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Sächsischer Bob-Deal: Drei gegen den Rest der Welt

Diese Bob-Allianz ist neu und weltweit einmalig. Etwas Besseres, sagt der Pirnaer Dauerweltmeister Francesco Friedrich, könne es nicht geben.

Drei Piloten, eine sächsische Bob-Allianz: Richard Oelsner, Francesco Friedrich und Maximilian Illmann.
Drei Piloten, eine sächsische Bob-Allianz: Richard Oelsner, Francesco Friedrich und Maximilian Illmann. © Stephan Klingbeil/KSB

Er könnte sich gratulieren lassen, jetzt, wo alles gut gegangen ist und erst recht bei dem feierlichen Anlass. Dass es nun eine Bob-Allianz Sachsen gibt, also einen finanzstarken Sponsorenpool für drei mit- einander konkurrierende Piloten aus dem Freistaat und ihre Teams, ist weltweit einmalig – und Dietmar Wagners Verdienst.

Weil der Mann ein Macher ist, will er statt Glückwünsche entgegennehmen, aber lieber die Geschichte erzählen, wie es zu dem viel beachteten neuen Bündnis kam. Wie unerwartet ihn also im März am letzten Tag der Heim-WM in Altenberg das Karriere-Ende des Bobpiloten Nico Walther getroffen hat. Eben noch war der gebürtige Freitaler auf den dritten Platz gefahren, der Jubel groß – und plötzlich Schluss. „Für mich ein Hammer“, entfährt es Wagner, Geschäftsführer des Kreissportbundes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, immer noch mit hör- wie sichtbarer Emotionalität. 

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Entsetzte Sponsoren nach Walthers Rücktritt

Dabei liegt Walthers Rücktritt mehr als ein halbes Jahr zurück. Wagner, ein Bobverrückter im allerbesten Sinn, dazu Initiator und kreativer Kopf von Walthers Sponsoren-Allianz, stand damals im Festzelt an der Bobbahn und um ihn herum nicht minder entsetzt all die Geldgeber und Förderer. Doch Wagner war es, der vier Jahre lang diese Freitaler Unterstützergemeinschaft aufgebaut hatte. 

Es sollte ein Pendant sein zu der seit 2011 von ihm in Pirna geradezu vorbildlich und erfolgreich funktionierenden Sponsoren-Allianz für den zum Rekordweltmeister aufgestiegenen Francesco Friedrich. Alles lief nach Plan, auch bei Walther – was im Bobsport besonderer Anstrengungen bedarf. Und nun dieses überraschende Karriere-Ende, das Wagner auch persönlich nahe ging.

Bob-Pilot Nico Walter trat nach der Heim-WM in Altenberg zurück.
Bob-Pilot Nico Walter trat nach der Heim-WM in Altenberg zurück. © Egbert Kamprath

Weil es jedoch in Sachsen nicht zuletzt wegen engagierter Leute wie ihm nicht an Bobpiloten mangelt, ließen neuerliche Anfragen nicht lange auf sich warten. Ob er denn … Schließlich gibt es den Altenberger Richard Oelsner, 25 Jahre alt, mehrfach Junioren-Weltmeister und zuletzt WM-Fünfter auf der Heimbahn, sowie mit dem 22-jährigen Chemnitzer Maximilian Illmann einen Senkrechtstarter, der erst seit drei Jahren Bob fährt und als riesiges Talent gilt.

Mehrmals, erzählt Wagner, habe er abgesagt, erneut eine Sponsoren-Allianz aufzubauen, erst recht in den auch wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit dem Coronavirus. An Ideen fehlt es einem wie ihm nicht, es ist die Zeit. „Das alles muss ja auch umgesetzt werden“, betont der 64-Jährige, der sich am Ende doch überreden ließ.

Sechsstellige Kosten für den Top-Piloten und sein Team

Denn mit den Bobs, die der Verband stellt, ist es längst nicht getan. Anschieber, Kufen, Trainingslager und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen wie Teamlogos und Internetseiten bis hin zu Transportern, um die Schlitten von einer Bahn zur anderen zu bringen: Das alles ist Pilotensache und ein mittlerer fünfstelliger Saisonetat dafür das Mindeste. Will man wie Friedrich – viermal Olympiasieger und neunmal Weltmeister – auf Dauer Weltspitze sein, steigen die Kosten ins Sechsstellige. 

Ohne Sponsoren sei das unmöglich. „Es ist verdammt wichtig, dass uns der Rücken freigehalten wird“, sagt Friedrich. Etwas Besseres als die Bob-Allianz könne speziell jungen Piloten deshalb nicht passieren. Denn auf Wagner und sein Team vom Kreissportbund ist Verlass, das hat sich rumgesprochen. Wenn der leidenschaftliche Hobby-Fußballer etwas anfasst, dann mit 100 Prozent. Dann wird durchgezogen bis zum Schluss.

Geht nicht, gibt´s nicht. Was Dietmar Wagner, Geschäftsführer des Kreissportbundes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge anpackt, zieht er hundertprozentig durch.
Geht nicht, gibt´s nicht. Was Dietmar Wagner, Geschäftsführer des Kreissportbundes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge anpackt, zieht er hundertprozentig durch. © Daniel Förster

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Die Bob-Allianz Sachsen steht indes erst am Anfang. Rund 100 kleine, mittlere und große Sponsoren aus der Region sowie der Freistaat mit der Kampagne „So geht sächsisch“ engagieren sich in dem Bündnis, das die für den BSC Sachsen Oberbärenburg fahrenden Piloten Friedrich, Oelsner und Illmann unterstützt. „Das ist eine Win-Win-Situation für Sachsen, die drei Teams und auch für die Sponsoren der Bob-Allianz. Es geht um internationale Erfolge und Aufmerksamkeit“, sagt Wagner, der im Prinzip wie ein Bob funktioniert.

Einmal in Fahrt ist er nur schwerlich aufzuhalten. Für einen Moment hält er am Dienstagabend bei der Präsentation der Bob-Allianz auf Schloss Burgk in Freital aber kurz inne und stellt zufrieden wie erstaunt fest, sich immer wieder auch selbst zu überraschen: „Wir haben in kürzester Zeit etwas aufgebaut, was ich nicht erwartet hätte.“ Man möchte ihm fast gratulieren.

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