merken

Sportler retten ihre Meisterschaft

Dass die Bundeswehr auf dem Flugplatz in Litten trainiert, gefährdet ein wichtiges Rennen der Modellsportler. Doch es gibt eine Lösung.

© privat

Von Marleen Hollenbach

Es sollte ihr großer Tag werden, der Lohn für die Arbeit der letzten Jahren. Am Sonnabend planten Modellsportler aus Bautzen den wichtigsten Wettkampf ihrer Vereinsgeschichte. Auf ihrer Strecke am Flugplatz in Litten hatten die Mitglieder alle Vorbereitungen getroffen. Nun freuten sie sich auf das bundesweite Saisonfinale. Doch nur ein paar Tage vor dem Rennen erreichte sie eine schlechte Nachricht.

Anzeige
Ausbildungsplätze vorgestellt!
Ausbildungsplätze vorgestellt!

Jetzt schnell noch einen Ausbildungsplatz sichern! Diese Top Unternehmen der Region bieten noch freie Ausbildungsplätze für das Jahr 2020.

Vom Sicherheitsdienst des Flugplatzes erfuhr Danny Gräfe vom Verein Grossmodelle Bautzen, dass die Mitglieder ihre Sportstätte am Wochenende gar nicht nutzen können. Weil offenbar Elitesoldaten der Bundeswehr auf dem Flugplatz für den Ernstfall üben, kann das große Rennen der Modellsportler nicht in Litten stattfinden.

Auf der Anlage sind seit einigen Tagen große Maschinen des Militärs zu sehen. Nach vorab verbreiteten Informationen der Bundeswehr beteiligen sich 240 Soldaten an der Übung „Black Star XV“. Dabei wird in Bautzen, den Angaben zufolge, das Verlegen und Zusammenziehen militärischer Einheiten geübt. „Dass das für unsere Strecke auch Konsequenzen hat, war ein Schock, vor allem deshalb, weil es um ein so wichtiges Rennen geht“, erzählt Danny Gräfe. 52 Fahrer haben sich mit ihren Modellautos bereits angemeldet. Sie kommen aus allen Ecken Deutschlands nach Bautzen, bringen gleich ihre Familie mit. Viele haben schon eine Unterkunft in der Stadt gebucht. „Für uns kommt es schon allein deshalb nicht infrage, das Rennen abzusagen“, erklärt Danny Gräfe.

Image nicht aufs Spiel setzen

Der Wettkampf muss stattfinden, auch weil dem noch jungen Verein sonst finanzielle Konsequenzen drohen. Die Fahrer haben bereits ein Startgeld bezahlt. Das müsste der Verein zurückgeben. Doch von diesem Geld haben die Mitglieder schon Pokale und Preise gekauft. Außerdem wollen die Sponsoren der Modellsportler beim Rennen dabei sein. „Wir haben unser Image mühsam aufgebaut. Das können wir nicht aufs Spiel setzen“, meint Gräfe.

Als die schlechte Nachricht ihn und die anderen 30 Vereinsmitglieder erreichte, dachten sie gar nicht ans Aufgeben. Sie fragten bei befreundeten Vereinen nach und kamen schließlich auf die Strecke in Großgrabe zu sprechen. Doch da gab es ein Problem. Die Strecke befand sich schon im Winterschlaf. Das bedeutet: Alles musste innerhalb kürzester Zeit wieder aufgebaut werden. „In fünf Tagen haben wir quasi auf der grünen Wiese eine Rennstrecke errichtet, die auch noch wettkampftauglich ist. Ich weiß selbst nicht, wie wir das geschafft haben“, erzählt Gräfe.

Wie viel Arbeit das war, weiß auch Heiko Schönberg vom Verein Cobra-Racing in Großgrabe. „Wir sind froh, dass wir die Bautzener unterstützen können“, sagt er. Zunächst errichteten die Mitglieder einen Zaun um die Rennstrecke. Der dient vor allem der Sicherheit. Denn die Modellautos sind keine Spielzeuge. Viele dieser Fahrzeuge sind um die 20 Kilogramm schwer. Mit bis zu 65 Stundenkilometern düsen sie bei einem Rennen über die Strecke.

Es fehlte am Licht

Doch als der Zaun stand, waren immer noch nicht alle Probleme gelöst. Am Flugplatz in Litten haben die Modellsportler eine eigene Flutlichtanlage. In Großgrabe gibt es kein Licht und noch nicht einmal genug Strom. Die Vereinsmitglieder stellten deshalb ein Notstromaggregat auf. Erst am Freitag, also nur einen Tag vor dem Rennen, konnten sie das Licht zum ersten Mal testen und schauen, ob die Fahrzeuge auch überall gut zu sehen sind.

Den Verein Grossmodelle Bautzen gibt es seit 2011. Damals entdeckten die Mitglieder eine freie Fläche am Flugplatz in Litten. In der Nähe des Towers bauten sie sich eine Rennstrecke. Drei Jahre dauerte das. Seit die Strecke steht, nehmen die Modellsportler auch an Wettkämpfen teil. Sie kümmern sich um ihren Nachwuchs und trainieren die Kinder im Verein. Viele spannende Rennen haben sie auf ihrer Strecke am Flugplatz schon organisiert. Aber keines war so wichtig, wie das, was am Sonnabend nun in Großgrabe stattfinden wird.

„Die ersten Modellsportler sind bei uns schon eingetroffen. Alle sind gespannt“, berichtet Heiko Schönberg, der schon jetzt an der Rennstrecke in Großgrabe steht. Auch Danny Gräfe kann es kaum erwarten. Wenn zwischen 16 Uhr und 20 Uhr die Modellautos über die Strecke flitzen, will der Bautzener nicht mehr an die Arbeit denken, sondern nur das Rennen genießen.