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So wappnen sich Skigebiete für Schneemangel

Laut einer Studie drohen im Bautzener Oberland immer mehr grüne Winter. Vereine und Gemeinden sehen das gelassen - aber andere Probleme.

Günther Rößler (l.) und Reiner Schwaar vom Sohlander Skiclub haben keine Angst vor schneearmen Winter. Dank moderner Ausstattung ist Skisport im Ski-Areal Tännicht das ganze Jahr über möglich.
Günther Rößler (l.) und Reiner Schwaar vom Sohlander Skiclub haben keine Angst vor schneearmen Winter. Dank moderner Ausstattung ist Skisport im Ski-Areal Tännicht das ganze Jahr über möglich. © Steffen Unger

Sohland. Steigende Temperaturen, weniger Frosttage, dafür mehr Niederschlag. Wintersportlern dürften die Prognosen für das Skigebiet im Sohlander Ortsteil Tännicht, zu denen eine neue Studie des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie kommt, gar nicht gefallen. Demnach bestehe Grund zu der Annahme, dass Niederschlag infolge des Klimawandels in Zukunft wesentlich häufiger als Regen denn als Schnee auf die Erde fällt. Besonders betroffen seien davon Wintersportgebiete, die unterhalb von 800 Metern über dem Meeresspiegel liegen. So wie das Ski-Areal Tännicht, das sich auf Höhen zwischen 386 und 440 Metern erstreckt. Das Fazit der Studie: "Für schneegebundene Aktivitäten heißt dies, dass Winter mit hinreichend Schnee deutlich seltener werden."

Bedeutet das das Ende einer langen Tradition im skibegeisterten Oberland? Reiner Schwaar vom Verein "Skiclub Sohland 1928" winkt lächelnd ab: "Skisport nur mit Schnee zu verbinden, ist ein Denkfehler. Wintersportler werden im Sommer gemacht", sagt er.  Schon längst sei die Nordische Kombination - Skisprung und Langlauf -, wie sie im Sohlander Skiverein trainiert wird, eine Ganzjahressportart. Bereits 1959 habe man die Sprungschanze im Tännicht zum ersten Mal mit Kunststoffmatten belegt, die das Training vom Schneevorkommen unabhängig machen.

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Langlauf wird mit Inline-Skates trainiert

Später wurde dieser Kunststoffbelag durch neuartige Matten ersetzt, die ähnliche Gleiteigenschaften wie Schnee haben, im Winter aber nicht mehr abgebaut werden müssen. Selbst der Anlauf der Schanze sei dank technischer Weiterentwicklungen inzwischen vom Schnee unabhängig. Langlauf würde darüber hinaus längst mit Ski-Rollern oder Inline-Skates trainiert, fährt Reiner Schwaar fort. Seit vergangenem Jahr gibt es auf dem Ski-Areal sogar einen öffentlich nutzbaren Skateparcours, damit die jüngsten Langläufer nicht mehr auf öffentlichen Wegen trainieren müssen. 

Zu guter Letzt gebe es ja dank großzügiger Sponsoren in Sohlands Skiareal Schneekanonen und einen Pistenbully, der den Schnee an die richtigen Stellen bringt, betont Vorstandsvorsitzender Günther Rößler. "Wenn kein Schnee ist, haben wir die Möglichkeit, uns selber welchen herzustellen", sagt er und gibt zu: "Blauer Himmel und eine weiße Schneedecke - das ist natürlich insbesondere für den Tourismus etwas ganz anderes als Skisport ohne Schnee."

Damit spricht er einen wichtigen Punkt an, denn er findet: "Der Schneemangel ist eher ein Problem in wirtschaftlichen Skigebieten. Wenn Sie für mehrere Millionen touristische Wintersport-Infrastruktur geschaffen haben und dann zwei, drei Jahre kein Schnee kommt, geht das natürlich an die Substanz." Die Mitglieder des Sohlander Skiclubs merkten das in erster Linie am Skilift: "Wenn er läuft, ist das natürlich immer eine gute Gelegenheit für uns als Verein, mit dem Verkauf von Glühwein und Bratwurst ein paar Euro in die Kasse zu spülen", sagt Rößler. "Wenn kein Schnee liegt, findet das natürlich nicht statt."

Monsterroller und Wintergrillen als Alternativen

Auch Sven Sutter, der in Neukirch am Fuße des Valtenbergs ein Fachgeschäft für Wintersport-Bedarf betreibt, klingt recht gelassen. Er sagt: "Klar gab es vor der Wende prozentual mehr Schnee. Aber vor zwei Jahren hatten wir hier auch einen recht schneereichen Winter. Und dann kommen die Leute auch." In den nächsten Jahren, ist er sich sicher, werde der Wintersporttourismus in der Region keinesfalls einbrechen.

Dennoch bemüht sich die Gemeinde Neukirch seit einigen Jahren vermehrt um eine Ausweitung des touristischen Angebots rund um ihren Hausberg. Ziel ist es, Wandern und Langlauf - die traditionellen Sportarten am Valtenberg - zu ergänzen und so den sanften Tourismus weiter auszubauen. So gibt es seit 2018 die Möglichkeit, mit Monsterrollern den Berg hinabzusausen. Auch Team-Events wie Wintergrillen und Eisstockschießen werden im Georgenbad am Fuße des Valtenbergs angeboten.

Das Oberland scheint gerüstet für Winter ohne Schnee. Für Sven Sutter ist die drohende Gefahr eine ganz andere: "Corona gefährdet die Wintersportgebiete in der Region viel mehr als der Schneemangel", ist er sicher und erklärt: "Wenn diese Wintersaison ausfällt, wird es im kommenden Jahr einige Angebote nicht mehr geben. Das dürfte für die Region verheerendere Folgen haben." 

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