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Sportgeschichte geschrieben

Während des ersten UCI Weltcups im Radsport in Kamenz ging es heiß her. Die Weltmeister straucheln. Die Lokalmatadoren werden Letzter – und gefeiert.

© Jonny Linke

Von Jonny Linke

Kamenz. Was für ein Wort: Weltcup! Premiere in der Turnhalle am Flugplatz in Kamenz; am Sonnabend ging hier der UCI Weltcup im Radball übers Hallenparkett. Organisiert von der SG Lückersdorf. Es war dabei ein lang gehegter, großer Traum, der für die Lückersdorfer in Erfüllung ging. Und der Anfang lag im Juli letzten Jahres . Der weltweite Ausrichter der spannenden Radballserie gab der SG Lückersdorf den Zuschlag – Heiner Slota und sein Team kamen aus dem Jubel gar nicht mehr heraus. „Das ist eine hohe Ehre für uns, aber auch eine große Herausforderung“, sagte der Vereinschef damals. Und neben der Freude, war auch die Anspannung zu hören.

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Doch die große Herausforderung ist perfekt umgesetzt worden. Wochenlang haben die rund 35 Mitglieder der Abteilung Radball an den Planungen gegrübelt, bis ins letzte Detail organisiert und sogar einen Internet-Livestream für alle Fans in Deutschland und den weiteren teilnehmenden Ländern auf einer namhaften Sportseite zur Verfügung gestellt.

Schon am Veranstaltungsmorgen strömten zahlreiche Zuschauer in die Halle, um sich die Vorrundenspiele der Zweiradpiloten anzusehen. Und die Nummernschilder der parkenden Autos zeigten deutlich, dass das Interesse weit über Kamenz und Sachsen hinausreicht. Deutlich wurde außerdem: Radball ist etwas für Profis, für Gleichgewichtsfanatiker, für ehrgeizige hoch präzise Sportler. Denn das Tempo, das zwischen dem Vorwärts- und Rückwärtsfahren entscheidet, wird nach Bruchteilen von Sekunden berechnet. Dazu muss auch der Ball präzise mit dem Vorderrad geführt und geschossen werden. Die Füße sind für Ballberührungen in dieser Sportart natürlich tabu.

Neun Tore erzielt

Für die angereisten Fans bot Kamenz dabei eine wahre Goldgrube an spannenden Duellen. Als Ausrichter für den Weltcup stand der SG Lückersdorf natürlich auch eine sogenannte Wildcard zu, sie waren also als Teilnehmer gesetzt. Mit Ricardo Slota und Marcus Richter schickten die Radballer aus Lückersdorf dann auch ihr Spitzenpaar aufs Parkett. „Für uns geht heute ein Traum in Erfüllung – wir spielen zweite Bundesliga und haben jetzt die einmalige Chance, gegen Weltniveau zu spielen“, schwärmt Ricardo Slota. Und schiebt hinterher: „Das fühlt sich fantastisch an!“ Und diese Euphorie nutzten die beiden Lokalmatadoren, auch wenn sie kein Spiel gewinnen konnten. Doch immerhin neun Tore zu erzielen – als Zweitligisten gegen weltweit aktive Spieler – grenzt schon an eine Sensation. „Wir freuen uns riesig, und wie wir von den Fans gefeiert wurden, das war spitze und einmalig“, ist Ricardo Slota am Abend hörbar glücklich.

Für den passenden Rahmen sorgten übrigens die Kunstradfahrer des RfV 1900 Wiednitz und „Kamenz can Dance“ mit furiosen Tanzeinlagen. Und die Stimmung in der Halle kochte. Am Ende sicherte sich dann die Mannschaft vom RV Obernfeld diesen ersten Kamenzer Weltcup. Und nicht nur die Finalisten zogen den sprichwörtlichen Hut vor den Organisatoren, auch der Kamenzer OB Roland Dantz war voller Euphorie: „Was Heiner Slota und sein Team hier geleistet haben war grandios, sie haben Sportgeschichte in Kamenz geschrieben!“

Ob es eine Wiederholung geben wird, lässt Heiner Slota offen. „Man soll niemals nie sagen“, lässt er sich entlocken.