dieses Wochenende in Innsbruck, so erzählt es die deutsche Weltklasse-Rodlerin Dajana Eitberger, sei trotzdem sehr herzlich gewesen. „Alle sind super interessiert, gerade die älteren Sportler fragen nach – vielleicht auch, um selber mal so ein Abenteuer zu wagen“, sagt Eitberger und meint das Abenteuer „Hochleistungssport als junge Mutter“.

Zu berichten haben die 29-Jährige und auch ihre Teamkollegin Natalie Geisenberger jedenfalls reichlich. Nun gibt es inzwischen etliche, auch sehr erfolgreiche Beispiele, dass sich das eine mit dem anderen nicht ausschließt. Hat es immer schon gegeben. Doch die beiden deutschen Frauen sind nach der Entbindung so schnell in den Eiskanal zurückgekehrt, dass viele staunen und mancher tatsächlich mehr als nur nachfragt: Kann das gut gehen?

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Gesundheitlich bestehen da erst einmal keine Zweifel, das haben Eitberger und Geisenberger natürlich abgeklärt. Und sportlich ist es offenbar auch kein Problem. Nur 204 Tage nach der Geburt ihres Sohnes Leo am 2. Mai raste Geisenberger bei der deutschen Meisterschaft am vergangenen Wochenende zum Titel, am Freitag gewann sie nun den Nationencup in Innsbruck, qualifizierte sich damit fürs Weltcup-Rennen am Sonntag – und wird nächste Woche auch bei der zweiten Station in Altenberg wieder um den Sieg fahren. „Ich bin nicht der Typ, der einfach nur dabei ist“, sagt Geisenberger. Vier Olympiasiege hat die Miesbacherin eingefahren, dazu neun WM-Siege. Den zehnten Titel will die 32-Jährige im Januar auf der Heimbahn in Königssee gewinnen.

Auch Eitberger, die ihren Sohn Levi am 21. Februar zur Welt brachte, hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Dritte bei der deutschen Meisterschaft, Dritte beim Nationencup – so soll es im Weltcup jedoch nicht weitergehen. „Ich hoffe nicht, dass ich diesen Platz für diesen Winter gebucht habe“, sagt die Ilmenauerin, um sich gleich selbst zu korrigieren. „Ich bin auch froh über so kleine Erfolge, die ich schon wieder beschnuppern darf. Und ein bisschen fühlt es sich ja doch wie eine Goldmedaille an. Dass ich so gut wieder reinkomme, hätte ich nicht gedacht“, sagt Eitberger.

Bundestrainer Norbert Loch wiederum hat das gar nicht anders erwartet. Er kenne den Ehrgeiz seiner Sportlerinnen, so Loch, und sei deshalb „nicht überrascht“. Schon als Geisenberger und Eitberger im Oktober die ersten Fahrten im Eiskanal absolvierten und er die Schlittenlage in den Kurven sah, sei ihm klar gewesen: „Das wird was.“

Komplizierter ist ohnehin der neue Alltag außerhalb der Bahn. Doch auch da gibt es zumindest vom Bundestrainer, der die Konstellation ganz pragmatisch sieht, nur lobende Worte. „Ihre Mama-Rolle füllen sie zu Hause aus, privat, im Hotel und wo sie auch immer sind mit ihren Partnern. Das halten sie fern von der Bahn, denn da gehören auch keine Kleinstkinder und Ehemänner hin. Das machen sie hervorragend, das muss ich sagen. Sonst hätte ich mich schon gerührt“, erklärt Loch und bezeichnet das Verhalten der jungen Mütter als nachahmenswert: „Es sollen jetzt nicht gleich alle schwanger werden, aber Natalie und Dajana zeigen, was möglich ist.“

Sie hat schon wieder allen Grund zum Jubeln. Natalie Geisenberger gewinnt nach der deutschen Meisterschaft auch den Nationencup. Jetzt geht es im Weltcup weiter.
Sie hat schon wieder allen Grund zum Jubeln. Natalie Geisenberger gewinnt nach der deutschen Meisterschaft auch den Nationencup. Jetzt geht es im Weltcup weiter. © dpa/Martin Schutt

Fragt man die Frauen, ist die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr nicht nur rosarot. Geisenberger, die ihren Sohn noch stillt („Das ist mir wichtig“) und ihn deshalb auch zu Training und Wettkämpfen mitnimmt, erzählt dann von den Anstrengungen des Tages. „An Nummer eins steht mein Kind, an zwei“, sie überlegt kurz, „Sport und Familie. Für mich selbst bleibt keine Zeit. Am Abend denke ich, das war echt wieder hart heute. Und das ist öfter vorgekommen in letzter Zeit, weil ich nur noch unterwegs bin“, sagt Geisenberger.

Die Partnerschaft, ergänzt Eitberger in Bezug auf ihren Freund, werde gerade hintenangestellt. Das bringt das neue Leben mit sich. Wobei die Männer die ersten sind, die ihre Frauen unterstützen.

Das Betreuungssystem Geisenberger funktioniert zum Beispiel so: Ihr Ehemann ist immer mit dabei und arbeitet im Home-Hotel-Office, wie sie es ausdrückt. Zudem passt ihr Vater regelmäßig auf seinen Enkel auf. „Das ist logistisch nicht ganz einfach. Aber es ist genau so, wie wir es uns gewünscht haben. Dass es stressig wird, war klar“, sagt Geisenberger.

Unmittelbar vor dem ersten Trainingslauf nach der Geburt fragte sie sich dennoch: „Will ich das noch, brauche ich das überhaupt noch?“ Im Ziel gab sie sich die Antwort sofort: „Ja, ich will noch. Es war gleich ein Bauchkribbeln da.“ Die Freude an ihrem Sport, der Wettstreit mit anderen, das treibt die beiden Frauen an. „Ich merke für mich persönlich aber, dass ich in der Rolle als Mutter ein Stück weit reifer bin und über ganz andere Sachen nachdenke als die jungen Hühner“, sagt Eitberger, die ihren Sohn lieber zu Hause weiß.

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Für Geisenberger noch ein Ding der Unmöglichkeit. „Das schafft mein Mutterherz nicht. Ich habe mir vor der Schwangerschaft klar gesagt: Wenn ich ein Comeback probiere, muss mein Kind dabei sein“, sagt sie, was spätestens im Februar zum echten Problem wird: Dann findet der Weltcup auf der neuen Olympiabahn in Peking statt. „Für diese Zeit muss ich mir etwas überlegen“, sagt Geisenberger. Eine Schulter zum Anlehnen und Ausheulen gibt es auf jeden Fall, Eitberger sitzt dann neben ihr.

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