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Vierschanzen-Tournee: Chaos um Test

Nach einem Corona-Befund wurde das polnische Team - und damit auch der Titelverteidiger - fürs Auftaktspringen gesperrt. Doch ein Nachtest war negativ.

Viel Schnee, leere Tribünen und keine Polen: Der Auftakt der Vierschanzentournee verlief nicht nach Plan.
Viel Schnee, leere Tribünen und keine Polen: Der Auftakt der Vierschanzentournee verlief nicht nach Plan. © Foto: dpa/Daniel Karmann

Die ersten Favoriten sind womöglich schon vor dem Auftakt-Sprung raus: Nach einem positiven Corona-Test startet die Vierschanzentournee wohl ohne den polnischen Titelverteidiger Dawid Kubacki, Olympiasieger Kamil Stoch und dessen Skisprung-Teamkollegen. „Wir bedauern diese Entscheidung sehr, doch zum Schutz aller anderen Athleten blieb dem Gesundheitsamt keine andere Wahl“, wird Florian Stern, Generalsekretär beim Auftaktspringen in Oberstdorf, in einer Mitteilung zitiert. Der Pole Klemens Muranka war zuvor positiv auf das Virus getestet worden.

Am Montagabend, als der 26-Jährige plötzlich einen zweiten und diesmal negativen Befund bekam, war das Chaos perfekt. Der polnische Verband fordert eine Wiederholung und drängt darauf, am Dienstag auf der Schattenbergschanze an den Start gehen zu können.Insgesamt ergaben die in den vergangenen Tagen rund um die Tournee durchgeführten 760 Tests vier positive Ergebnisse. Aus dem deutschen Team wurde ein Physiotherapeut positiv getestet. Er ist bereits abgereist und hatte nach Verbandsangaben keinen Kontakt zum Skisprung-Team. Ebenfalls positiv getestet wurde ein Helfer der Organisatoren und ein Mitglied einer internationalen TV-Station.

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Die Tests von Murankas Teamkollegen fielen zwar negativ aus, sie zählen jedoch zur sogenannten Kontaktgruppe 1, hatten also entweder über 15 Minuten lang direkten Kontakt von Angesicht zu Angesicht mit Muranka oder befanden sich länger als 30 Minuten gemeinsam mit ihm in einem geschlossenen Raum oder Fahrzeug.

Der Ausschluss, so er denn Bestand hat, gilt zunächst nur für den Tournee-Beginn im Allgäu. Über den kompletten Umfang der Quarantänemaßnahmen für Springer und Betreuer ist laut Veranstalter noch nicht entschieden worden. Bleibt es bei der Sperre, würde es für Kubacki nichts mit der erfolgreichen Titelverteidigung, und auch Stoch könnte die Hoffnungen auf einen dritten Tournee-Sieg begraben. Der Ausfall eines ganzen Wettkampfes wäre nicht zu kompensieren.

Drei polnische Siege in den letzten zwölf Jahren

Der Ausschluss würde das Skispringen hart treffen. In der Sportart, in der nur einige Athleten aus wenigen Nationen das Rennen um den Goldenen Adler unter sich ausmachen, wäre der Ausfall von gleich zwei Mitfavoriten ein schwerer Schlag. In den vergangenen zwölf Jahren kamen die Tournee-Gewinner nur aus vier Ländern: Dreimal triumphierten Polen.

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Auch bei der Qualifikation im dichten Schneetreiben zeigte sich, dass der sportliche Wert der Tournee nicht vergleichbar ist mit dem vergangener Jahre. Zwar konnten sich neben den Mitfavoriten Markus Eisenbichler und Karl Geiger noch neun weitere deutschen Athleten für die K.o.-Duelle der besten 50 Springer qualifizieren – allerdings traten am Montag insgesamt auch nur 55 Sportler an.

Muranka hatte seinen positiven Test selbst in den sozialen Medien bestätigt. Polens Sportdirektor, der ehemalige Skispringer Adam Malysz, sagte: „Noch vor zwei Tagen hatten wir einen Test, dort waren alle Ergebnisse negativ. Es ist seltsam.“

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