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Kein Ski-Weltcup mehr am Dresdner Elbufer

Nach fünf Auflagen wird sich Dresden nicht wieder für das Spektakel am Elbufer bewerben. Der Cheforganisator nennt die Gründe und sagt, was er jetzt auf Skiern vorhat.

Von Michaela Widder
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Der Ski-Weltcup am Dresdner Elbufer sorgte für tolle Bilder – aber auch immer wieder für Kritik.
Der Ski-Weltcup am Dresdner Elbufer sorgte für tolle Bilder – aber auch immer wieder für Kritik. © Ronald Bonß

Dresden. Fünf Jahre lang hat es den Skilanglauf-Weltcup am Dresdner Elbufer gegeben, die Veranstaltung war beliebt wie umstritten. Nach den Rennen im vergangenen Dezember war bereits klar, dass Dresden im kommenden Winter nicht im Kalender steht. Mailand ist stattdessen als Austragungsort für den Citysprint gesetzt.

Für die Saison 2023/2024 hatten die Organisatoren in Dresden indes eine neuerliche Bewerbung geplant, der Weltcup sollte künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Doch daraus wird nun nichts. "Wir haben im Moment keine Bestrebungen, den Weltcup nach Dresden zurückzuholen", erklärt Organisationschef René Kindermann auf SZ-Anfrage – und nennt den Hauptgrund: "Die Finanzierung ist unter den momentanen Voraussetzungen für uns unmöglich." Selbst mit öffentlichen Zuschüssen, die es zuletzt sowohl vom Land als auch von der Stadt für den Weltcup gab, sei es derzeit finanziell nicht leistbar.

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Anders als beispielsweise im Biathlon-Weltcup, wo Preisgelder für die Athleten vom internationalen Verband gezahlt werden, müssen die Veranstalter im Ski-Langlauf künftig dafür selbst aufkommen. "Am liebsten will der Verband drei Wettkampftage, das sind dann schon mal 200.000 Euro allein an Preisgeld", so Kindermann. Der Gesamtetat des Citysprints in Dresden liegt bei rund 1,2 Millionen Euro. Eines der Hauptziele des neuen Weltverbandspräsidenten Johan Eliasch ist zudem die Zentralvermarktung sämtlicher Ski-Weltcups. Damit würde das für Dresden wichtige regionale Sponsoring so gut wie wegfallen.

Ein Pistenbully am Dresdner Elbufer.
Ein Pistenbully am Dresdner Elbufer. © Robert Michael

Der deutsche Skiverband (DSV) sowie die Verbände Österreichs, der Schweiz und Kroatiens wollen ohnehin die Wahl Eliaschs vom internationalen Sportgerichtshof CAS überprüfen lassen. Bei der Abstimmung im Mai gab es nur die Möglichkeit, für den britischen Multi-Milliardär zu stimmen oder sich zu enthalten, ein Nein war nicht möglich. "Da ist im Moment vieles im luftleeren Raumen. Man muss jetzt mal abwarten, wo es mit dem Langlauf überhaupt hingeht", sagt Kindermann.

Dresdner Weltcup-Bilanz fällt positiv aus

Die Bilanz für den Weltcup in Dresden im vergangenen Dezember, der zum zweiten Mal in Folge coronabedingt ohne Zuschauer stattfand, fällt zumindest positiv aus – auch finanziell, wie der Chef betont: "Wir sind mit einer schwarzen Null rausgegangen, auch weil uns der DSV mit einer Organisationspauschale und auch die FIS finanziell unterstützt hat und wir Corona-Zuschüsse erhalten haben." Der Aufwand für das Event habe sich ohnehin gelohnt. "Wir haben in den Jahren tolle Bilder von Dresden in die Welt gesendet und uns als weltoffene Stadt präsentiert. Vor allem in einer Zeit, in der nicht viel los war, haben wir für die regionale Wirtschaft eine Menge getan", sagt Kindermann.

Der Weltcup war nicht nur eine Veranstaltung für die Weltspitze im Langlauf, vor allem Kinder profitierten anschließend von dem 650 Meter langen weißen Kunstschneeband am Königsufer. In der Schulsportwoche, die viermal stattfand, bewegten sich insgesamt 2.500 Kinder auf Skiern. Mit Olympiamedaillengewinner Tobias Angerer hatte Dresden dafür ein prominentes Gesicht gewonnen.

"Wir haben so viel positives Feedback bekommen, dass wir über eine Fortsetzung nachdenken", sagt Kindermann. Der König-Ludwig-Lauf, ein Volksskilauf in den Ammergauer Alpen, hat die Dresdner Idee aufgenommen und auch die Sportstunde auf Skier verlegt. Auch der Sachsencup für den Nachwuchs habe mit 600 Teilnehmern so viele wie nie zuvor gehabt. Es sei nicht verkehrt, so Kindermann, den Sport auch zu den Menschen zu bringen. Das ist der generelle Ansatz des City-Sprints.

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Zumindest die Schneeproduktion wäre auch künftig gesichert. Der DSV hat seine zwei Container der Firma Snowfactory, die den nötigen Kunstschnee produziert, weiterhin in einem Hangar am Flughafen Klotzsche stationiert. Die Schneemaschinen arbeiten ohne chemische Zusätze, dafür mit Öko-Strom und der Nutzung des Regenwassers vom Dach des Flughafens und damit "so ressourcenschonend wie möglich". Das hatten die Organisatoren stets betont – was die Kritik am Weltcup auch von Umweltschützern nicht schmälerte.

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